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Tuesday, September 23, 2008 by Ingo

Tacheles

Mir wird gern vorgeworfen, ein Eremit zu sein, ein Einsiedler. Wikipedia definiert das so:

Ein Eremit (altgr., das Wüste und „unbewohnt“ bedeutet, daher „Wüsteneinwohner“, deutsch auch Einsiedler) ist ein Mensch, der mehr oder weniger abgeschieden von der übrigen Gesellschaft lebt.

Zunächst mal: Ein Teil davon stimmt, ein wesentlicher nicht. Richtig ist, das ich das Alleinsein mit mir selbst sehr genießen kann. Die Nähe zu mir selbst, die dadurch entsteht - und die ein Urteilender von außen nicht sehen oder bewerten kann - tut mir grundsätzlich gut. Ich brauche für meine kreative Arbeit, und ihr wisst, wie essentiell wichtig die für mich ist, eine Spur weit Einsamkeit. Ich kann emotional, spirituell, gedanklich, wie auch immer, nur so in Tiefen abtauchen, die es mir erlauben, mein Innerstes zu berühren und einiges davon an die Oberfläche zu befördern. Das Ergebnis ist nicht selten Musik, die euch berührt, euch vielleicht ‘gleich mit mir’ fühlen lässt oder euch verstanden fühlen lässt, weil ich tief in mir dasselbe empfinde wie ihr. Jedenfalls empfinde ich das oft so.

Ich lebe seit 10 Monaten allein. Das ist so, weil ich es selbst so wollte, mein jetziges leben entspricht meinem tiefsten inneren Wunsch. Ich habe diese Entscheidung sehr bewusst getroffen, und ich bedauere sie überhaupt nicht. Das trifft nicht nur hier und da auf wenig Verständnis, man ist stellenweise auch dazu übergegangen, mich für meine Entscheidung zu hassen, und zwar mit aller Kraft. Ich mache das so wenig wie möglich zu meinem Problem.

Unrichtig ist, das ich - gemäß der obigen Definition - ‘abgeschieden von der Gesellschaft’ lebe. Das ist natürlich Bullshit. Ich habe eine Freundin, einen sehr wohltuenden Freundeskreis und genieße auch den Umgang mit (erlesenen Teilen) meiner Familie. Nicht zuletzt ist das auch Unsinn, weil ich als Künstler unterwegs bin, live spiele und immer viel mit Menschen zu tun habe. Und das natürlich sehr gerne, sonst würde ich das nicht machen. Nur für mein Ego mache ich das alles nicht. Ich freue mich (meistens), Menschen zu treffen, nicht nur weil sie mich oder meine Musik toll finden. Oder meine Attitüde, oder sonstwas Belangloses.

Wer über das übliche Maß hinausgehende Zeit mit mir verbringt, der hat es meistens schwer mit mir. Ich gelte als ein offener - ja sogar extrovertierter - Typ, der selten etwas unausgesprochen lässt und auch unangenehme Dinge - oft gefühlt hart - auf den Tisch bringt. Ich hab auch ‘nen ganzen Arsch voll Humor und immer ‘nen Spruch parat. Wer mich mal erlebt hat, weiß das.

Dennoch gibt es Dinge, die ich nicht rauslasse, bei denen ich verschlossen bin, über die ich nicht reden möchte oder kann. Wenn man mich nicht sehr genau kennt, fällt einem das gar nicht auf, aber je näher ein Mensch mit mir zu tun hat, desto eher bemerkt er das. Das liegt unter Anderem daran, das ich nicht sehr schnell wirklich vertraue. Persönliche Enttäuschungen haben bei mir eine lange Halbwertzeit. Es fällt mir schon schwer, das öffentlich so zu schreiben, glaubt mir das. Ich schreibe es aber dennoch, weil es für mich - wie so oft - Ventilfunktion hat. Es gefällt mir nämlich nicht, so ‘vertrauensempfindlich’ zu sein. ICH gefalle MIR so nicht, eigentlich bin ICH das nichtmal, und manchmal zerstöre ich dadurch auch etwas, sogar in mir selbst. Ich arbeite an mir.

Ich bin irgendwie eigen, ja. Sicher auch für den einen oder anderen schwierig, ja. Aber ein Eremit nicht. Das liegt mir nicht. Ich gehe gern mit Menschen um, und ich lerne von allen, die mir begegnen, mehr und mehr ich selbst zu werden.

Jetzt stelle ich mal eine sensible Frage an jeden von euch: Kennt ihr einen einzigen Menschen, der euch noch nie belogen hat, war die Lüge noch so klein und unbedeutend? Und welches Gefühl gibt euch die Antwort darauf? Ganz ehrlich, Tacheles.

Monday, October 29, 2007 by Ingo

yasni.de

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Hansen-Oest,

ich musste heute feststellen, das mein Name in Verbindung mit meinem Geburtsdatum und meinem Wohnort auf der Website ihrer offensichtlichen Mandantschaft, der Betreiberin der Website yasni.de, einer Personensuchmaschine, für jeden öffentlich einzusehen ist. Hiermit bin ich überhaupt nicht einverstanden.

Das ich diese Daten der Fa. Amazon für meine sog. “Wunschliste” zur Verfügung stelle, bedeutet noch lange nicht, daß ich diese Daten der breiten Masse zugänglich machen möchte, zumal diese Daten auf Amazon.de nicht so einfach für jedermann zugänglich sind. Beispielsweise muss jemand schon gezielt nach dieser (meiner) Wunschliste suchen, um überhaupt fündig zu werden.

Wenn ich der Fa. Google (oder auch allen anderen ausser ihrer Mandantin) Suchergebnisse gestatte, dann deshalb, weil ich dies auch gezielt so forciere bzw. bewusst nicht verhindere. Das bedeutet abermals nicht, daß ich dies für ihre Mandantin vorgesehen habe.

Ich muss ihre Mandantin leider auffordern, Suchergebnisse auf yasni.de bezüglich meines Namens umgehend unmöglich zu machen, zumindest aber die Nennung meines Geburtsdatums und meines Wohnortes. Diesem Verfahren bzw. dieser Verbreitung meiner persönlichen Daten habe ich nicht ausdrücklich zugestimmt, und ich habe dies auch zukünftig nicht vor.

Diese Email geht zur reinen Information in Kopie an meinen Rechtsanwalt XXX XXXXXX, XXXXXXXXXX.

Mit freundlichen Grüßen,

Ingo Vogelmann

Anhang: Screenshot des oben beschriebenen Suchergebnisses, mit Datums- und Zeitangaben im Dateinamen

yasni.de

Update (Antwort nach 7 Minuten!)

Sehr geehrter Herr Vogelmann,

vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich werde die Angelegenheit an den Betreiber der Website weiterleiten und das weitere Vorgehen mit diesem besprechen. Ich melde mich dann umgehend bei Ihnen zurück. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass dies einige Tage in Anspruch nehmen kann.

Mit freundlichen Grüße

Stephan Hansen-Oest