This is the official website of the musician, sound engineer, DJ, composer & producer for film & media Ingo Vogelmann. No MySpace, Fuckbook or whatever ... this is a real real deal.
Below this welcome message and the (very important) ads you find Ingo's (multilangual) Blog posts. Also explore the internal pages and (masses of) good stuff in the sidebars to the right and have a nice stay!
Aber ist heute, zum Ende der Dekade der DJ-Musik, der DJ nicht ein Anachronismus: der DJ im digitalen Zeitalter. Hier gehts doch nicht mehr weiter. Sind technische Innovationen für DJs denkbar?
Man kann feststellen, daß der DJ-Live-Set bereits aus den frühen Hip-Hop- und Disco-Tagen, aus den frühen 70ern stammt. Seit diesen Tagen wurde immer wieder experimentiert, mal noch einen dritten Turntable, ein Keyboard, ein Effektgerät, einen 2. DJ oder was auch immer dazuzustellen. Letztenendes haben sich die meisten DJs doch mit dieser erweiterten Aufgabe doch immer etwas überfordert gefühlt. Es ist immer darauf zurückgegangen, daß am Ende der DJ mit seinen zwei Turntables und seinem Mischpult dasteht. Offenbar ist es gar nicht so einfach, die Musik, die Platten, das Publikum und die Turntables im Auge zu behalten, insbesondere, wenn man Musik und Publikum “synchronisieren” will. Alles, was sich an Weiterentwicklungen getan hat, hat sich über den Dancefloor getan. Ich glaube nicht, daß die Weiterentwicklung durch eine Addition technischer Gimmicks entsteht….
Beruflich war die Zusammenarbeit mit Sammy einfach an einem Punkt angekommen, an dem wir uns nicht mehr gegenseitig inspirieren konnten. Der Spaß an der gemeinsamen Musik war weg. Und dann sollte man es besser sein lassen. Wir haben uns im Guten getrennt und jeder ist nun froh, an seinen eigenen Projekten arbeiten zu können.
Jetzt arbeite ich mit verschiedenen neuen Produzenten zusammen und die Lust an der Musik ist zurückgekehrt.
Liebe Marie,
ich habe deine Emailadresse nicht mehr, sonst hätte ich dir das persönlich gesagt … vielleicht stolperst du ja über diesen Eintrag.
Ich freue mich, diese Nachrichten zu lesen, und das es dir und deiner Kleinen gut geht. Du bist eine Superfrau, warst eine gute Freundin und ich habe gerne für dich / mit dir gearbeitet. Ich stehe jederzeit zu deiner Verfügung. ‘Harem Nights’(1) wartet immer noch auf deinen Gesang …
Ich habe dein neues Video gesehen (Por la noche). Sieht nach Loona aus, cooler und fresher Sound; du wirst weiter wachsen, ich bin mir sicher. The only constant is change … wie schnell die Zeit vergangen ist …
FrauLehmann (Gitte Lehmann) hat mich interviewed. Ich finde das Interview sehr gut.
Gitte Lehmann: Hallo Ingo. Ich freue mich über die Gelegenheit, ein Interview mit dir zu führen. Du bist Produzent, Komponist, DJ, Designer, Tontechniker, Labelinhaber und und und. Die Liste ist unendlich und nur du kannst sie vervollständigen. Doch angefangen Musik zu machen hast du in Bands als Schlagzeuger. Oder wie isset?
Ingo Vogelmann: Nicht ganz, aber man könnte das von außen so betrachten. Wahr ist, das ich mit 6 Jahren angefangen habe, Musik zu machen. Mein 10 Jahre älterer Bruder hat mich damals vom Schlagzeug begeistert, und von da an war es um mich geschehen. Ich bin meiner Mutter so lange auf den Sack gegangen, bis ich Unterricht nehmen durfte.
Gitte Lehmann: Und darauf hin hast du auch in Bands deine Künste zum Besten gegeben? Ich will mehr wissen…
Ingo Vogelmann: Das war erst viel später. Meine Skills habe ich bis zu meinem 16-ten Lebensjahr geschärft, bevor mich mein Musiklehrer in der Schule dazu aufforderte, die Schulband zu organisieren, sprich den Schlagzeuger zu mimen. Er wusste natürlich, das ich das konnte. Aus der Schulband ergab sich dann, das mein Sportlehrer, der Bassist war, mich fragte, ob ich nicht in seiner privaten Band spielen wolle, da der Schlagzeuger ausgefallen sei. Und so nahmen die Dinge ihren Lauf, ich wurde Schlagzeuger in einer Coverband, die bekannte Rock- und Metalsongs spielte. Hat Spaß gemacht.
Gitte Lehmann: Jetzt muss ich aber den Namen der Band wissen. ‘The Fantastic Fucker’ oder ‘Grandmas Rocker’ ward ihr bestimmt nicht.
Ingo Vogelmann: Boah, ich weiss das nicht mehr, ehrlich.
Gitte Lehmann: Ja gut. Du bist ja auch schon etwas älter. Aber wie kam dann das Interesse, sich mit professionellen, elektronischen Studioproduktionen zu beschäftigen?
Ingo Vogelmann: Das Interesse erwuchs aus einer völlig unverhofften Begegnung mit einem Boss Drumcomputer, einem Dr. Rhythm, so hieß das Teil. In meinem Blog kann man diese erste Begegnung nachlesen, übrigens. Ich war völlig geflasht von den Möglichkeiten, in einem Sequenzer Drumnoten einzugeben, die der dann auch genau so abgespielt hat. Perfekt halt, wie ein Drummer mit 4 Armen und Beinen und perfektem Timing.
Gitte Lehmann: Hattest du zu dieser Zeit schon musikalische Vorbilder? Also jemanden, der in der Realität so spielt, als hätte er 4 Arme und Beine?
