This is the official website of the musician, sound engineer, DJ, composer & producer for film & media Ingo Vogelmann. No MySpace, Fuckbook or whatever ... this is a real real deal.
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getFrisky! Essen | 31. Januar 2009 | Ticket-Vorverkauf
FrauLehmann (Gitte Lehmann) hat mich interviewed. Ich finde das Interview sehr gut.
Gitte Lehmann: Hallo Ingo. Ich freue mich über die Gelegenheit, ein Interview mit dir zu führen. Du bist Produzent, Komponist, DJ, Designer, Tontechniker, Labelinhaber und und und. Die Liste ist unendlich und nur du kannst sie vervollständigen. Doch angefangen Musik zu machen hast du in Bands als Schlagzeuger. Oder wie isset?
Ingo Vogelmann: Nicht ganz, aber man könnte das von außen so betrachten. Wahr ist, das ich mit 6 Jahren angefangen habe, Musik zu machen. Mein 10 Jahre älterer Bruder hat mich damals vom Schlagzeug begeistert, und von da an war es um mich geschehen. Ich bin meiner Mutter so lange auf den Sack gegangen, bis ich Unterricht nehmen durfte.
Gitte Lehmann: Und darauf hin hast du auch in Bands deine Künste zum Besten gegeben? Ich will mehr wissen…
Ingo Vogelmann: Das war erst viel später. Meine Skills habe ich bis zu meinem 16-ten Lebensjahr geschärft, bevor mich mein Musiklehrer in der Schule dazu aufforderte, die Schulband zu organisieren, sprich den Schlagzeuger zu mimen. Er wusste natürlich, das ich das konnte. Aus der Schulband ergab sich dann, das mein Sportlehrer, der Bassist war, mich fragte, ob ich nicht in seiner privaten Band spielen wolle, da der Schlagzeuger ausgefallen sei. Und so nahmen die Dinge ihren Lauf, ich wurde Schlagzeuger in einer Coverband, die bekannte Rock- und Metalsongs spielte. Hat Spaß gemacht.
Gitte Lehmann: Jetzt muss ich aber den Namen der Band wissen. ‘The Fantastic Fucker’ oder ‘Grandmas Rocker’ ward ihr bestimmt nicht.
Ingo Vogelmann: Boah, ich weiss das nicht mehr, ehrlich.
Gitte Lehmann: Ja gut. Du bist ja auch schon etwas älter. Aber wie kam dann das Interesse, sich mit professionellen, elektronischen Studioproduktionen zu beschäftigen?
Ingo Vogelmann: Das Interesse erwuchs aus einer völlig unverhofften Begegnung mit einem Boss Drumcomputer, einem Dr. Rhythm, so hieß das Teil. In meinem Blog kann man diese erste Begegnung nachlesen, übrigens. Ich war völlig geflasht von den Möglichkeiten, in einem Sequenzer Drumnoten einzugeben, die der dann auch genau so abgespielt hat. Perfekt halt, wie ein Drummer mit 4 Armen und Beinen und perfektem Timing.
Gitte Lehmann: Hattest du zu dieser Zeit schon musikalische Vorbilder? Also jemanden, der in der Realität so spielt, als hätte er 4 Arme und Beine?
Ingo Vogelmann: Oh ja! Zu der Zeit fand ich Mark Brzcicki von Big Country supergeil, deren Sänger und Songwriter sich ja leider auf Hawaii selbst getötet hat. Da war ich sehr traurig, nur mal nebenbei. Aber der Größte von allen war bereits damals wie heute für mich Simon Phillips, den ich auch persönlich kennenlernen durfte, und zwar bei einem Drum Workshop in Bochum. Der spielt auch heute noch so, als hätte er 4 Arme und - übrigens - 8 Beine.
Gitte Lehmann: Seit 1993 hast du dann angefangen in Clubs aufzulegen und so selbst Arme und Beine in die Hand genommen und es krachen lassen. Wie hast du diese Zeit erlebt? Besser: wie intensiv hast du alles wahrgenommen? Oder ist man als ‘Newcomer’ zu sehr mit dem Job beschäftigt, als dass man den Auftritt und das Drumherum genießen kann?
Ingo Vogelmann: Schwere Frage. Das war sowas wie ein fließender Übergang vom Clubber zum DJ. Ich war begeistert von der Musik, und irgendwann ergab sich die Gelegenheit, selbst mal an Plattentellern zu stehen. Das Ineinandermixen von 2 Platten funktionierte ganz schnell, und ich fand meinen Spaß daran. Das Technische fiel mir schon immer leicht, weshalb ich schon immer - wie auch heute - viel Zeit mit der Trackauswahl und dem analysieren des Publikums verbracht habe. Ich mag es sehr, selbst ganz in die Stimmung einzutauchen.
Gitte Lehmann: Dir liegt also nichts am kommerziellen Auflegen? Sprich: spielen, Geld nehmen, abhauen? Du stellst dich also auf dein Publikum mit deinen Tracks ein?
Ingo Vogelmann: Ein Auftritt von mir ist insofern immer kommerziell, als daß ich Geld dafür verlange. Musikalisch betrachtet spiele ich nichts, was ich nicht geil finde, das geht gar nicht. Geld nehmen und abhauen ist sicher auch mal vorgekommen, aber nur, wenn der Veranstalter ein Arsch war und versucht hat, den DJ - also mich - zu verarschen. Das kommt leider oft vor, und DJ-Kollegen werden das bestätigen können. Natürlich stelle ich mich auf mein Publikum ein, dafür bezahlen die Leute, und sie können verlangen, das ich mein Bestes gebe.
Gitte Lehmann: Du arbeitest in der Künstlerbranche. Und die ist schnelllebig. Da sichert man sich doch durch Verträge ab (wie z.B. bei einem Auftritt) oder wie geht das bei musikalischen Auftritten von Statten?
Ingo Vogelmann: Ich habe sehr gut ausgearbeitete Verträge, aber letztlich ist das alles nur Papier, wenn du verstehst, was ich meine. Sicherheit gibt es nicht dadurch. Das ist eine Sache des Feelings. Wenn ich jemanden nicht mag oder ein schlechtes Gefühl bei einer Anfrage habe, dann mache ich das nicht, auch wenn der bereit wäre, meinen Vertrag zu unterzeichnen. Außerdem gibt es die Hälfte der Gage immer im Voraus, es sei denn, ich kenne jemanden persönlich gut und mag ihn.
Gitte Lehmann: Du kehrst also Leuten konsequent den Rücken, bei denen du dich nicht respektvoll, bezogen auf deine Musik und dein Können, behandelt fühlst?! War das auch der Grund, warum du Deutschland den Rücken gekehrt hast und nach Mallorca gezogen bist? Du hast dort eine ganze Zeit gelebt…
Ingo Vogelmann: Ja, denen kehre ich konsequent den Rücken, aber auch höflich. Das war aber nicht der Grund für mein Leben auf Mallorca. Auf Mallorca hatte ich ein verlockendes Jobangebot, was sich letztlich weniger erfüllend herausgestellt hat, als gedacht. Ich habe dann aber noch eine Weile dort verbracht und irgendwann die Nase voll gehabt. Mallorca ist nicht der Ort, an dem ich lange leben kann und möchte.
Gitte Lehmann: Aber es war der Ort, an dem du dein aller erstes Album produziert hast - ‘Deep Understanding’. Achtung, jetzt kommen gleich mehrere Fragen: wie kam der Übergang vom DJ zum Produzenten und wie war dieser? Und wie kam es zu dem Namen des Albums?
Ingo Vogelmann: Ja, ‘Deep Understanding’ ist dort in relativer Einsamkeit und einem empfundenen, tiefen Verstehen meines Selbst entstanden, eben durch die Einsamkeit. Ich war sehr intensiv mit mir selbst beschäftigt. Das war eine harte aber sehr gute Zeit. Klingt komisch, war aber so. Produziert habe ich schon 1994 professionell, wenn du so willst. Der Übergang war schlicht und einfach die immer intensivere Berührung mit Computern, die es auf einmal möglich machten, recht komfortabel zu sequenzen. Schlicht und einfach.
