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Monday, September 22, 2008 by Ingo

Primatöses

Rounders bei achnaja.com hat mich inspiriert mal (kurz)(1) was zu erzählen. Nebenbei: Ein sehr empfehlenswertes Blog. Kommen wir zu meiner Story:

Ich war 15 (1988) und es war Sommer. Ausserdem war ich mit einem total bescheuerten Typen, der den ganzen Tag nur Lügengeschichten erfand - von wegen wie cool, hart und überhaupt er ist - unterwegs in die Essener Innenstadt, um ein bißchen Weiber aufzureissen herumzuflanieren. Ich weiss heute nicht mehr, wieso ich mir das antat, er nervte eigentlich nur. Scheinbar erachtete er mich aber als passendes Schnitzel-ans-Ohr-laber-Opfer. Weil er so cool war, fuchtelte er übrigens alle paar Minuten (öffentlich und hochpeinlich) mit seinem Butterfly-Messer herum. Mehr als ein mal habe ich mir gewünscht, das er sich beim Herumfummeln mit dem Teil die Finger zerhackt langweilt.

Auf der Rückfahrt in der U-Bahn stiegen nach 2 Stationen genau 10 Personen ein, denen man seinerzeit nicht gern begegnete. Es handelte sich um eine Art Gang aus der Nachbarstadt Mülheim, die berüchtigt war für Brutalität und schwere Straftaten.(2) Einen von den 10 kannte ich sogar näher und war überrascht, ihn in der Gruppe zu entdecken. Er war ein Nachbar von mir, wohnte ca. 200 Meter von mir entfernt und kam eigentlich aus sprichwörtlichem ‘guten Hause’. Ein Idiot war er trotzdem, oder genau deshalb, wer weiss das schon.

Jedenfalls passierte, was passieren musste. Einer der Gang kam - obwohl es viele andere Möglichkeiten gab - auf mich zu und sprach:

Steh’ auf, ich will da sitzen!

Ich so:

Schau’ dich um, ist doch genug frei.

Falsche Antwort. Was nun passierte, war ein Albtraum und zugleich ein traumatisches Erlebnis, was mich für mein ganzes Leben prägte, und zwar bis heute. Der freundliche Mitmensch schlug mir sofort ins Gesicht, während der coole Butterfly-Kumpel sich erstmal blitzschnell aus dem Staub machte, um mich der Meute allein zu überlassen. Er verschwand und ward nicht mehr gesehen. Zumindest an dem Tag nicht mehr.

Natürlich verließen auch alle anderen Fahrgäste sofort die U-Bahn, niemand kam mir zur Hilfe. NIEMAND.

Im Folgenden habe ich unzählige Schläge, Tritte und geschlagene Flaschen aushalten müssen. 10 besoffene Schläger drehten mich einmal komplett auf links und wieder zurück. Alle Klamotten, die ich am Körper hatte, waren blutgetränkt. Und es war mein eigenes. Dennoch hatte ich irgendwie grosses Glück. Bis auf einen lockeren Zahn, der sich von alleine wieder festigte, Prellungen, Platz- und Schnittwunden, war mir nicht mehr passiert, was z.B. Folgeschäden hinterlassen hat. Ich musste nicht einmal ins Krankenhaus. Meine Lippe war an zwei Stellen aufgeplatzt, war alles nicht so tragisch.

Die Schläge waren nicht das Schlimmste. Der Schmerz kam erst danach, verging schnell, und die Wunden heilten innerhalb von 2 Wochen. Es war die Ohnmacht, einer Gruppe von Schlägern ausgeliefert gewesen zu sein, ohne das ich irgendwas hätte unternehmen können. Man trat ziemlich eiskalt auf mich ein, als ich bereits blutüberströmt und vollkommen wehrlos in Embryonalstellung auf dem Boden lag und meinen Kopf festhielt, auf das er mir bei einem der Tritte nicht von den Schultern riss. Dieses Gefühl, absolut nichts entgegensetzen zu können, es über mich ergehen lassen zu müssen, das ist es, was mich von dem Moment an nie wieder losgelassen hat. Jeder von der Meute hatte mindestens einmal Hand, Fuß oder Flasche an mich gelegt. Sogar mein Nachbar, der aus gutem Hause.

Ich weiß, er bereut das bis heute. Zumindest erinnert er sich an den Vorfall mindestens genauso lange wie ich. Zum Beispiel jeden Morgen, wenn er sich die beiden vorderen Schneidezähne putzt, die nicht mehr die sind, die er direkt nach der Geburt hatte. An dieser Stelle lasse ich Interpretationsspielraum …

Nach diesem Vorfall musste ich etwas für mein Ego, für mein Selbstbewusstsein, tun. Ich begann mit Kampfsport, und ich war ganz gut darin. Mir ist sowas nie wieder passiert. Heute reagiere ich immer noch sehr empfindlich auf Androhung von körperlicher Gewalt bzw. wenn ich ‘rieche’, das jemand nur darauf aus ist. Ich bin mit den Jahren sehr entspannt geworden, was nicht immer so war. Seit vielen, vielen Jahren kam es zu keinem Zwischenfall mehr. Ich rieche sowas mittlerweile 500 km gegen den Wind und gehe jeder potenziell gefährlichen Situation bewusst aus dem Weg. Wenn ich nur eine Gruppe Betrunkener sehe, mache ich einen großen Bogen, besonders, wenn ich weibliche Begleitung habe. Sowas ist - komischerweise - wie ein Stressmagnet für übermütige Besoffene.

Es gibt Momente, in denen man direkt ‘drin steckt’, ohne die Möglichkeit zur schnellen Flucht. Dann geht es halt nicht anders, aber zum Glück bin ich in den letzten Jahren davon verschont geblieben. Denn mein Problem ist dann nicht die Angst davor, etwas abzukriegen sondern mehr kein Bock auf den Stress, der dadurch entstehen kann. Ihr wisst vielleicht, was ich meine … der Polizei (oder gar einem Richter) Fragen beantworten etc. …

Womit ich immer noch ein kleines Problem habe: Wenn mich ein Betrunkener aggressiv volllabert und mich dabei anfasst oder mir generell zu nahe kommt (was ich ohnehin nicht mag, wenn ich jemanden nicht kenne). Dann muss ich mich entweder - inklusive deutlichen Vorwarnungen - ganz schwer zusammenreissen oder … ihr wisst schon. Ich spreche sowas sehr ungern aus, weil ich es selbst total Shyce finde.

Gewalt ist das Allerletzte. Besonders, wenn es die einzige Möglichkeit ist, um sich selbst oder andere zu schützen. Es gilt: Lass’ den Alkohol aus der Rübe, wenn du ihn nicht verträgst. Auch alles andere, was du nicht verträgst.

Was mit dem Butterfly-Kumpel passierte? :D Nichts. Wann immer ich ihn irgendwo gesehen habe, ging er mir aus dem Weg, wechselte schon aus der Ferne die Strassenseite und verschwand irgendwo so unauffällig wie möglich. Diese verkackte, feige Ratte.

  1. Haha. (back)
  2. Einige davon haben später viele Jahre eingesessen. (back)