Ingo Vogelmann: Oh ja! Zu der Zeit fand ich Mark Brzcicki von Big Country supergeil, deren Sänger und Songwriter sich ja leider auf Hawaii selbst getötet hat. Da war ich sehr traurig, nur mal nebenbei. Aber der Größte von allen war bereits damals wie heute für mich Simon Phillips, den ich auch persönlich kennenlernen durfte, und zwar bei einem Drum Workshop in Bochum. Der spielt auch heute noch so, als hätte er 4 Arme und - übrigens - 8 Beine.
Gitte Lehmann: Seit 1993 hast du dann angefangen in Clubs aufzulegen und so selbst Arme und Beine in die Hand genommen und es krachen lassen. Wie hast du diese Zeit erlebt? Besser: wie intensiv hast du alles wahrgenommen? Oder ist man als ‘Newcomer’ zu sehr mit dem Job beschäftigt, als dass man den Auftritt und das Drumherum genießen kann?
Ingo Vogelmann: Schwere Frage. Das war sowas wie ein fließender Übergang vom Clubber zum DJ. Ich war begeistert von der Musik, und irgendwann ergab sich die Gelegenheit, selbst mal an Plattentellern zu stehen. Das Ineinandermixen von 2 Platten funktionierte ganz schnell, und ich fand meinen Spaß daran. Das Technische fiel mir schon immer leicht, weshalb ich schon immer - wie auch heute - viel Zeit mit der Trackauswahl und dem analysieren des Publikums verbracht habe. Ich mag es sehr, selbst ganz in die Stimmung einzutauchen.
Gitte Lehmann: Dir liegt also nichts am kommerziellen Auflegen? Sprich: spielen, Geld nehmen, abhauen? Du stellst dich also auf dein Publikum mit deinen Tracks ein?
Ingo Vogelmann: Ein Auftritt von mir ist insofern immer kommerziell, als daß ich Geld dafür verlange. Musikalisch betrachtet spiele ich nichts, was ich nicht geil finde, das geht gar nicht. Geld nehmen und abhauen ist sicher auch mal vorgekommen, aber nur, wenn der Veranstalter ein Arsch war und versucht hat, den DJ - also mich - zu verarschen. Das kommt leider oft vor, und DJ-Kollegen werden das bestätigen können. Natürlich stelle ich mich auf mein Publikum ein, dafür bezahlen die Leute, und sie können verlangen, das ich mein Bestes gebe.
Gitte Lehmann: Du arbeitest in der Künstlerbranche. Und die ist schnelllebig. Da sichert man sich doch durch Verträge ab (wie z.B. bei einem Auftritt) oder wie geht das bei musikalischen Auftritten von Statten?
Ingo Vogelmann: Ich habe sehr gut ausgearbeitete Verträge, aber letztlich ist das alles nur Papier, wenn du verstehst, was ich meine. Sicherheit gibt es nicht dadurch. Das ist eine Sache des Feelings. Wenn ich jemanden nicht mag oder ein schlechtes Gefühl bei einer Anfrage habe, dann mache ich das nicht, auch wenn der bereit wäre, meinen Vertrag zu unterzeichnen. Außerdem gibt es die Hälfte der Gage immer im Voraus, es sei denn, ich kenne jemanden persönlich gut und mag ihn.
Gitte Lehmann: Du kehrst also Leuten konsequent den Rücken, bei denen du dich nicht respektvoll, bezogen auf deine Musik und dein Können, behandelt fühlst?! War das auch der Grund, warum du Deutschland den Rücken gekehrt hast und nach Mallorca gezogen bist? Du hast dort eine ganze Zeit gelebt…
Ingo Vogelmann: Ja, denen kehre ich konsequent den Rücken, aber auch höflich. Das war aber nicht der Grund für mein Leben auf Mallorca. Auf Mallorca hatte ich ein verlockendes Jobangebot, was sich letztlich weniger erfüllend herausgestellt hat, als gedacht. Ich habe dann aber noch eine Weile dort verbracht und irgendwann die Nase voll gehabt. Mallorca ist nicht der Ort, an dem ich lange leben kann und möchte.
Gitte Lehmann: Aber es war der Ort, an dem du dein aller erstes Album produziert hast - ‘Deep Understanding’. Achtung, jetzt kommen gleich mehrere Fragen: wie kam der Übergang vom DJ zum Produzenten und wie war dieser? Und wie kam es zu dem Namen des Albums?
Ingo Vogelmann: Ja, ‘Deep Understanding’ ist dort in relativer Einsamkeit und einem empfundenen, tiefen Verstehen meines Selbst entstanden, eben durch die Einsamkeit. Ich war sehr intensiv mit mir selbst beschäftigt. Das war eine harte aber sehr gute Zeit. Klingt komisch, war aber so. Produziert habe ich schon 1994 professionell, wenn du so willst. Der Übergang war schlicht und einfach die immer intensivere Berührung mit Computern, die es auf einmal möglich machten, recht komfortabel zu sequenzen. Schlicht und einfach.
Zum Namen des Albums: anfangs hieß das Album nicht so sondern ‘Eight Open Letters To The World’ und bestand, logischerweise, aus 8 Tracks. Wegen einer Unstimmigkeit mit der EMI Music Publishing habe ich das Album umbenannt. Ich hatte einen sehr unglücklichen Verlagsdeal mit der EMI in Hamburg unterzeichnet.
Gitte Lehmann: Ich habe darüber in deiner Bio auf deiner Seite gelesen. Und du schriebst auch zuvor, dass du nach Malle gingst, weil du ein Jobangebot hattest, ‘was sich letztlich weniger erfüllend herausgestellt hat, als gedacht’. War das auch auf EMI Music bezogen?
Ingo Vogelmann: Nein, das der Vertrag mit der EMI Scheiße war, stellte sich für mich erst viel später heraus. Ich war damals ein Newbie. Mir musste das erst mein Anwalt, Chan-Jo Jun, sagen, dem ich bis heute für seine Arbeit sehr dankbar bin.