Zum Namen des Albums: anfangs hieß das Album nicht so sondern ‘Eight Open Letters To The World’ und bestand, logischerweise, aus 8 Tracks. Wegen einer Unstimmigkeit mit der EMI Music Publishing habe ich das Album umbenannt. Ich hatte einen sehr unglücklichen Verlagsdeal mit der EMI in Hamburg unterzeichnet.
Gitte Lehmann: Ich habe darüber in deiner Bio auf deiner Seite gelesen. Und du schriebst auch zuvor, dass du nach Malle gingst, weil du ein Jobangebot hattest, ‘was sich letztlich weniger erfüllend herausgestellt hat, als gedacht’. War das auch auf EMI Music bezogen?
Ingo Vogelmann: Nein, das der Vertrag mit der EMI Scheiße war, stellte sich für mich erst viel später heraus. Ich war damals ein Newbie. Mir musste das erst mein Anwalt, Chan-Jo Jun, sagen, dem ich bis heute für seine Arbeit sehr dankbar bin.
Gitte Lehmann: Bezogen auf deine Einsamkeit und deinem empfundenen, tiefen Verstehen deines Selbst und dein sehr intensives Beschäftigen mit dir selbst, finde ich den Titel des Albums sehr passend. Hat diese Zeit auch etwas damit zu tun, dass du dich aktiv für die Menschenrechte einsetzt, wie z.B. durch deine Mitgliedschaft bei Amnesty International? Überhaupt deine Aktivität FÜR Menschen finde ich stark.
Ingo Vogelmann: Das hat sicher etwas damit zu tun, ja. Aber nicht ausschließlich. Ich befand mich innerhalb der letzten - sagen wir - 5 Jahre insgesamt in einem Prozeß meiner Persönlichkeitsentwicklung, der mich immer mehr verstehen ließ, was in unserer Welt vor sich geht. Zumindest bilde ich mir das bis heute ein. Es ist mir heute sehr wichtig, für andere da zu sein. Mir geht es nämlich sehr gut, und ich verspüre den tiefen, inneren Wunsch, anderen zu helfen, denen es nicht so gut geht wie mir. Vielleicht auch, weil ich nicht immer der Netteste war.
Gitte Lehmann: So, wie warst du denn? Welcher Wandel liegt hier vor?
Ingo Vogelmann: Na, eben nicht immer der Netteste, wie gesagt. Ich glaube schon, daß ich mal ein großer Egoist war. Aus heutiger Sicht betrachtet fällt es mir aber schwer, das genau zu sagen. Ich habe da nicht mehr so die Erinnerung. Aber das ist auch heute völlig irrelevant, zumindest für mich. Leben ist ständiger Wandel, und den gestatte ich mir auch.
Gitte Lehmann: Da hast du vollkommen Recht. Du lebst hier und jetzt. Deinen, ich nenn es mal positiven Wandel, können wir alle miterleben. Zum Beispiel hast du 2007 offiziell eine Peacebiker Tour gestartet. In wie weit hat das mit deinem Bewusstsein zu tun und deinem inneren Wunsch für andere etwas zu tun?
Ingo Vogelmann: So schlecht war ich nun auch wieder nicht. Die Peacebiker Tour entsprang aus meiner Liebe zum Biken und der Liebe zu den Menschen, denen es beschissener geht als mir. Ich wollte das miteinander verbinden, was ja auch gelungen ist. Ich hätte mir mehr Erfolg gewünscht, aber das Ganze war recht kurzfristig geplant und ausserdem musste ich die Tour ja auch unterbrechen.
Gitte Lehmann: Das habe ich auf Amnesty in Bewegung und deinem Peacebiker Blog lesen können. Kannst du kurz den Grund resümieren, warum du einen Stop einlegen musstest und was die Tour letztendlich gebracht hat - sowohl für dich als auch für Mitmenschen?
Ingo Vogelmann: Die Tour musste ich abbrechen, weil ich ganz nahe an einer lebensgefährlichen Unterkühlung war. Ich hatte das in meiner Bundeswehrzeit einmal erlebt und eine Woche auf der Intensivstation verbracht. Da hatte ich ein zweites Mal keine Lust drauf. Das Wetter hatte mir einen gründlichen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Tour hat mir persönlich sehr viel gebracht, nämlich Klarheit über viele Dinge, die mein Privatleben betrafen und natürlich ein paar Hundert Euro für Menschen, die unwürdig behandelt oder gar gefoltert werden.
Gitte Lehmann: Da bin ich froh, dass du die Entscheidung getroffen hast und an dein Leben gedacht hast. Nun hat der immernoch lebendige Ingo Vogelmann ein Album namens ‘GOD‘ herausgebracht. War das vor der Tour oder danach?
Ingo Vogelmann: Neun Monate davor.
Gitte Lehmann: Zitat: ‘Das Konzept-Album „GOD“ ist Ingo Vogelmanns bisher komplexeste Veröffentlichung. „GOD“ ist die Verdichtung und die Essenz von Vogelmanns gesamten bisherigen Schaffens. 4 Stunden Musik geben ein monumentales Statement zu den Begriffen „Religion“ und „Glaube“ ab.’ Du hast dich also auch vor deiner Peacebiker Tour intensiv mit dir und den Dingen beschäftigt, denn dein Album spiegelt das ja ganz klar wider.
Ingo Vogelmann: Viele Menschen sehen das gar nicht so klar wie du.
Gitte Lehmann: Ich habe dein Album mehrfach gehört und höre es immer wieder gern. Die Vielfalt ist unglaublich, dennoch ist eine klare Linie an Klängen heraus zu kristallisieren, die deinen unverwechselbaren Stil ausmacht. Es ist teilweise anstrengend, denn es erzeugt in einem Stimmungen, die nicht immer positiv sind (so ist mein persönliches Empfinden). Du erzeugst beim Hörer mit deiner Musik etwas. War das die Absicht von ‘GOD‘?
Ingo Vogelmann: Erstmal Dank für die Anerkennung, jedenfalls deute ich das so. GOD hat, wenn überhaupt, die Absicht, Menschen wach und bewusst sehen zu lassen. Dazu gehört natürlich auch vermeintlich Negatives. Also habe ich zumindest bei dir mein Ziel wohl erreicht. Oder irre ich?
Gitte Lehmann: Ziel erreicht. Man kann, wenn man deine Musik versteht und zuhört, sich ein bisschen wie ein Gewinner im Mensch-Ärger-Dich-Nicht Spiel fühlen. Als hätte man etwas dazu gewonnen beim Hören. Meint: diese Friede-Freude-Eierkuchen Stimmung wie bei den Kastelruther Spatzen kommt nicht auf. Im Gegenteil, man beginnt teilweise unbewusst Assoziationen zu schaffen zwischen Musik und Leben. Braucht es als Produzent lange diese Feeling in Klänge umzusetzen?
Ingo Vogelmann: Na ja, der Job eines Produzenten ist ja eher technischer Natur, aber wenn du den Job des Komponisten ansprechen wolltest, dann kann ich nur sagen, das ich dazu nichts Konkretes sagen kann. Ich komponiere aus den Tiefen meines Selbst, oder so, und das fließt immer so, als würdest du bei dir zu Hause den Wasserhahn aufdrehen. Ich glaube, sehr zielgerichtetes Komponieren funktioniert nicht, jedenfalls nicht, wenn es um so etwas wie GOD geht. Die Idee zu GOD hatte ich lange vorher, aber die Musik selbst ist beim Komponieren und Auschecken von Soundcollagen entstanden, nicht eine Sekunde früher.
Gitte Lehmann: Ich meinte auch eher, dass du etwas produzierst, wobei du eigentlich komponierst. Gab es hier auch Vorbilder für das Album ‘GOD‘? Zum Beispiel bist du aktiv beim Mike Oldfield Blog dabei und auch sonst hast du es mit vielen Größen zu tun, unter anderem hast du schon einen Plausch mit Peter Gabriel gehalten. WOW!
