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getFrisky! Essen | 31. Januar 2009 | Ticket-Vorverkauf
Nebst näherer Umgebung. Seit Jahren war der grottenhässliche Hauptbahnhof in Essen politisches Streitthema, jetzt wird er für 57 Mio. € (vom Bund) umgebaut, weil Essen die Kulturhauptstadt 2010 ist und der Hauptbahnhof dann nicht aussehen soll wie ein Haufen Kot.
Das ist generell eine ganz tolle Idee. Der Bahnhof war wirklich potthässlich. Die Umbauarbeiten haben bereits begonnen:
Die U-Bahnhof-Baustelle unterhalb des Bahnhofsvorplatzes
Wie gesagt, alles ganz toll. Aber als Reisender hat man jetzt bis Ende 2009 die Oberarschkarte gezogen. Die Großbaustelle macht halbwegs angenehmes Reisen bzw. Aufhalten nahezu unmöglich. Das Erreichen von Anschlussbahnen oder Bussen ist eine Zumutung. Ich stelle mir vor, wie Menschen, die entweder gebrechlich, im Rollstuhl oder sonstwie nicht gut zu Fuß sind, 400 Meter um den Bahnhof herumlaufen sollen, um ihre Verkehrsmittel zu erreichen. Busse haben Bahnsteige, die auch in Fahrplänen numerisch angegeben sind, jedoch nicht WO sie sich exakt befinden. Da irrt man umher und sucht, und sucht, und sucht …
Alle Wege sind mindestens verdoppelt, Fahrgäste sind alle genervt. Ich bin ja gar nicht gegen den Umbau des Bahnhofes, aber gegen das mehr als schlechte Übergangsmanagement habe ich was. Und genau aus diesem Grund wird der Umbau den Bund zwar vielleicht 57 Mio. kosten, Essen aber auch etwas darüber hinaus. Es vergrault nämlich Besucher, massiv, und es schädigt die vielen Ladenbesitzer um den Bahnhof herum und jene, die einst ihr Geschäft IM Bahnhof hatten.
Da muss dringend nachgebessert werden.
Jetzt aber der Knaller: Nach dem Umbau soll der Bahnhof so aussehen. Ist das alles? Im Jahr 2010 nach Christus erwarte ich mehr von einem topaktuellen Bahnhof.
So wisst ihr auch mal, was ich (unter Anderem) in meinem Vorleben mal gemacht habe. Familienunternehmen. Das war die ALLERLETZE Drecksarbeit, den ganzen Tag auf irgendwelchen Autobahnbrücken, in Klärbecken oder Tunnels stehen und mit 2.000 bar Druck (= 50 kg Gegendruck) in den Händen herumhantieren. Ständig flog einem Strahlgut, kleine (und große) Steinchen und Scheiße um und in die Ohren. Hochdruck nicht nur mit Wasser- oder Sandstrahlen sondern auch noch durch den Alten im Nacken, also Termindruck ohne Ende.
Hier seht ihr meine Athletenbeine ( ) auf der bis 90° C aufgeheizten Stahlplatte der seinerzeit sanierten Autobahnbrücke in Köln-Rodenkirchen, mitten im Hochsommer:
Die Stahlplatte wurde kugelgestrahlt und dann mit einer Art Grundierung beschichtet, um dann später mit neuem Asphalt versehen zu werden. Die komplette Fläche musste sehr akurat per Hand mit einer Malerrolle und der Pampe beschichtet werden. Im Nacken hatte ich zu dem Zeitpunkt 2 Menschen: Den Bauleiter der STRABAG (der mich irgendwann der Baustelle verwies, weil ich ihn beleidigt hatte) und damit auch den Alten, denn das war ein Großauftrag über 250.000 DM. Später hat der Alte (Vogelmann) dann selbst über den geschimpft und ich irgendwann gekündigt.
Das Unternehmen wurde vor ein paar Jahren verkauft. Mein Bruder ist dort auch vor dem Verkauf der Bude als Geschäftsführer ausgetreten (Dirk Vogelmann).