Gitte Lehmann: Bezogen auf deine Einsamkeit und deinem empfundenen, tiefen Verstehen deines Selbst und dein sehr intensives Beschäftigen mit dir selbst, finde ich den Titel des Albums sehr passend. Hat diese Zeit auch etwas damit zu tun, dass du dich aktiv für die Menschenrechte einsetzt, wie z.B. durch deine Mitgliedschaft bei Amnesty International? Überhaupt deine Aktivität FÜR Menschen finde ich stark.
Ingo Vogelmann: Das hat sicher etwas damit zu tun, ja. Aber nicht ausschließlich. Ich befand mich innerhalb der letzten - sagen wir - 5 Jahre insgesamt in einem Prozeß meiner Persönlichkeitsentwicklung, der mich immer mehr verstehen ließ, was in unserer Welt vor sich geht. Zumindest bilde ich mir das bis heute ein. Es ist mir heute sehr wichtig, für andere da zu sein. Mir geht es nämlich sehr gut, und ich verspüre den tiefen, inneren Wunsch, anderen zu helfen, denen es nicht so gut geht wie mir. Vielleicht auch, weil ich nicht immer der Netteste war.
Gitte Lehmann: So, wie warst du denn? Welcher Wandel liegt hier vor?
Ingo Vogelmann: Na, eben nicht immer der Netteste, wie gesagt. Ich glaube schon, daß ich mal ein großer Egoist war. Aus heutiger Sicht betrachtet fällt es mir aber schwer, das genau zu sagen. Ich habe da nicht mehr so die Erinnerung. Aber das ist auch heute völlig irrelevant, zumindest für mich. Leben ist ständiger Wandel, und den gestatte ich mir auch.
Gitte Lehmann: Da hast du vollkommen Recht. Du lebst hier und jetzt. Deinen, ich nenn es mal positiven Wandel, können wir alle miterleben. Zum Beispiel hast du 2007 offiziell eine Peacebiker Tour gestartet. In wie weit hat das mit deinem Bewusstsein zu tun und deinem inneren Wunsch für andere etwas zu tun?
Ingo Vogelmann: So schlecht war ich nun auch wieder nicht. Die Peacebiker Tour entsprang aus meiner Liebe zum Biken und der Liebe zu den Menschen, denen es beschissener geht als mir. Ich wollte das miteinander verbinden, was ja auch gelungen ist. Ich hätte mir mehr Erfolg gewünscht, aber das Ganze war recht kurzfristig geplant und ausserdem musste ich die Tour ja auch unterbrechen.
Gitte Lehmann: Das habe ich auf Amnesty in Bewegung und deinem Peacebiker Blog lesen können. Kannst du kurz den Grund resümieren, warum du einen Stop einlegen musstest und was die Tour letztendlich gebracht hat - sowohl für dich als auch für Mitmenschen?
Ingo Vogelmann: Die Tour musste ich abbrechen, weil ich ganz nahe an einer lebensgefährlichen Unterkühlung war. Ich hatte das in meiner Bundeswehrzeit einmal erlebt und eine Woche auf der Intensivstation verbracht. Da hatte ich ein zweites Mal keine Lust drauf. Das Wetter hatte mir einen gründlichen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Tour hat mir persönlich sehr viel gebracht, nämlich Klarheit über viele Dinge, die mein Privatleben betrafen und natürlich ein paar Hundert Euro für Menschen, die unwürdig behandelt oder gar gefoltert werden.
Gitte Lehmann: Da bin ich froh, dass du die Entscheidung getroffen hast und an dein Leben gedacht hast. Nun hat der immernoch lebendige Ingo Vogelmann ein Album namens ‘GOD‘ herausgebracht. War das vor der Tour oder danach?
Ingo Vogelmann: Neun Monate davor.
Gitte Lehmann: Zitat: ‘Das Konzept-Album „GOD“ ist Ingo Vogelmanns bisher komplexeste Veröffentlichung. „GOD“ ist die Verdichtung und die Essenz von Vogelmanns gesamten bisherigen Schaffens. 4 Stunden Musik geben ein monumentales Statement zu den Begriffen „Religion“ und „Glaube“ ab.’ Du hast dich also auch vor deiner Peacebiker Tour intensiv mit dir und den Dingen beschäftigt, denn dein Album spiegelt das ja ganz klar wider.
Ingo Vogelmann: Viele Menschen sehen das gar nicht so klar wie du.
Gitte Lehmann: Ich habe dein Album mehrfach gehört und höre es immer wieder gern. Die Vielfalt ist unglaublich, dennoch ist eine klare Linie an Klängen heraus zu kristallisieren, die deinen unverwechselbaren Stil ausmacht. Es ist teilweise anstrengend, denn es erzeugt in einem Stimmungen, die nicht immer positiv sind (so ist mein persönliches Empfinden). Du erzeugst beim Hörer mit deiner Musik etwas. War das die Absicht von ‘GOD‘?
Ingo Vogelmann: Erstmal Dank für die Anerkennung, jedenfalls deute ich das so. GOD hat, wenn überhaupt, die Absicht, Menschen wach und bewusst sehen zu lassen. Dazu gehört natürlich auch vermeintlich Negatives. Also habe ich zumindest bei dir mein Ziel wohl erreicht. Oder irre ich?
Gitte Lehmann: Ziel erreicht. Man kann, wenn man deine Musik versteht und zuhört, sich ein bisschen wie ein Gewinner im Mensch-Ärger-Dich-Nicht Spiel fühlen. Als hätte man etwas dazu gewonnen beim Hören. Meint: diese Friede-Freude-Eierkuchen Stimmung wie bei den Kastelruther Spatzen kommt nicht auf. Im Gegenteil, man beginnt teilweise unbewusst Assoziationen zu schaffen zwischen Musik und Leben. Braucht es als Produzent lange diese Feeling in Klänge umzusetzen?