Ingo Vogelmann: Nein, Vorbilder gab es schon allein aus dem Grund keine, weil bisher niemand vorher so etwas gemacht hat. Musikalisch zitiere ich in GOD sicher den einen oder anderen Musiker, was an meiner persönlichen Entwicklung als Musikliebhaber liegt. Zum Glück bin ich nur ein Teammitglied beim Mike Oldfield Blog, Oldfield selbst hat sich mir gegenüber eher enttäuschend verhalten. Dennoch achte und schätze ich ihn als Musiker sehr hoch. Mein Plausch mit Peter Gabriel war sehr geschäftlicher Natur, leider. Etwas mit ihm zusammen zu machen, wäre ein dickes Ding. Er zählt für mich zu den wenigen Leuten, die riesengrosse Leistungen abgeliefert haben. Mir ging auch schön der Stift, als ich ihn auf einmal am Telefon hatte.
Gitte Lehmann: Geht dir sonst nicht so der Stift?
Ingo Vogelmann: Nein, nicht mehr.
Gitte Lehmann: Das ist hoffentlich nicht verdauungstechnischer Natur - das wäre fatal. Momentan können wir dich ohne große Reise auf friskyRadio über das Internet hören. Du hast dort zwei Shows am Laufen: LIGHTWORKS und TIMEOUT. Gib mir mal bitte eine kleine Einführungslektion dazu…
Ingo Vogelmann: Sehr einfach. LIGHTWORKS ist eine achtstündige Show, in der ich selbst - nebst diverser Gast-DJs - Progressive House spiele. In TIME OUT spiele ich meistens eine Stunde Ambient und Chillout, die andere Stunde ein Gast. Manchmal spiele ich auch LIGHTWORKS acht oder TIME OUT zwei Stunden alleine. Zum Beispiel, wenn ich zu wenig Zeit hatte, um Gäste zu rekrutieren.
Gitte Lehmann: Du stellst deine Sets nach der Show zum kostenlosen Download auf L2PODIO bereit. Leider sind auch andere an der ungefragten Veröffentlichung deiner Musik interessiert. Wie stehst du dazu? Und kann man sich davor schützen?
Ingo Vogelmann: Was meinst du genau?
Gitte Lehmann: Ich meine speziell, wenn ungefragt Klingeltöne aus deinen Tracks gebastelt werden oder die Sets einfach auf einer Homepage auftauchen und sich die Veröffentlicher mit Federn von friskyRadio schmücken oder eben auch mit deinen. Wie stehst du dazu?
Ingo Vogelmann: Ich will es mal so sagen: Ich besuche nicht eine Austellung eines Künstlers und nehme seine Bilder ungefragt mit. Für mich ist Kunst und Kultur das höchste Gut auf Erden, und ich finde, es sollte für jeden Menschen frei zugänglich sein. Aber bestehlen lassen möchte ich mich nicht. Ich biete immer die Möglichkeit, mich direkt zu fragen. Wer die nicht nutzt, hat zu wenig Respekt und riskiert Ärger mit mir.
Gitte Lehmann: Das mit dem Respekt hatten wir ja schon Anfangs, wo ich völlig einer Meinung mit dir bin. Kann man denn rechtlich etwas dagegen unternehmen? Ich habe da etwas von SAVEMUSIC gehört. Worum handelt es sich dabei?
Ingo Vogelmann:SAVEMUSIC schützt die Rechte von Musikschaffenden und Musikfans gleichermaßen. Die Kriminalisierung von Musikliebhabern geht nicht in Ordnung, das Bestehlen der Musikschaffenden ebenso wenig. Beide Seiten gehen immer noch zu wenig aufeinander zu. Aber es ist schon besser geworden, was ich auch unserer Arbeit mit SAVEMUSIC zuschreibe.
Gitte Lehmann: Es gibt da auch ein Prinzip, was die Band Marillion versucht hat. Eine neue Form von Kommuikation und gegenseitigem Respekt in Hinblick auf Musik zwischen Musiker und Hörer, wie du es eben angesprochen hast. Was kannst du mir dazu sagen und würde das auch in deinem Fall eine funktionierende Lösung darstellen?
Ingo Vogelmann: Du sprichst das Konzept an, CDs direkt vom Musiker an die Fans zu verkaufen. Marillion hat das super geschafft, in dem sie die Kosten für die Produktion des Albums von den fans haben vorfinanzieren lassen. Das funktioniert gut, wenn man eine derartig grosse Fangemeinde wie Marillion hat. Ich habe das auch probiert, hat nicht geklappt.
Gitte Lehmann: Schade eigentlich. Hier möchte ich an eine Frage ankknüpfen, die bestimmt viele interessiert: kugelt man den Namen Ingo Vogelmann bekommt man 34.700 Ergebnisse angezeigt. Dennoch gibt es Leute, die mit deinem Namen nichts anfangen können. warum sollten sie sich gerade deine Musik mal ohral (kommt von Ohr) einführen?
Ingo Vogelmann: Weil meine Musik ist wie ich bin. Und jeder ist wie ich. An einem gewissen Punkt sind wir alle gleich.
Gitte Lehmann: Am Bauchnabel oder wo?
Ingo Vogelmann: Nicht körperlich. Jeder Mensch ist auf der Suche nach Liebe und Anerkennung. Das ist der Motor für alles Handeln.
Gitte Lehmann: Dann würdest du die Liebe auch als eine der wichtigsten Erfahrungen und Bezüge bezeichnen, die du in deine Musik einbringst?
Ingo Vogelmann: Alles entsteht aus Liebe, also ja. Beziehungsweise aus dem Sehnen nach Liebe.
Gitte Lehmann: Welche Bekanntschaft, ob menschlicher Natur oder nicht, würdest du als eine der wichtigsten für dein Dasein als Musiker bennen?
Gitte Lehmann: Wir wollen mal nicht zu viel verraten, was das Rezept deiner Musik betrifft. Schließlich ist das ein bisschen wie mit Coca Cola oder einem Zauberer, die geben auch nicht alles preis. Ich bedanke mich sehr für dieses nette Gespräch und wünsche dir und allen Hörern weiterhin viel Spaß und ganz viel Freude an deiner Musik.
Ingo Vogelmann: Danke.
Ich beantworte in den Kommentaren gerne noch Fragen, die sich vielleicht bei dem einen oder anderen von euch aus dem Interview ergeben. Auf Gittes Seite ist das Interview natürlich ebenfalls zu lesen.
Das ursprüngliche Emotizr-Konzept (großes Album) habe ich umgeworfen, denn 2008 wartet wieder Grösseres auf euch, und am Kompositionsfließband stehe ich ja auch nicht. Also ist nun eine EP (extended play) daraus geworden, die natürlich auch schon wieder viel zu lang für eine herkömmliche EP ist (man spricht da von 21 Minuten, wir haben 34 … *hust*). Die EP ist also fast so lang wie die SHEEP EP, aber Vorsicht: Inhaltlich überhaupt nicht zu vergleichen.
Im Prinzip ist Emotizr (fast) ausschließlich “Randprodukt” der GOD-Produktionen. Das bedeutet nicht, daß es nicht gut genug für GOD war sondern das es nicht ins Konzept passte, und das meine ich Feeling- und Konzeptmässig. Ich habe das ja schon vor einem Jahr mal angesprochen.
Emotizr hat - wie alle meine Werke - eine ganz eigene Aussage (ebenso die Titelnamen), und dafür passen die 4 Stücke auf Emotizr haargenau. Es gibt noch mehr “Randmaterial” von GOD … aber wir wollen es ja auch nicht übertreiben. Ich möchte nicht ausschließen, das das irgendwann mal das Licht der Welt sieht, in welchem Kontext auch immer.
Ich möchte an dieser Stelle auch noch ganz besonders Mark Sheldon (www.londonrubbish.co…) für seine atemberaubende Fotografie danken! Und hier noch was Spannendes: Wer herausfindet, WO diese Fotos entstanden sind und mir das über CONTACT mitteilt, bekommt Emotizr gratis. (NICHT in die Kommentare!)
Ich wünsche euch viele Freude mit dem einen oder anderen Moment auf Emotizr!
Ich arbeite übrigens derzeit noch am Aquarius-Mix und an einem Stück für Orchester (!), welches Anfang 2008 auf einer Klassik-CD erscheint (soviel ist sicher). Dazu kann ich euch auch noch verraten, daß der seinerzeit angesprochene Orchester-Gig (Vogelmann & Orchester LIVE!) zu 99% confirmed ist. Details dazu kann ich aber trotzdem erst später mitteilen. Es wird auf jeden Fall ein MORDSEVENT, und es wird im Ruhrgebiet stattfinden. Ich freue mich sehr darauf!
