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Tuesday, October 7, 2008 by Ingo

Funker Vogelmann und das 2./FmBtl 820

2./FmBtl 820? Was heisst das denn? Nun, das heisst soviel wie: 2. (Stabs- und) Fernmeldebataillon 820, Bergische Kaserne, Düsseldorf /Mettmann. Mehr dazu hier: BundeswehrWiki.

Da war er, der ‘Funker Vogelmann’ (Spitzname unter sogenannten Kameraden: ‘FuVo’), der nie einer sein wollte. So hat FuVo dem 2./FmBtl 820 mindestens ebenso viel Sorgen bereitet wie das 2./FmBtl 820 dem FuVo. Als FuVo eingezogen wurde, kam er pauschal mal 2 Wochen zu spät, die Feldjäger (Militärpolizei) standen bereits 3 mal vor der Tür (und erwischten FuVo nicht). FuVo trudelte dann, angesichts der haariger werdenden Situation, irgendwann freiwillig in der Bergischen Kaserne ein und bekam erstmal 2 Wochen Ausgangssperre nebst 500 DM Geldstrafe auferlegt. Das ließ sich seinerzeit gut verschmerzen.

FuVo ärgerte den Oberstabsarzt und seine Zugführer (die wechselten im Laufe der Zeit) sehr. Einer davon war ein ehemaliger NVA-Offizier, der sich vorgenommen hatte, FuVo mal richtig ‘lang zu machen’. Der Plan ging nicht auf, dafür aber nach hinten los. Gleiches dachte sich bereits der erste Zugführer, der sich noch tiefer ins Fleisch schnitt, denn FuVo war ein Experte in Sachen ‘Soldatengesetz auswendig kennen’, denn genug Zeit hat man bei der Bundeswehr ja, und auch sonst nichts Sinnvolles zu tun. Also pisakte FuVo seine Vorgesetzten regelmässig mit Sachverhalten, die ER DENEN ANHING und weniger umgekehrt. Mit nicht unbeachtlichem Erfolg. So erarbeitete sich FuVo während seiner Bundeswehr’karriere’ den Titel des meistgehassten Rekruten ever. Nehme ich mal an. Selbst den Hass von Kameraden zog er gekonnt - und oft gezielt - auf sich. Es gab da doch tatsächlich welche, die den Bundeswehrdienst ganz toll fanden und ihn in speichelleckerischer Manier vollzogen. Da hatte FuVo sehr wenig Verständnis für. Unter Querdenkern war FuVo so etwas wie ein Vorbild und genoss da sehr viel Ansehen.

In der Bergischen Kaserne gab es mehr Drogen als konsumierende Soldaten, weshalb FuVo den Job gern stellvertretend übernahm, mit der Absicht, rausgeworfen zu werden. Das klappte SO nicht.

Als Unteroffizier vom Dienst lies FuVo sich während des Wachpostens nachts vom Spieß beim Schlafen erwischen. Man traf ein Gentleman Agreement, da der Spieß in der Dienstzeit total besoffen war (wie eigentlich sonst auch den ganzen Tag über). Dafür musste FuVo (Befehl!) den Spieß, der morgens schlecht aus den Federn kam, jeden Morgen pünktlich wecken, damit dieser den Morgenappell nicht zum 876-sten Mal verpasste. Im Gegenzug dazu hat jener FuVo nicht an höherer Stelle wegen der verpennten Wache verpetzt.

Auf den Kartoffelsäcken für die Küche im ‘Mannheim’ (Mannschaftsheim) stand:

Für Soldaten oder Schweinemast

Soviel zum Essen. Den Rest überlasse ich der Phantasie des Lesers.

Beide waren froh, als FuVo den Drecksladen endlich verlassen hat, sowohl FuVo selbst als auch das 2./FmBtl 820, wenn nicht gar das gesamte 820-er, ach, was sag ich: Die gesamte Bundeswehr. Zwei meiner Kameraden aus meinem Zug (mit ca. 30 jungen Männern) haben sich in unserer gemeinsamen Bundeswehrzeit das Leben genommen, weil der Grundwehrdienst ihr persönliches Leben zerstört hat. Einer davon war mein Freund, er hat sich in seiner Wohnung erhängt. Er hatte mir einmal bei einem Manöver das Leben gerettet, ohne ihn wäre ich erfroren.(1) Sein Tod war für mich sehr … befremdlich, um es mal milde zu formulieren, denn ohne ihn würde ich heute nicht leben.

Im Netz habe ich heute entdeckt, daß es das 2./FmBtl 820 nicht mehr gibt, es wurde im Sommer 2008 aufgelöst, die Bergische Kaserne bis 2012. Meine Bundeswehrzeit war der ALLERLETZTE SCHEISS. Der Grund, warum ich sie nach 6 Monaten bereits beenden durfte: Ich habe während meiner Zeit als Soldat nachträglich den Kriegsdienst verweigert. Das geht. Und es hat geklappt. Eine Waffe habe ich nie angerührt, ich kannte ja - wie bereits erwähnt - das Soldatengesetz. Wenn andere also Schießübung hatten, durfte ich mich in der Zeit als Putze betätigen. Das Putzergebnis war egal, ich sollte nur beschäftigt werden. Aber gut, das ist sowieso der Gesamtzweck der Bundeswehr.

Legendär ist der Auftritt eines Stubenkameraden, welcher Star Trek-Fan war. Es begab sich, das ein (ranghoher) Vorgesetzter die Stube betrat und fragte:

Was ist das denn da auf ihrem Barett?

Das Abzeichen des klingonischen Imperiums.

Wir alle haben unter dieser Antwort leiden müssen. Weil wir das alle sehr lustig fanden. Der Vorgesetzte überhaupt nicht.

Irgendwann erzähle ich euch dann von der anschließenden Zeit als Zivildienstleistender beim Staatlichen Umweltamt, die ich real nie abgeleistet habe. Eine leicht minder spannende Anekdote … nur soviel: Zivile Ärzte können sehr praktisch sein; besonders, wenn man mit einem befreundet ist.

  1. Die eine Woche im zivilen Krankenhaus in Hemer war übrigens das Beste an der Bundeswehrzeit. (back)