Ingo Vogelmann: Na ja, der Job eines Produzenten ist ja eher technischer Natur, aber wenn du den Job des Komponisten ansprechen wolltest, dann kann ich nur sagen, das ich dazu nichts Konkretes sagen kann. Ich komponiere aus den Tiefen meines Selbst, oder so, und das fließt immer so, als würdest du bei dir zu Hause den Wasserhahn aufdrehen. Ich glaube, sehr zielgerichtetes Komponieren funktioniert nicht, jedenfalls nicht, wenn es um so etwas wie GOD geht. Die Idee zu GOD hatte ich lange vorher, aber die Musik selbst ist beim Komponieren und Auschecken von Soundcollagen entstanden, nicht eine Sekunde früher.
Gitte Lehmann: Ich meinte auch eher, dass du etwas produzierst, wobei du eigentlich komponierst. Gab es hier auch Vorbilder für das Album ‘GOD‘? Zum Beispiel bist du aktiv beim Mike Oldfield Blog dabei und auch sonst hast du es mit vielen Größen zu tun, unter anderem hast du schon einen Plausch mit Peter Gabriel gehalten. WOW!
Ingo Vogelmann: Nein, Vorbilder gab es schon allein aus dem Grund keine, weil bisher niemand vorher so etwas gemacht hat. Musikalisch zitiere ich in GOD sicher den einen oder anderen Musiker, was an meiner persönlichen Entwicklung als Musikliebhaber liegt. Zum Glück bin ich nur ein Teammitglied beim Mike Oldfield Blog, Oldfield selbst hat sich mir gegenüber eher enttäuschend verhalten. Dennoch achte und schätze ich ihn als Musiker sehr hoch. Mein Plausch mit Peter Gabriel war sehr geschäftlicher Natur, leider. Etwas mit ihm zusammen zu machen, wäre ein dickes Ding. Er zählt für mich zu den wenigen Leuten, die riesengrosse Leistungen abgeliefert haben. Mir ging auch schön der Stift, als ich ihn auf einmal am Telefon hatte.
Gitte Lehmann: Geht dir sonst nicht so der Stift?
Ingo Vogelmann: Nein, nicht mehr.
Gitte Lehmann: Das ist hoffentlich nicht verdauungstechnischer Natur - das wäre fatal. Momentan können wir dich ohne große Reise auf friskyRadio über das Internet hören. Du hast dort zwei Shows am Laufen: LIGHTWORKS und TIMEOUT. Gib mir mal bitte eine kleine Einführungslektion dazu…
Ingo Vogelmann: Sehr einfach. LIGHTWORKS ist eine achtstündige Show, in der ich selbst - nebst diverser Gast-DJs - Progressive House spiele. In TIME OUT spiele ich meistens eine Stunde Ambient und Chillout, die andere Stunde ein Gast. Manchmal spiele ich auch LIGHTWORKS acht oder TIME OUT zwei Stunden alleine. Zum Beispiel, wenn ich zu wenig Zeit hatte, um Gäste zu rekrutieren.
Gitte Lehmann: Du stellst deine Sets nach der Show zum kostenlosen Download auf L2PODIO bereit. Leider sind auch andere an der ungefragten Veröffentlichung deiner Musik interessiert. Wie stehst du dazu? Und kann man sich davor schützen?
Ingo Vogelmann: Was meinst du genau?
Gitte Lehmann: Ich meine speziell, wenn ungefragt Klingeltöne aus deinen Tracks gebastelt werden oder die Sets einfach auf einer Homepage auftauchen und sich die Veröffentlicher mit Federn von friskyRadio schmücken oder eben auch mit deinen. Wie stehst du dazu?
Ingo Vogelmann: Ich will es mal so sagen: Ich besuche nicht eine Austellung eines Künstlers und nehme seine Bilder ungefragt mit. Für mich ist Kunst und Kultur das höchste Gut auf Erden, und ich finde, es sollte für jeden Menschen frei zugänglich sein. Aber bestehlen lassen möchte ich mich nicht. Ich biete immer die Möglichkeit, mich direkt zu fragen. Wer die nicht nutzt, hat zu wenig Respekt und riskiert Ärger mit mir.
Gitte Lehmann: Das mit dem Respekt hatten wir ja schon Anfangs, wo ich völlig einer Meinung mit dir bin. Kann man denn rechtlich etwas dagegen unternehmen? Ich habe da etwas von SAVEMUSIC gehört. Worum handelt es sich dabei?
Ingo Vogelmann:SAVEMUSIC schützt die Rechte von Musikschaffenden und Musikfans gleichermaßen. Die Kriminalisierung von Musikliebhabern geht nicht in Ordnung, das Bestehlen der Musikschaffenden ebenso wenig. Beide Seiten gehen immer noch zu wenig aufeinander zu. Aber es ist schon besser geworden, was ich auch unserer Arbeit mit SAVEMUSIC zuschreibe.
Gitte Lehmann: Es gibt da auch ein Prinzip, was die Band Marillion versucht hat. Eine neue Form von Kommuikation und gegenseitigem Respekt in Hinblick auf Musik zwischen Musiker und Hörer, wie du es eben angesprochen hast. Was kannst du mir dazu sagen und würde das auch in deinem Fall eine funktionierende Lösung darstellen?
Ingo Vogelmann: Du sprichst das Konzept an, CDs direkt vom Musiker an die Fans zu verkaufen. Marillion hat das super geschafft, in dem sie die Kosten für die Produktion des Albums von den fans haben vorfinanzieren lassen. Das funktioniert gut, wenn man eine derartig grosse Fangemeinde wie Marillion hat. Ich habe das auch probiert, hat nicht geklappt.
Gitte Lehmann: Schade eigentlich. Hier möchte ich an eine Frage ankknüpfen, die bestimmt viele interessiert: kugelt man den Namen Ingo Vogelmann bekommt man 34.700 Ergebnisse angezeigt. Dennoch gibt es Leute, die mit deinem Namen nichts anfangen können. warum sollten sie sich gerade deine Musik mal ohral (kommt von Ohr) einführen?
Ingo Vogelmann: Weil meine Musik ist wie ich bin. Und jeder ist wie ich. An einem gewissen Punkt sind wir alle gleich.