Es wird 2008 ziemlich sicher wieder 1 bis 2 Monsterprojekte geben, aber Genaues weiß ich da selbst noch nicht. Ich werde wohl 2008 sehr viele Bereiche der Schaffenskraft miteinander verknüpfen (z.B. Film), weshalb ich auch viel auf Reisen sein werde. Die Ergebnisse meiner Reisen - die übrigens nicht rein vergnüglicher Natur sind, eher abenteuerlicher - könnten so bedeutend sein, das dies dann auch musikalisch zu umzusetzen sein wird. Ich kann da leider momentan nur in Rätseln sprechen. Wenn alles gut läuft, warte ich nächste Jahr vielleicht mit Ereignissen auf, die sehr aussergewöhnlich sind. Und das hat mal nichts mit Musik zu tun, oder nur ganz entfernt. Übrigens auch nicht mit Peacebiker.
Wenn es eines gibt, was ich total behämmert finde, dann: Sich selbst wiederholen, fehlende Weiterentwicklung. Deshalb beschreite ich halt im nächsten Jahr ganz neue Wege. Ich heiße ja nicht Oldfield, obgleich sein Konto mir schon Spaß machen würde.
Ich erwähnte ja woanders bereits, das ich Knie habe.
Mittlerweile nimmt das Formen an, die ich nicht mehr witzig finde. Nachts wache ich zwei bis drei Mal auf, weil ich mich irgendwie blöde bewegt habe und mein Knie ein ekelhafter Schmerz durchzuckt, der für jeweils für ca. 15 Sekunden anhält. Der ist wirklich sehr ekelhaft, als würde mir ein Tier ins Knie beißen. Ich meine, ich weiß nicht wie das ist, aber so stelle ich mir das vor.
Momentan habe ich sogar beim Schlichten Sitzen und Stehen Schmerzen, wenn auch nur unterschwellig. Aber das ist neu, und ich beginne, mir ernsthaftere Gedanken zu machen. Ausserdem hat unser Haus jede Menge Treppen, die mir langsam zu einer Plage werden.
Ich denke, ich komme nicht umhin, Anfang der kommenden Woche zum Orthopäden zu eiern und mir Bestrahlungen verbraten zu lassen. Ich habe das ja schon seit Ewigkeiten.
Worst case: Entzündungen, Punktierungen oder gar eine OP. Dann kotz ich.
Momentan stehen die Zeichen “gut”, daß es in Kürze zu einem Krieg zwischen den USA und Israel gegen den Iran kommt. Dick Cheney hat kürzlich in Israel einen Erstschlag gegen Iran angeregt, damit die USA endlich eine Berechtigung haben, mitzumachen. Immerhin macht Iran 4 % des weltweiten Tagesbedarfes an Erdöl aus, ist reich an Bodenschätzen und anderen Dingen. Ausserdem würde die Kontrolle des Iran zum Schutz des Dollars beitragen, denn durch Irans Ölpolitik ist dieser mitgefährdet. Waffenlieferungen des Iran an irakische Rebellen sind nicht bewiesen, aber die USA hantieren wild mit Vorwürfen in diese Richtung herum. Ahmadinedschad beteuert weiterhin die Richtigkeit dieser Vorwürfe. Saddam hat man aber auch Massenvernichtungswaffen angedichtet, die man bis heute nicht gefunden hat. Die gab es schlicht nie.
Was aber der gravierendste Grund - mehr Berechtigung - für Israel ist, tatsächlich angreifen zu dürfen: Ahmadinedschad, der Präsident des Iran, hat Israel mehrfach ziemlich eindeutig mit Vernichtung (unter Anderem: “Israel muss von den Seiten der Gechichte gelöscht werden”) gedroht. Das allein gibt Israel jeden Grund zum kriegerischen Angriff, laut Charta der Vereinten Nationen. Und das sieht so aus:
Artikel 2, Absatz 4 der Charta
Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt.
Bricht ein UNO-Mitglied (also Iran) die Charta, ist es von dort aus bin zu einem Angriff nicht mehr weit.
Allein aufgrund der Instabilität des Dollars können die USA sich einen Frieden mit dem Iran überhaupt nicht mehr leisten, also ist es eine Frage der Zeit, bis es Krieg gibt. Man wartet vermutlich nur noch auf den richtigen Moment, um einen Angriff auch öffentlich gut verkaufen zu können.
Ich kann nur hoffen, das die Wahlen schneller gelaufen sind, als man einen Grund findet. Das ist - meiner Ansicht nach - die einzige Möglichkeit, dem Krieg noch zu entgehen. Die Erfahrung mit der Führung der USA lehrt mich, das das kein Pessimismus mehr ist, mehr Realitätsbewusstsein.
Ich wiederhole mich in dem Punkt: Israel hat eine Armee, die hinsichtlich Technik, Mannstärke und Kampfkraft Ihresgleichen sucht. Es gibt weltweit kaum eine Armee, die besser ausgebildet ist als die israelische. 100.000 Mann sind sofort einsatzfähig, und man verfügt über 800.000 weitere, sehr gut ausgebildete Reservisten. Hinzu kommt eine äusserst starke Luftwaffe und nicht zuletzt: Atomwaffen.
Israel hat von Norden bis Süden keine 500 km und in der Mitte nur Berge bis ca. 750 m Höhe. Das wäre doch was für den Peacebiker, oder? Man muss sich nur vorsehen, lebendig zu bleiben. Bleihaltige Luft lässt sich auch nicht gut atmen …
Ich glaube, ich muss mal ein bißchen was erklären.
Ich befinde mich gerade nicht in einem kreativen Loch. Sowas kenne ich - zum Glück - nicht. “Kreative Pause” ist wohl eher der Fall. Außerdem warte ich auf Reason 4.
“Aquarius” kommt noch vor Weihnachten raus. Das war aber auch so geplant. Ich habe diesbezüglich etwas wenig Informationspolitik betrieben, das gebe ich zu.
Ich habe mich - einstweilen - von der CD & DVD verabschiedet. Die Gründe hierfür sind so derart vielfältig, daß ich das kaum aufzuschreiben vermag. Als Beispielgrund nenne ich nur mal die Pleite meines ehemaligen Vertriebes, die ich - glücklicherweise - habe kommen sehen. Deshalb konnte ich die Reissleine ziehen, bevor ich in einem finanziellen Fiasko versunken wäre. Ich kann nicht über L2 Music solche Pressungen finanzieren, die dann keinen Geldrückfluß haben. Dazu bin ich zu klein. Andere Finanzierungsmodelle waren gute Ideen, sind jedoch gescheitert. Ich mache niemanden für irgendwas verantwortlich, das Ganze ist in der Schublade “Zeitgeist” einzuordnen. Ich habe wenig Probleme damit. Ich hänge nicht an physischen Veröffentlichungen. Das ist nur ein weiteres Etikett.
Ja, ja, der “GOD” Dolby DTS Mix … ich bekomme regelmässig mahnende Emails, wo der denn nun bleibt. Der DTS Mix ist - zumindest so, wie ich ihn mache - eine sehr intensive Arbeit, um es mal vorsichtig zu formulieren. Der Unwissende stelle sich vor: Einen Stereomix zu machen ist schon viel Arbeit, wenn er wirklich gut sein soll (und “GOD” ist - mit Verlaub - sensationell in seiner Qualität, wie mir Hifi-Experten bestätigen konnten). Ihr wisst, wieviel Wert ich nicht nur auf saubere Produktion sondern auch exzellente Soundqualität, Mix und Mastering lege. Ein Stereomix sind 2 Kanäle, ein DTS Mix sind 6 Kanäle, entsprechend verdreifacht sich auch die Arbeit, mal abgesehen von immer noch schwachsinniger Mischsoftware und Plugins dafür. Das ist alles noch nicht perfekt. Hätte es die CD-Veröffentlichung erfolgreich gegeben, wäre der DTS Mix gar keine Frage gewesen. Ich muss noch darüber nachdenken, ob und in welcher Form ich den DTS Mix machen kann und machen will. Für eine Handvoll Surround-Freunde mache ich das nicht, bei allem Respekt. Wir werden sehen. Ich habe natürlich Verständnis für den Verdruß, der hier und da diesbezüglich vorhanden ist. “GOD” in DTS ist sicher mehr als wünschenswert. Aber freut euch zunächst mal auf “Aquarius”, denn das ist durchaus ein Grund zur Vorfreude, das verspreche ich.