Gitte Lehmann: Am Bauchnabel oder wo?
Ingo Vogelmann: Nicht körperlich. Jeder Mensch ist auf der Suche nach Liebe und Anerkennung. Das ist der Motor für alles Handeln.
Gitte Lehmann: Dann würdest du die Liebe auch als eine der wichtigsten Erfahrungen und Bezüge bezeichnen, die du in deine Musik einbringst?
Ingo Vogelmann: Alles entsteht aus Liebe, also ja. Beziehungsweise aus dem Sehnen nach Liebe.
Gitte Lehmann: Welche Bekanntschaft, ob menschlicher Natur oder nicht, würdest du als eine der wichtigsten für dein Dasein als Musiker bennen?
Gitte Lehmann: Wir wollen mal nicht zu viel verraten, was das Rezept deiner Musik betrifft. Schließlich ist das ein bisschen wie mit Coca Cola oder einem Zauberer, die geben auch nicht alles preis. Ich bedanke mich sehr für dieses nette Gespräch und wünsche dir und allen Hörern weiterhin viel Spaß und ganz viel Freude an deiner Musik.
Ingo Vogelmann: Danke.
Ich beantworte in den Kommentaren gerne noch Fragen, die sich vielleicht bei dem einen oder anderen von euch aus dem Interview ergeben. Auf Gittes Seite ist das Interview natürlich ebenfalls zu lesen.
Tomy lernte mit zehn Jahren das Zitherspielen. Später ließ er sich an der Bundesakademie für musikalische Jugendbildung in Trossingen ausbilden. Er nahm am Musikwettbewerb Jugend musiziert teil und gewann den 1. Preis. Daraufhin hatte er einen Fernsehauftritt bei Karl Moik, wodurch er einem größeren Publikum bekannt wurde. Ralph Siegel schrieb für ihn den Titel Almrausch, mit dem er beim Grand Prix der Volksmusik 1993 teilnahm und den 6. Platz erreichte. Im Folgejahr war er mit der Neuaufnahme der Titelmusik zu Der dritte Mann bei der Superhitparade im ZDF erfolgreich. Beim Grand Prix der Volksmusik 1996 war er mit dem Titel Mit den Wolken zieh’n erneut vertreten und kam nicht ins Finale.
Tomy Temerson ist immer wieder in verschiedenen Fernsehsendungen zu sehen und zu hören. Er gehört zusammen mit Alfons Bauer zu den erfolgreichsten Interpreten auf der Zither.
Dieser Mann hat am selben Tag Geburtstag wie ich, also exakt jetzt, mit Jahr. Das ist nicht zwingend eine Entschuldigung, aber auch nicht unbedingt eine Erklärung.(1)
Wieso blogge ich das? Nun, ich bin irgendwie auf dieser WIKI-Seite gelandet, und da fiel mit wieder das Theather um meinen WIKI-Eintrag ein, wobei man mir unterstellte, ich habe den selbst - zu Eigenpromotionzwecken - dort eingestellt. Fakt ist: Ich habe das nicht getan, und eigentlich weiß das sowieso jeder, der fließend bis 3 zählen kann.(1) Man nehme gepflegt zur Kenntnis, was Tomy Temerson so gemacht hat:(1)
Bekannte Titel
1993: Almrausch
1994: Der dritte Mann
1996: Mit den Wolken zieh’n
Diskografie
1993: Almrausch und Edelweiß (mit den Hirtenfeldern)
Diese Leistungen zu schmälern liegt mir fern,(1) und ich freue mich für Tomy(2), das er einen WIKIPEDIA-Eintrag hat. Immer eine gute Sache. Aber KANN ES SEIN, daß die Vollpfosten bei WIKIPEDIAdiesen Eintrag zwar verfasst, jedoch selbst noch nie gelesen haben?
Bis dato habe ich 118 Einzeltracks, viele Remixe, so einige Alben und EPs produziert(3) (*schulterklopf*), Musik für Werbung und meine DJ-Tätigkeit lasse ich mal außen vor. Auch mein äußeres Geschlechtsteil ist nicht so schlecht.(1)
Das Schlimme an der ganzen Sache jedoch ist: Befindet mich irgendein Vollidiot(1) von WIKIPEDIA irgendwann mal tatsächlich für ‘wichtig’, dann KANN ICH NOCH NICHT MAL DIE LÖSCHUNG DES ARTIKELS VERLANGEN! Was ich dann nämlich gerne tun würde. Aus Prinzip. Weil die mich nicht mal mehr an meinem Arsch lecken können.(1)
Die veränderte Situation bedeutet allerdings nicht zwingend, dass es junge Bands viel einfacher haben, Käufer für ihre Werke zu finden. Sie können ihre Songs zwar in sozialen Netzwerken wie MySpace bewerben, doch gehen sie dort häufig im riesigen Angebot unter. Auch die Platzierung und der Verkauf von Alben und Singles in den großen Musikangeboten ist alles andere als einfach. So verhandeln die marktbeherrschenden Anbieter noch immer am liebsten mit traditionellen großen und kleineren Plattenfirmen, deren Gesamtkatalog sie auf einen Rutsch aufnehmen können, ohne sich mit einzelnen Künstlern auseinandersetzen zu müssen.
Der US-Musikdienstleister Tunecore will das nun ändern und bietet das Einstellen in diverse große Plattformen auch für Musiker ohne Plattenvertrag an. Er übernimmt dabei die gesamte Backend-Infrastruktur: Künstler übergeben ihre Musik an TuneCore und das Hosting sowie die Bezahlabwicklung laufen über den Anbieter. Tunecore unterstützt zur Zeit iTunes in allen Vertriebsgebieten, Amazon MP3, Rhapsody, Napster, E-Music, Lala.com sowie einige kleinere Anbieter mehr. Neben dem Einzelabsatz werden auch Abomodelle angeboten.
Bernhard Wöstheinrich hat einen derart guten Kommentar unter diesem Beitrag - einem Interview mit hervorragender Recherche gleichend - abgelassen, daß ich den mal aus der 2. Reihe nach vorne hole und auch gleich bewortante:
Sach’ ma’ Ingo, wieviel Stunden hat eigentlich Dein Tag? Meiner hat 24, und ich habe dazu die lästige Angewohnheit täglich etwas schlafen zu wollen.
Schlafen …? Abknicker. Mein Tag hat definitiv mehr Stunden. Hinsichtlich meiner Schlafgewohnheiten überhole ich den Monat regelmässig um ca. 4 Tage, sprich: Einen Tag in der Woche (den ich schlafmässig ganz weglasse). Auf einen Tag gerechnet hat mein Tag also ca. 27,4285714 Stunden.
Bei Dir habe ich aber den Eindruck, dass Du, neben Deiner Musiker- und Produzententätigkeit auch noch DJ-Sets vorbereitest,
Ich spiele sie auch noch.
sämtliche Pressemitteilungen auf allen relevanten Websites durchliest,
Für sowas hat man Feedreader. Die sortieren gut vor.
Fotos auf FlickR odR sonstwohin lädst, mit Deinem Hund spazieren gehst, amouröse Affairen anbandelst,
Affären? Ich?? Frechheit.
in den Urlaub fährst, Dich ins Krankenhaus einliefern lässt, ab und zu Freunde durch die Gegend chauffierst - oder Dich chauffieren lässt, den Innenminister verklagst,
Den habe ich nicht verklagt sondern angezeigt. Die wirkliche Arbeit hatte der Staatsanwalt. Aber dafür wird er ja schließlich auch bezahlt. Und zwar von uns allen.
mit dem Fahrrad einhändig ohne Sauerstoffgerät zufuß in der Nacht bei strahlendem Sonnenschein auf den höchsten Berg des Sauerlands in der Schweiz fährst,
Dabei klöppele ich noch mit verbundenen Augen einen Pulli. Unter Wasser.
Dich zum Kanzlerkandiaten der Linken wählen lässt (dann aber das Amt nicht annimmst),
Doch, ich nehme ihn an, wenn ich dann genauso faul sein darf wie die Merkel, damit ich Zeit für all die Dinge habe, die du so schön beschrieben hast.
Anne Will (nicht) heiratest
Anne Will ist lesbisch. Aber selbst, wenn sie es nicht wäre: Ich heirate nicht. Da zerstöre ich mich lieber durch Arbeit.
und das erste vegetarische Schweineschnitzel erfindest,
Gibt es bereits. Aber ich konsumiere sowas nicht. Dann kann ich mir auch Gummipuppen kaufen.
in Moskau auftritts und Interviews zum Zewa-Wandle gibst. Vom kontinuierlichen Rauchen und Kaffee trinken mal ganz abgesehen.
Kaffee, mein Guter, habe ich so gut wie ELIMINIERT aus meinen Suchtschemata!
Ach, ja, einen Blog hast Du ja auch, den Du täglich mit mindestens 5 originellen, witzigen, nachdenklichen oder einfach nur ulkigen Beiträgen fütterst. Und das alles an einem Tag…
Ich sage nur: 27,4285714. Ausserdem gibt es mindestens 10 Mal so viele Menschen, die mir lieber den Mund zukleben würden.
Mir fällt dabei ein, dass ich kürzlich in einem esoterischen Schmierblättchen gelesen habe, dass die Zeit auf der Welt immer schneller vergehen soll. Die Begründung war so hanebüchend, dass ich sie wieder vergessen habe. Aber vielleicht ist ja doch ‘was ‘dran; Vielleicht hat Ingo ja inzwischen die Krümmung und die Kompression der Zeit er- oder gefunden….
Und das ist erst der Anfang!
Ingo, lass’ uns nicht dumm sterben: Wie machst Du’s???
Es kam wie von selbst. Das fing an, als ich noch in der Schule war und dadurch bemerkt habe, daß Zeit ein kostbares Gut sein kann, welches ich sinnvoll (nach meinem Empfinden sinnvoll) nutzen wollte. Ich kann nicht wirklich ruhen, ich gebe es zu. Unproduktiv sein bringt mich innerlich um. Vermutlich auch irgendwann äußerlich, aber besser so als anders.
Machen sie eigentlich auch was anderes, als den ganzen Tag Musik zu hören? Haben sie eigentlich keinen Job?
Ich bin Musiker, das gehört zu meinem Job. Ihre 13-jährige Tochter auch, die den ganzen Tag unerträgliche Scheißmusik hört?(1) Und was machen sie eigentlich so, außer sich den ganzen Tag einzubilden, mich interessierte, was sie sagen?
Mit diesen Worten verabschiedete mich heute der diensthabende Oberarzt der Station N1 (Neurologie) des Dortmunder Klinikums, dessen ‘Häftling’ ich nunmehr für 4 beschissene Tage war.
Und das ging so …
Freitagabend
Wenn ihr meine Ergüsse auf twitter verfolgt, habt ihr sicher mitbekommen, daß ich zu diesem Zeitpunkt bereits heftigen Kopfschmerz beklagte und mich - für meine Verhältnisse recht früh - in die Falle (Bett) knallen (legen) wollte. Das tat ich auch. Klarer Fall für mich: Der Wetterumschwung, ich bin wetterfühlig. Ansonsten habe ich recht selten Kopfschmerzen.
Samstagmorgen
… erwachte ich mit noch heftigeren Schmerzen. Das fand ich sehr seltsam. Üblicherweise sind meine Kopfschmerzen weg, wenn ich geschlafen habe. Ich quälte mich also über den ganzen Tag damit und bettete mich erneut irgendwann mit der Hoffnung, der Schmerz würde schon vergehen, wenn ich Sonntagmorgen erwachte. Jetzt nahm ich zum Ersten Mal - was für mich auch eher ein Tabu ist - eine Paracetamol 500 (die quasi Null Effekt hatte).