Ich stufe die PledgeBank Aktion mal als gescheitert ein. Insofern steht eine Fertigstellung und Veröffentlichung von “Emotizr” noch vor ein paar Überlegungen. Ich habe nämlich den Teller randvoll mit Projekten, die alle eine gewisse Priorität haben. Versteht bitte: Ich bin durchaus ein Musikidealist, der gerne macht, wonach ihm ist, aber ein kleines Bißchen muss ich auch an den Geldbeutel denken. Leider.
Apropos “Teller randvoll mit Projekten”: Ich bin nur augenscheinlich momentan inaktiv. Es rappelt bald wieder mächtig Remixe, eigene Singles und so weiter. Bereits im Oktober werde ich wieder einige neue Sachen abgeschlossen haben, die hochinteressant sind. Ich kann noch nicht viel mehr sagen, aber freut euch drauf.
Musikalische Umsetzung der Peacebiker Tour 2007: Das schiebe ich so dazwischen. Die Musik ist im Kopf fertig (wie immer), ich muss nur noch umsetzen. Auch das thematische Konzept steht. Macht euch gefasst auf ziemlich Ungewöhnliches von mir. Klar, Vogelmann ist immer herauszuhören, aber es wird neue Techniken geben.
Für nächstes Jahr sehe ich grob einige Möglichkeiten, zu denen ihr gerne hier eire Gedanken, Ideen, Wünsche und Ähnliches ablassen könnt:
Nochmal sowas Ähnliches wie “GOD” (vom Ausmaß her) zu Ende des Jahres?
Was fest steht: Anfang 2008 erscheine ich mit einer speziellen Produktion für ein spezielles Projekt auf einer speziellen CD. Das hat was mit dem Orchesterprojekt zu tun, welches auch bestätigt ist. 2009 (leider erst) trete ich zusammen mit Orchester auf. Das ist jetzt sicher. Ich halte euch auch bald mit Details auf dem Laufenden.
Hab ich mir den Hintern ausgekugelt! Hier mal das Höhenprofil:
Das sind auf 5 km knapp 150 Meter reine Steigung, und bei Kilometer 3 bis 4 mal eben von 175 auf 260 Meter ü.M.. Und das quer durch einen Wald, mit dicken Wurzeln und heruntergefallenen Zweigen und umgefallenen Stämmen auf dem Weg. Ich bin nicht einmal aus dem Sattel, kleinster Gang.
Hardcore-Kraftübung heute. Und Wilma, die Tapfere, war dabei! Wir sind ja beide schon alt (Wilma ist 8), aber ich bin heute echt stolz auf uns beide. 14 km härtester Trail, saubere Leistung!
Bis auf Training, Training, Training wird beim Peacebiker in der nächsten Zeit nicht viel passieren. Das Wetter muss ja auch mitspielen, und wir bewegen und ganz streng auf die kalte Jahreszeit zu, Sonne Mangelware. Aber es gibt ja auch lange Bikehosen …
Sofern es trocken ist, werde ich mir trainingsmässig nicht den Spaß verderben lassen. Nässe ist nicht nur Körper- sondern auch Bikefeind Nummer 1. Direkt gefolgt von Sand und Staub.
Die Planungen (besser: erste Gedanken) für die Peacebiker Tour 2008 haben begonnen. Soviel ist angedacht, bisher:
Tour von Mailand zum Aetna, Übernachtungen wechselweise im Zelt und feste Behausungen (je nach Wetterbedingungen).
Geschätzte Zeit: 15 Tage.
Ca. 1.500 km.
Zeitpunkt: Juni bis Juli 2008.
Ich würde die Tour nur ungern allein fahren. 1.500 km sind eine extreme mentale Strapaze, da ist es gut, wenn man einen (oder mehrere) Partner hat. Allein sein ist gut zum Reflektieren, rein Mental, aber nicht die ganze Zeit.
Also, wer Lust hat und sich das zutraut soll sich bei mir melden!
Ich habe aus den 6 Tagen der PB Tour 2007 viel gelernt. Zum Beispiel: Unterschätze niemals das Wetter, oder: traue niemals Jahreszeiten. Mein Abschlussbericht diesbezüglich steht ja noch aus. Hypothermie (Unterkühlung) killt jeden, sei er noch so verbissen dabei.
Ich suche für die Tour 2008 Sponsoren! Also, bitte melden! Es wird etwas Geld (Zug, Flug, Übernachtungen) und Ausrüstung benötigt. Die Tour 2008 hat andere Dimensionen und stellt andere Herausforderungen an Mensch und Material. Das ist teuer. Ich möchte das nicht alleine wuchten. Möglicherweise ist auch ein neues Bike angedacht.
Gerne nehme ich Angebote aus den Bereichen Outdoor-Ausrüstung, Nahrungsergänzung, Bike und Zubehör, allgemeine Leistungssportartikel an. Für andere Ideen bin ich natürlich offen.
Presse ist ausdrücklich willkommen!
Natürlich geht es bei der Tour 2008 wieder auch nicht nur um die sportliche Herausforderung sondern auch um einen guten Zweck und das Hinweisen auf die Vergewaltigung von Mutter Erde.
Ich habe gerade die Pressekonferenz bezüglich Hannah auf n-tv gesehen. Kann es sein, das ich das gerade richtig verstanden habe? Hat der Staatsanwalt wirklich gesagt:
Sagen wir es mal so: Der Täter ist ein Homosexueller, der mal Lust auf eine Frau hatte.
What the fuck??? Dazu hätte er das MÄDCHEN (keine Frau) ja nicht gleich vergewaltigen und anschließend ermorden müssen! Sehr seltsame Kombination von Motiven. Wenn ich mal Lust auf einen Mann hätte, würde ich mir halt einen besorgen, der auch Bock darauf hat, aber wieso gleich vergewaltigen und umbringen? Da erscheint mir die Frage der Presse ja fast berechtigt, ob der Mann überhaupt schuldfähig (im rechtlichen Sinne) ist.
Kritisieren möchte ich bei der Pressekonferenz den verwirrenden, stets eingehaltenen Fachjargon der Beamten. Anstatt “das Opfer” hätte auch ein schlichtes “Hannah” mal gut getan. Sobald etwas eine kriminologische Angelegenheit ist, hat man keinen Namen mehr. Und die Loberei untereinander ging mir auch etwas zu weit.
Und jetzt noch eine Anmerkung: Ich war zu dem Zeitpunkt in Königswinter, als das Mädchen - glaube ich - gerade gefunden wurde (Peacebiker Tour). Ich hielt an einem Kiosk an und holte mir einen Kaffee, als ich mitbekam, wie die Leute darüber redeten, daß der Vater ein Bekannter von ihnen sei, und sie mit ihm gesprochen hätten. Ich wusste natürlich nicht, das es da um Hannah ging. Ich erinnere mich nur, wie mich diese Geschichte, den Tag über weiter in Gedanken verfolgte.
Vermutlich wurde direkt in meiner Nähe Hannah ein paar Tage zuvor vergewaltigt und ermordet. Dieser Gedanke ist sehr komisch. Ich denke jetzt “Mist, ich hätte das gern verhindert, wenn ich in der Nähe gewesen wäre”. Leider war ich nicht da und sowieso zu spät. Wie gern hätte ich dazu beigetragen, Hannah und den Angehörigen das zu ersparen.
Lieber Gott, wieso war ich nicht da? Wieso hast du mich nicht gerade da vorbeifahren lassen, um das zu bemerken und eingreifen zu können?
Update
Ja, der Staatsanwalt hat das gesagt:
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sei der Mann ein Homosexueller, der, so wörtlich, “einmal Lust auf eine Frau hatte”.
Scheiße, Scheiße, Scheiße!! Ich war am 3. September, also genau an dem Tag, als Hannah gefunden wurde, genau 970 Meter von ihrem Fundort entfernt! Wieso konnte ich nicht früher da sein, wieso konnte ich nicht (zum richtigen Zeitpunkt) auf der anderen Rheinseite fahren???