Sonntagmorgen
Ich habe die ganze Nacht vor Pein keine Minute geschlafen. Als ich Sonntagmorgen auf die Uhr schaute und acht Uhr ablas, war mir klar: Hier stimmt etwas gewaltig nicht. Der Schmerz war astronomisch angewachsen und vernebelte meinen Verstand nahezu völlig. Ich hatte das Gefühl, mir platzt der Kopf, wenn ich ihn nur mit einem Finger berühre. Ausserdem konnte ich kaum noch schlucken. Bei jeder Aktivität in diese Richtung zersprang mir gefühlt der Schädel.
Ich hatte mittlerweile 6 (in Worten: Sechs) Paracetamol 500 intus. Wenn mein Kopfschmerz nicht so massiv gewesen wäre, hätte ich meinen Magenschmerz vielleicht noch gespürt. Mit meinen letzten noch arbeitenden Gehirnzellen überlegte ich, was ich tun sollte. Ich kam zu dem Schluß: Notarzt anrufen.
Dieser war 15 Minuten später da und packte mich sofort ein und brachte mich ins Dortmunder Klinikum, Notaufnahme.
Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt so Scheiße aussah. Nach einer Flasche Johnnie Walker sehe ich besser aus. Das war meine Perspektive:
Minuten später wurde ich zum Ersten Mal perforiert:
Innerhalb von 10 Minuten tröpfelte man mir 500 ml Flüssigkeit in den Balg, mit der abschließenden Bemerkung der Krankenschwester:
Huch, das war ja ein halber Liter, das ging aber schnell.
Ich weiß bis heute nicht, was das sollte, ist aber auch egal. Gefühlte Stunden später - ich hatte aber schon Anti-Schmerz-Drogen bekommen, also ging das einigermaßen - kam ein netter Orthopädieonkel herein und schloß zunächst pauschal ein orthopädisches Problem aus (eingeklemmter Nerv etc.). Dann kam eine Neurologietante rein, schloß Neurologisches nicht aus, wollte sich aber bei einem HNO-Onkel rückversichern, um ein HNO-Problem auszuschließen. Und zwar mit der Randbemerkung:
Wenn es das auch nicht ist, sind sie mein Patient. Dann müssen wir sofort ihr Nervenwasser untersuchen (Lumbalpunktion, mit einer Hohlnadel ins Rückenmark, ohne Betäubung) , weil es Meningitis (Hirnhautentzündung), Hirnblutung oder Schlimmeres (Zyste, Tumor) sein könnte.
Das klang alles nicht wirklich erquickend, ich war einigermaßen angefressen.
Ich wurde dann in die HNO-Ambulanz gekarrt, wo ein Assistenzarzt mich untersuchte. Dabei führte er mir einen ca. 40 cm langen, sondenartigen Schlauch ins linke Nasenloch ein (Nasenfick, gefühlt bis zum Enddarm) und verlangte dabei von mir “Hiiiiii” zu sagen. Dabei heraus kam eine Art “Ääääääääää”.
Nach ca. 3 Minuten sprach er:
Ein HNO-Problem haben sie nicht, sieht alles gut aus.
Alles klar, also die harte Tour (Neurologie, Lumbalpunktion usw.). Also sprach besagte Neurologin:
Rufen sie bitte Verwandte an, regeln sie ihren Kram, sie müssen bis mindestens morgen hier bleiben.
Dagegen sträubte ich mich zunächst massiv, kam aber letztlich nicht daran vorbei und sah das auch irgendwie ein. Mir wurde halt klar, daß es was ziemlich Ernstes sein könnte, und das wollte ich jetzt auch wissen. Angst hatte ich überhaupt keine. Mein erster Gedanke, als ich mich mit etwas sehr Ernstem beschäftigte, war “was passiert eigentlich mit meiner Musik, wenn ich weg bin …?”. Worte wie Testament, Patientenverfügung und Koma schossen mir durch die Rübe. Aber nochmal: Angst hatte ich keine.
Man brachte mich auf die N1 (Neurologie), und es dauerte nicht lange, bis ein junger Arzt ins Zimmer kam, um mir mitzuteilen:
Hallo Herr Vogelmann. In 5 Minuten bin ich wieder bei ihnen, und dann haben sie sich bitte oben freigemacht, damit wir die Lumbalpunktion durchführen können.
Zugegeben, vor der 80 Meter langen Hohlnadel in meinen Rücken habe ich mir erstmal in die Hose gemacht. Mir kam das mehr wie ein Mittelalterschwert vor. Grundlos. Die ganze Prozedur war völlig harm- und schmerzlos. Mag aber auch an meinem völlig zugedröhnten Zustand gelegen haben. Dabei heraus kam zumindest erstmal optisch völlig unbedenkliches Nervenwasser, klar wie ein Schluck aus einem Gebirgsbach. Das bedeutete vorerst: Keine eitrige (bakterielle) Entzündung, keine Blutungen. Blieb noch, herauszufinden, ob es möglicherweise eine virale Entzündunng war, denn meine Entzündungswerte im Blut waren astronomisch hoch (was bis dato unerklärt ist).
Ich weiss nicht mehr genau, wie oft man mir Blut abnahm - unwitzigerweise jedes Mal mittels erneuter Armperforation, obwohl man mir ja bereits zwei Standleitungen gelegt hatte. Pipicheck natürlich auch. Der ganze Sermel ging dann ins Labor, und alles, was man dort feststellte, waren sehr hohe Entzündungswerte.
Im Folgenden ballerte man mich - aber auch auf meinen Wunsch - mit Schlaf-, Beruhigungs- und Schmerzmitteln voll, denn am liebsten wollte ich von dem ganzen Shyce nichts mitkriegen. Aus einem Tag wurde natürlich mehr, man wollte schließlich auch was an mir verdienen, als sich abzeichnete, daß ich KEIN teurer Tumorpatient oder Ähnliches war.