Schaut euch die weiße Linie an. Das war meine Entfernung zu Hannah (grossklicken!):
Rein theoretisch wäre ich bei Hannah vorbeigekommen, wenn ich auf der anderen Rheinseite gefahren wäre, ein bißchen früher. Logisch gesehen hätte ich diesen Weg fahren können. Ich hätte zumindest an dem Firmengelände mit den Bussen vorbeikommen können, und dann hätte ich was bemerken können.
War aber nicht so. Und das fühlt sich richtig Scheiße an. Mann, Mann, Mann … mich ärgert das echt total.
Wie ich ja bereits erklärte, musste ich die Tour nach 6 Tagen abbrechen. Näheres dazu in den diesen Tagesberichten. Die Bilder könnt ihr alle großklicken, dann sollte sich ein Fenster mit dem Bild in groß öffnen. Die gelbe orange Linie (ich bin farbfehlsichtig) auf den Satellitenbildern ist jeweils der aufgezeichnete - also tatsächlich gefahrene - GPS Track.
Ich wollte viel früher morgens losfahren, aber es goß in Strömen. Ich habe fast bis 12 Uhr Mittags warten müssen, bis es endlich zu regnen aufhörte und ich losfuhr.
Auf einem Trampelpfad in einem Wald, der herunter zur Ruhr führte, habe ich die erste Matschlandung gemacht, als meine Reifen zu sehr voll Matsche waren und den Grip verloren haben, in einer Kurve. Sah spektakulär aus, ist aber gar nichts passiert. Aber Bike und ich waren schön dreckig. Das wasserdichte (richtig und echt wasserdicht) GPS hat dabei seine Taufe erfahren, als es in einer tiefen Pfütze gelandet ist. Alles no problem, habe ich später kurz in der Ruhr abgewaschen, damit ich das Display wieder sehen konnte.
Die erste Pause habe ich in Essen-Kupferdreh machen müssen, als es wieder stark anfing zu schauern. Ich konnte die Gelegenheit aber nutzen, um etwas zu essen und einen Kaffee zu trinken. Ich kam gerade noch rechtzeitig an diesem Supermarkt - ich glaube es war ein Plus-Laden - mit Bäckerei an. Hier habe ich der Bäckereiverkäuferin (aus Versehen) das Feuerzeug geklaut. Sie hatte es mir geliehen, und ich habe es versehentlich mitgehen lassen. Aber war ja für einen guten Zweck.
Hier der Standort:
An diesem Tag fiel mir bereits auf, wie abhängig meine Laune und Motivation vom Wetter ist. Wann immer ein Sonnenstrahl auf meine Haut fiel, hatte ich Spaß. Begann es zu regnen oder war sehr bedeckt und kalt, machte das keinen Spaß mehr.
Die Kellnerin hatte Husky-Augen, sowas hatte ich noch nicht gesehen. Ich habe mitbekommen, daß sie ein Augenmodel war. Also NUR Augen! Sowas hatte ich auch noch nie gehört. Hier hätte ich auch fast ein Feuerzeug geklaut, mir ist es aber im letzten Moment noch aufgefallen. Als ich dort saß, nahm das Wolken-Sonne-Spiel seinen Lauf; mal war es warm, mal eiskalt.
Neben mir am Tisch saß ein nettes Bikerpaar, mit denen ich ein wenig gequatscht habe. Dann ging es weiter Richtung Mülheim.
Am Wasserbahnhof/Mülheim wurde mir das Ausmaß des Ruhrhochwassers richtig bewusst. Hier das Satellitenbild:
Von dort aus bin ich nicht die Ruhr entlang sondern quer durch DIE LINKE Ruhrseite Mülheims nach Duisburg gefahren. Ich wusste, das die Strecke an der Ruhr entlang nicht schön ist (nur Industrie), schließlich habe ich über 20 Jahre in Mülheim gelebt.
In Duisburg kam ich - ich kannte den Ort nicht - auf einmal an dem italienischen Restaurant vorbei, an dem die Mafiamorde geschahen. Als ich dort anhielt, verließen gerade ein paar Menschen den Ort, nachdem sie Kerzen angezündet hatten und ein paar Blumen hingelegt hatten. Das Ganze war eine traurige Kulisse, und ich hielt mehr als einen Moment lang inne und war in Gedanken bei den Familien der Opfer.
Mann, war ich froh, als ich die Ruhrmündung und die andere Seite des Rheins erreichte. Glücklich, weil ich die erste Etappe problemlos gefahren war, und erleichtert, weil ich endlich aus der schrecklichen Gegend auf der gegenüberliegenden Seite in Duisburg herauskam. In diesem Teil von Duisburg kann man sich nicht immer so sicher sein, unbeschadet da durch zu kommen.
In dieser kleinen Ansammlung von Bäumen fand ich dann meinen Schlafplatz:
Das war übrigens der beste Schlafplatz, den ich während der gesamten Tour hatte. Komischerweise.
Ich ging abends noch bei einem Italiener Nudeln essen, lernte dabei ein paar lustige Menschen kennen - so Ruhrpott-Originale - und war auch schön müde, konnte entsprechend gut schlafen, obwohl ich nach 4 Stunden wieder wach war. Ich war dennoch fit am nächsten Morgen.
Tag 2
Morgens bekam ich an diesem Kiosk einen guten, großen Pott Kaffee und ein Brötchen, unterhielt mich angeregt mit Jürgen, den ich vorher natürlich nicht kannte, und wunderte mich über die knapp 65-jährige Bettina, die ein Strafverfahren wegen unerlaubten Waffenbesitzes am Hintern hatte. Sowas gibt’s - glaube ich - nur im Ruhrpott.
Das kleine Häuschen in der Mitte ist der Kiosk. Im Ruhrpott heißt sowas einfach “Bude” oder “Büdchen” und ist Ruhrpott-Kulturerbe. Buden gibt’s im Pott an jeder Ecke. Darin sitzen meist irgendwelche Erikas mit rauchigen Stimmen, Übergewicht, die zuviel quatschen und rauchen, aber eine gewisse Herzensgüte haben. Das Ganze hat einen schrulligen Charme, der mir von Kindesbeinen an vertraut ist. Das ist irgendwie “Heimat”, dort treffen sich morgens Säufer, Kaffeejunkies, Kippenholer, Dummschwätzer und sonstige Normalitäten des Lebens. Allen voran die “Bild”-Leser.
Vorteil: An einer Bude erfährt man alles, was man sonst sicher verpassen würde. Geschichten aus dem echten Leben. Wie die von Bettina zum Beispiel, die sich eine Schußwaffe besorgt hat, um sich vor den “ganzen Kanaken” zu schützen (O-Ton Bettina). Die Polizei hatte dafür wenig Verständnis, und heute beklagt Bettina, das ihre Waffe nun in der “Reservatenkammer” (korrekt: Asservatenkammer) der Staatsanwaltschaft liegt.
Bettina war übrigens mit einer Art Morgenrock und Pantoffeln bekleidet. Jürgen, der Parkettleger, baute nebenbei Brunnen, um sich was dazu zu verdienen. Er hatte “Rücken”, im Speziellen “Bandscheibe”, weil er die Maloche schon seit 30 Jahren macht. Zu Hause 3 Kinder, eine Frau, einen Hund und 350 € Miete. Und noch ca. 15 Jahre bis zur Rente. Jürgen sieht das aber gelassen:
Ich mach so lange ich kann. Is mir doch scheißegal! Wenn ich nich mehr kann, solln se mich alle anne Füße lecken.
Recht hat er, der Jürgen. Er hatte sowas von “Bauernschläue”. Hier im Pott, an so einem Büdchen, beeindruckt das übrigens niemanden, wenn man mit dem Bike in die Schweiz unterwegs ist. Da ist man nur ein Spinner unter vielen anderen.
Auf meinem Weg Richtung Krefeld hatte ich an diesem Punkt extrem mit Gegenwind zu kämpfen und es nervte mich, daß ich kaum voran kam:
Das Wetter war - wie immer - wechselhaft, tendenziell kalt und wolkig. Aus Versehen kam mal ein Sonnenstrahl durch. Ernüchternd. Noch ernüchternder war die viele Schwerindustrie entlang des Rheinufers. Was muss dieser Fluß alles aushalten …?