Die erste Nacht auf der Station habe ich kaum geschlafen, denn da hatte ich noch kein Schlafmittel. In der Nacht von Montag auf Dienstag sank ich in einen todesähnlichen Schlaf, dank eines Cocktails aus Tavor exp. und Ibuprofen 400. Am nächsten Morgen freute ich mich zwar über den Schlaf, den ich hatte, fühlte mich aber dennoch wie ein ausgekackter Kirschkern und hatte ausserdem wieder Schmerzen. Jetzt aß ich zum Ersten Mal was. Was soll ich sagen … Krankenhausfraß. Der Hunger trieb es rein. Ich habe gelernt: Als Vegetarier hast du im Krankenhaus ganz übel verloren. Meine Socken gegrillt hätten vermutlich besser geschmeckt.
Was ihr da oben seht, habe ich allerdings nur probiert und so stehen gelassen (bis auf den Joghurt, der war gut). Sehr verstimmend empfand ich auch den Umstand, Abends keinen Kaffee mehr zu bekommen.
Mein lieber Bruder brachte mir zum Glück ein paar persönliche Sachen nach, damit ich mir zumindest ein Bißchen die Zeit vertreiben konnte, und ich musste aufpassen, nicht schon wieder zu arbeiten. Habe ich aber trotzdem. LIGHTWORKS für nächsten Dienstag ist im Krankenhaus gemixt worden, ich hatte ja sonst nichts zu tun …
Bereits am Dienstag kündigte ich an, daß Krankenhaus am Mittwoch zu verlassen, wenn man nichts finden würde, denn es ging mir etwas besser. Der Schmerz war zwar noch da (ist er übrigens immer noch), aber nicht mehr so massiv. Ich konnte meinen Kopf schon wieder etwas bewegen und längere Phasen ohne Schmerzmittel auskommen, wobei schlafen ohne Drogen noch ein Problem war (ich versuche gleich die erste Nacht ohne, auch ohne Schmerzmittel).
Am Mittwoch also machte man noch ein paar Untersuchungen, deren Ergebnisse (jetzt irgendwie) erwartungsgemäss unauffällig waren, dann packte ich meine 2 ¼ Sachen zusammen und machte einen Schuh, ab nach Hause.
Bei meinem Abschlußgespräch mit dem Oberarzt der Station frug ich:
Herr Doktor, können sie mir mal annähernd verraten, was ich habe?
Nein. Sie sind einer der äußerst seltenen, medizinisch unerklärlichen Phänomene. Sowas kommt vor, ist aber medizinisch nicht zu erklären. Insbesondere ihre hohen Entzündungswerte sind unerklärlich, wir haben auf alles Mögliche getestet, sie sind zumindest auf dem Papier ein kerngesunder und fitter 35-jähriger Mann.
Und was soll ich jetzt mit der Erfahrung und der Info anfangen? Soll ich mein Leben umstellen, weniger Stress und sowas?
Ganz ehrlich?
Sicher.
Machen sie einfach so weiter wie vorher. Ich sehe keinen Grund, irgendwas zu ändern. Mein Tipp: Vergessen sie die Sache hier und leben sie ihr Leben weiter, wie vorher auch.
So, Freunde. Und nun sitze ich hier und weiß nicht wirklich, was der ganze Shyce eigentlich soll(te). Der liebe Gott hat die Bremse sicher nicht grundlos getreten. Ich werde das Gefühl nicht los, daß sich irgendwas irgendwann ganz tief in mir vergraben hat und ich das tatsächlich (ja, ich!) völlig verdrängt und zugeschaufelt habe. Bei einem unbewusst daherlebenden Menschen würde mich das ja gar nicht wundern, in meinem Fall jedoch bin ich so etwas ähnliches wie ratlos.
Markiere ich den Harten, wie man mir ja unlängst ausgiebig an den Kopf warf, und leide tief drin doch sehr unter irgendwelchen Dingen, oder was geht hier ab?
Ich werde mir jetzt ein bißchen die Ruhe antun und habe auch das dringende Bedürfnis danach. Vielleicht komme ich an Wissen heran, was mir momentan fehlt, ich weiss es nicht.
Wie ihr vielleicht wisst, habe ich ein bißchen Urlaub (nach 8 Jahren) gemacht, und zwar in Kopenhagen, Dänemark. Es war supertoll! Die Menschen in Kopenhagen (wie meistens in Skandinavien) sind auffällig schön, freundlich, offen, telefonieren die ganze Zeit und fahren alle Fahrrad. Ich war während meiner Zeit dort auch zu 80% mit dem Fahrrad unterwegs:
The Official friskyBike
Und einfach machen sie es sich auch. Zur Begrüßung sagt man “Hi”, zum Verabschieden “Hi hi” (das wird sicher anders geschrieben, aber so hört es sich an). Außerdem sind ALLE Frauen schwanger und schieben einen Kinderwagen vor sich her. Zigaretten gibt’s nur an Kiosken und aus dem Automaten, und die Auswahl ist leicht eingeschränkt.(1)
Das Wetter war der Hammer, weshalb ich auch einigermaßen gebräunt bin.
Ja, ich feile gerade meine Nägel.
Ungesicherte WLANs gibt es dort genauso viele wie in Deutschland und dem Rest der Welt, daß scheint normalmenschliches Verhalten zu sein.
Ein Highlight für jeden, der Kopenhagen besucht, ist ganz sicher Christiania:
Die Welt, in der ich mich täglich bewege, nämlich die Musikwelt, ist klein. Also habe ich Banel von iboga Records (www.iboga.dk)(2) bei einem Open-Air-Event getroffen (der in dem Video auch gerade selbst auflegt) und wir haben tüchtig gefeiert:
Mein Name ist Peter Müller, ich bin 40 Jahre alt, verheiratet mit Heike, 2 Kinder, 5 und 7 Jahre alt. Ich bin Sozialversicherungsfachangestellter (Niederlassungsleiter), meine Frau war - vor den Kindern - Versicherungskauffrau, Sachversicherungen, Abteilung Krankenversicherungen. Wir haben uns vor 15 Jahren auf einem beruflichen Seminar kennengelernt und 3 Jahre später geheiratet.