Über Düsseldorf kam ich dann recht zeitig in Köln an, traf den Detlef, der mich zu sich nach Hause einlud, und wir hatten einen lustigen Abend bei ein paar Gläsern Wein, zusammen mit seiner Freundin. Detlefs Hund (”Ramses”) liebte mich. Jedenfalls duschte er mich den ganzen Abend lang, bevor ich überhaupt an eine Dusche dachte.
Ich habe die herzliche Gastfreundschaft und die spannende und witzige Unterhaltung mit den Beiden sehr genossen. Tolle Menschen! In dem Zusammenhang möchte ich mich nochmals auf’s Herzlichste dafür bedanken!
Tag 3
Ich hing erstmal bis 11 Uhr vormittags in Köln fest, es regnete eimerweise. Als es dann endlich aufhörte, kam sogar die Sonne raus und ich hatte sofort gute Laune. Entsprechend gut kam ich voran, Richtung Bonn zunächst. Ernüchterung beschlich mich kurz vor Wesseling, als ich die rauchenden Schlote sah:
Ich habe gewisse Umstände, zu verstehen, wieso Menschen derart rücksichtslos die Erde verpesten müssen. Aber das ist natürlich alles im Rahmen der Gesetze, alles genehmigt und abgenommen. Lizenz zum Töten. An inconvenient truth.
Ich war übrigens immer in dem Irrglaube, Bonn sei ein nettes Städtchen. Bonn ist eine völlig überfüllte Stadt, in der man als Biker beinahe plattgefahren wird, wenn man nicht auf der Hut ist. Bonn ist laut, stinkend und platzt fast vor Menschen. Schlimm. Ich habe mich dort sehr unwohl gefühlt.
Südlich von Bonn beginnt der - wie ich ihn mal nenne - “Rheinterror”! Jeder zweite Schuppen heißt “Vater Rhein”, “Landsknecht”, “Rheinhotel”, Rhein-dies, Rhein-das, Rhein-jenes. Hier ein Beispiel aus Bad Breisig:
Ganz toll sind auch die Preise am Rheinufer. Pizza für 10 €, alberne Souvenirartikel zu horrenden Kursen … die totale Touristenverarschung.
Bis tief nach Rheinland-Pfalz hinein ist das Rheinufer gepflastert mit Nazi-Soldatenverehrung! Überall Büsten, Statuen und Monumente, die die “gefallenen Kriegshelden” und “Söhne des Vaterlandes” ehren. Ich hätte bald gekotzt. Unverständlich, wie sowas noch existieren kann. Und da regt man sich heute über Eva Herman auf …
Eindrucksvoll widerum war die Raiffeisenbrücke an meinem Tagesetappenziel Neuwied. Was für ein Panorama!
Das Wetter war - schlicht formuliert - total beschissen, und nun sah ich zum Ersten Mal die Nacht als Feind kommen. Ich wollte eigentlich auf einer Insel am Steinsee nächtigen, aber es war schon zu dunkel, zu matschig, weshalb ich mich dazu entschlossen hatte, überdacht zu nächtigen, weil es in Strömen regnete.
Also baute ich mein kleines Zelt unter dieser Eisenbahnbrücke auf, auf der ein paar Mal pro Stunde S-Bahnen hin- und herfuhren. Ganz toll, sage ich euch. Jedenfalls fliegt einem da der Schmalz aus den Ohren:
Dort gehen gern bis spät in die Nacht noch Hundehalter mit ihren Hunden spazieren, also kam ich bis 1 Uhr nachts nicht zum Schlafen, weil ich ständig von neugierigen Hunden (und S-Bahnen) aufgesucht wurde. Hinzu kamen aber auch neugierige Hundehalter, von denen einer in der Dunkelheit ein Verbrechen vermutete, als sein Hund - ein Dobermann - mich witterte. Das hat mich eine halbe Stunde Erklärungen gekostet; ich war total abgefuckt.
Meine Befürchtungen wurden noch wahrer als wahr. Die Nacht war höllisch feucht und kalt, bei 2 Grad. Morgens brauchte ich nach dem Wachsein ca. 1 Stunde, um aus dem Zelt zu kriechen, so derart durchgefroren war ich. Die Glieder steif, vielleicht 3 Stunden geschlafen (ich weiss das nicht genau), es regnete immer noch und war noch kälter geworden. Ich versuchte mit ein paar Stretching-Akrobatiken wieder Leben in mich einzuhauchen. NOCH war ich nicht erkältet. Ich nahm täglich 10 Tropfen Propolislösung (natürliches Bienen-Antibiotikum), was mich vermutlich davor bewahrte. Aber ich war völlig zerschlagen, mein Kreislauf im Keller, und der wollte auch die nächsten 3 Stunden nicht hochkommen. Das war die erste Nacht, die mich ernsthaft Substanz kostete. Der Erholungsfaktor fehlte völlig, im Gegenteil, diese Nacht raubte mir Kraft. Feuchtigkeit und Kälte zusammen sind pure Energiefresser, das geht an die Substanz. Hinzu kamen auch morgens wieder die nervigen Hunde, die wissen wollten, wer da in einem Zelt herumwuselt. Und solche Hunde sind nicht immer freundlich … mein Glück, daß ich mit Hunden gekonnt umgehen kann und weiß, wie man sich in solchen Fällen verhält. Nämlich ruhig und gelassen.
Hinter Spay wurde ich dann noch von einem Monster-Unwetter überfallen, das mich richtig kalt erwischte. Denn ich war gerade mitten im Nichts, keine Möglichkeit zum Unterstellen. Und wieder war ich nass und durchgefroren bis auf die Knochen. Selbst zu diesem Zeitpunkt hoffte und rechnete ich dennoch immer noch mit einer Wetterbesserung. Die war auch streckenweise immer wieder vorhanden. Unwetter wechselten sich mit stechender Sonne ab. Grotesk.
In St. Goar flog mir fast das Blech weg, zumal ich sowieso beschissene Laune hatte. Ich war in so einem Souvenirladen, mit mir 3 oder 4 indisch anmutende Mitmenschen, die sich bei der Verkäuferin nach Preisen für irgendwas erkundigten. Das bekam ich nicht so genau mit. Ich sah nur, wie die Verkäuferin den Leuten über alle Ohren grinsend in den Hintern kroch. Nachdem die Inder brav gelöhnt hatten und das Etablissement verließen, drehte sich die Verkäuferin um und sagte deutlich in meine Richtung:
Stinkendes Ausländerpack …
Da ist mir der Sack geplatzt.
Habe ich das gerade richtig gehört? Sie sollten sich in Grund und Boden schämen, den Leuten erst vergnügt die Kohle aus der Tasche zu leiern und dann anschließend diese braune Scheiße abzulassen! Um sie auszunehmen sind sie scheinbar gut genug, die stinkenden Ausländer! Stecken sie sich ihren Dreck sonst wo hin!
Ich habe auch noch was anderes und mehr gesagt, und habe dabei sicher auch die Form verloren, aber lassen wir das hier. Polternd verließ ich den Laden und auch St. Goar. Ich hatte die Schnauze etwas voll dem dem braunen Gesocks entlang des Rheins. Und in Bacharach wurde das auch nicht besser:
In Bingen angekommen, wurde ich auf einmal von der Freundlichkeit und Lebensfreude der Binger überrascht. Er war Winzerfest, die Sonne zeigte sich netterweise mal ein bißchen, und ich bekam nahezu gute Laune. Ich ging also an einen Winzerstand und schlürfte erstmal einen leckeren Riesling, während ich mich angeregt mit dem Winzer himself, Rudi Huber, unterhielt. Ein zurückhaltender, höflicher und freundlicher Mittvierziger, der auf mich den Eindruck machte, als verstünde er richtig was vom Weinbau. Ausserdem unterhielt ich mich noch mit einer vierfachen Mutter, die gerade fünffache wurde und total gelassen dabei war.
Hier war der Weinstand (Bildmitte):
Als ich danach mein Nachtlager aufsuchen wollte - nämlich an der Hindenburgbrücke (die nicht mehr existente, auf dem Bild seht ihr noch die Pfeiler im Rhein) - wurde ich von einem Campingplatz überrascht, der mir plötzlich sehr gelegen kam.
Ich mietete mir dort spontan für eine Nacht einen Zeltplatz für 6 € und kaufte mir noch Strom (1 €) und 3 Duschmarken (á 1 €) dazu. Ein kleines bißchen Komfort für 10 € insgesamt. Ausserdem gab es dort Kaffee und sämtliche Speisen dieser Welt … na ja, nicht alle, aber genug für mich.
Bingen war die beste Erfahrung der Tour. Auf dem Campingplatz habe ich den lustigen Hansi kennengelernt, der nachts besoffen schon mal mit seinem Boot nach Köln fährt und sich morgens wundert, wo er ist. Seine Frau übrigens auch. Hansi und ich haben ein paar Bierchen zusammen getrunken und uns herzhaft amüsiert. Er sich über meine, ich mich über seine Geschichten. Schließlich war ich für ihn “der in dem Zelt kriechende”, nachdem er mich beim Zeltaufbau beobachtet hatte.
Die Binger sind ein munteres Völkchen, das hat Spaß gemacht.
Als ich um 12 nachts ins Zelt kroch, war ich wieder guten Mutes und machte mir wenig Sorgen über die Nacht. Ausserdem hatte ich Strom - also ladende GPS und Handyakkus - und eine morgentliche Aussicht auf eine heiße Dusche. Ich schlief relativ erholsame 6 Stunden, wenn auch bei 2 Grad Kälte.
Tag 4
Am Morgen duschte ich exakte 24 Minuten so heiß, daß ich hinterher regelrecht gargekocht war. Danach gab es sofort Kaffee und Brötchen. So kann so ein Tourtag ganz gut beginnen. Ich schöpfte wieder Hoffnung, Substanz zuzulegen. Ich verabschiedete mich herzlich bei Hansi und tourte weiter Richtung Mainz, wo ich mit Silvia verabredet war.
Budenheim bescherte mir unerwartete Berge, aber ich machte Höllentempo (25 km/h im Schnitt), weshalb ich nur leicht verspätet in Mainz ankam. Es gab unterwegs aber auch viele Obstbauern, die mich oft anhielten ließen.
Hier zum Beispiel:
Das Wetter war mal richtig super und meine Laune ging immer höher, trotz mörderischer Steigungen bei Budenheim. Als ich Silvia (von der Raveline) in Mainz am Rheinufer traf, war ich super drauf. Wir haben uns nett unterhalten, während uns die Sonne auf das Plätzchen schien. Die 3 Stunden mehr Schlaf als sonst, die heiße Dusche und das Bißchen Infrastruktur hatte mir gut getan. Ausserdem war das Wetter so heiter wie ich.
Schade das der Ralph (Taucher) nicht kommen konnte, Silvia wollte ihn eigentlich mitnehmen, aber er steckte irgendwie in Produktionen fest. Hätte mich gefreut.
Vorbei an gewaltigen Weinbergen ging meine Reise weiter Richtung Worms. Durch diese Weinberge fuhr ich:
Ich spürte - bei all der guten Laune - noch die Auswirkungen der kalten und nassen Nächte zuvor, und ich sah der kommenden Nacht die ganze Zeit über mit Respekt entgegen. Ich wusste nicht, was mich erwarten würde. Mein Ziel für die Tagesetappe war Rheindürkheim. Was ich nicht wusste: Die Strecke dorthin führte mich 20 km quer über Acker. Das raubte enorme Kraft. Am Abend, in Rheindürkheim angekommen, war ich völlig erledigt.
Es kam noch ätzender: Als ich in Rheindürkheim angekommen war, dunkelte es schon stark. Problem: Wenn es dunkel ist, sieht man die Umgebung um einen Schlafplatz herum nicht mehr, kann also Risiken oder Ungünstigkeiten nicht mehr einschätzen. Es fehlt der Überblick über die Situation.
Bis ca. 12 Uhr fuhr ich weiter Richtung Worms, weil ich in Rheindürkheim einfach keinen Schlafplatz fand. Hinter Worms war ich dann so fertig (müde), daß ich mich in das erstbeste Waldstück gepflanzt habe, wohlwissend, das dies ein enormes Risiko war. Es ging aber nicht mehr weiter.
Hier ließ ich mich nieder:
Ich war gerade noch in der Lage, das Zelt aufzubauen, in welches ich mich dann wie ein nasser Sack fallen ließ. Ich hatte 12 Stunden Non-Stop-Fahrt hinter mir, und es war SCHWEINEKALT geworden. Für die Nacht schwante mir noch ganz kurz Böses, aber ich bekam das nicht mehr so richtig auf die Reihe; mir war das nicht mehr richtig bewusst, daß der Boden bereits jetzt schon angefroren war. Die Heringe vom Zelt gingen so gerade noch in den Boden.
Ich schlief sehr schlecht, obwohl ich so kaputt war. Ich kam nicht richtig in einen durchgehenden Schlaf, wurde zwischendurch immer durch die Kälte wach, und ich bemerkte zwischendurch den Bodenfrost und durch Kondens- und Regenwasser gefrorene Zeltwände. Die ganze Nacht war eine einzige Katastrophe und killte meinen Kopf.
Morgen erzähle ich euch vom 5. Tag und dem Ende der Tour. Dabei erkläre ich auch mal genauestens, was physisch und mental mit mir vorging. Das gestaltet sich nämlich komplexer als mancher sich so einfach vorstellt. Harret der Erklärung, dann seht ihr klarer.
Tag 5 - Das Ende
Am Morgen des 5. Tages war ich mehr Zombie als Peacebiker. So sah ich aus:
Ich erkannte ein Gefühl, daß ich schon mal hatte: Hypothermie (schaut euch den Link auf jeden Fall an, dann wisst ihr, was mit mir abging).
Kurze Randinfo: Bei einem Bundeswehrmanöver nachts bei -20° C hatte meine Wachablösung verpennt, ich stand die ganze Nacht wie festgenagelt auf einem Fleck und fror mir regelrecht alles ab. Außerdem halluzinierte ich bereits und war kaum noch ansprechbar nahe der Bewusstlosigkeit. Auf der Intensivstation des zivilen Krankenhauses in Hemer (Sauerland) hatte ich noch irgendwas zwischen 32 und 33° Körpertemperatur und belustigte mich eine ganze Woche im Krankenhaus.
Ich war also am Ende meiner körperlichen und mentalen Konstitution angekommen, und das wurde mir sofort bewusst. Ich rief meinen Bruder an, und wir vereinbarten einen Abholungs-Treffpunkt bei Wiesbaden. Also fuhr ich nochmal 80 km bis Wiesbaden zurück und ließ mich von meinem Bruder am späten Abend abholen.
Die nächtliche Unterkühlung hatte mir alles geraubt, was noch drin war. Zusammen mit den körperlichen Erscheinungen, die Hypothermie mit sich zieht, war der stetige Schlafentzug ein unüberwindbares Problem geworden. Ich wusste, als ich meinen Bruder anrief, daß ich jetzt eine vernünftige Entscheidung treffe. Natürlich war ich enttäuscht, natürlich hatte ich Zweifel an mir selbst und meiner Vision. Ich wusste aber tief in mir, das es nicht an mir lag sondern an der äußerst außergewöhnlichen Kälte, mit der kein Mensch vorher konkret rechnen konnte. Wie hätte ich im September mit 0° C rechnen können? Mein Equipment war für diese Temperaturen einfach nicht ausgelegt.
Die Tour war für mich eine außergewöhnliche und glückvolle Grenzerfahrung. Bin ich auch rein von der Fitness her nicht an meine Grenzen gekommen, so doch an meine körperklimatischen und mentalen. Ich empfinde immer jede Grenzerfahrung als einen Schritt näher zu meinem wahren ICH.
Der Abbruch - ich wiederhole mich - war eine weise Entscheidung, die ich in einer solchen Situation trotz aller Abenteuerlust immer wieder so treffen würde. Ich habe aber auch sehr viel durch diese Tour gelernt, zum Beispiel für die nächste Tour von Mailand nach Sizilien (Catana) in 2008. Das sind 1500 km, Umwege nicht hinzugerechnet, und ich werde diesmal nicht alleine sein. Außerdem werden wir, so es denn nötig ist, überdachte Unterkünfte aufsuchen.