This is the official website of the musician, sound engineer, DJ, composer & producer for film & media Ingo Vogelmann. No MySpace, Fuckbook or whatever ... this is a real real deal.
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Wer bisher noch keine Vorstellung von Hartz IV bekommen konnte, der kann das jetzt zumindest in der Theorie nachholen.
Aus einem Flyer von DIE LINKE. NRW zu einem Hearing (das Wort kannte ich vorher auch noch nicht, gemeint ist eine Podiumsdiskussion) im Landtag NRW, zu dem ich eingeladen wurde, da man weiß, daß ich entschiedener Hartz IV-Gegner bin:
Hartz IV ist nicht nur Ausdruck für die Verarmung breiter Bevölkerungsschichten, sondern auch für die Zerschlagung des Sozialstaats. Hartz IV hat aus der Arbeitlosenversicherung eine Armutsfürsorge gemacht. Die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe hat für 60% der Betroffenen zu dramatischen Einkommenseinbußen geführt. Darüberhinaus steht Hartz IV für ein System der Entrechtung und Repression. Mit der Einführung von Hartz IV hatte die ehemalige rot/grüne Bundesregierung den seit Jahren von Wirtschaftskreisen und ihren abhängigen Medien erhobenen Forderungen entsprochen, wonach der Sozialstaat angeblich zu teuer sei und dem Abbau der Arbeitslosigkeit im Wege stehe. Doch das Versprechen, mit Hartz IV würde die Arbeitslosigkeit in zwei Jahren halbiert, hat sich inzwischen als Etikettenschwindel herausgestellt. Denn die tatsächliche Arbeitslosigkeit hat mit ca. 6 Mio. Arbeitslosen bundesweit nach wie vor ein dramatisches Ausmaß, welches allerdings in der offiziellen Statistik nicht zum Ausdruck kommt, da aus dieser ca. 50% der Langzeitarbeitslosen im Hartz IV-Bezug herausgerechnet werden. Das Scheitern von Hartz IV veranlasst die herrschenden neoliberalen Kräfte inzwischen zu Überlegungen, aus Gründen des Lohndumpings Arbeits- und Zwangsdienste zu Hartz IV-Konditionen für die private Wirtschaft zu schaffen, wie neuere Studien aus Wirtschafts- und Finanzministerium in Berlin belegen.
Auch in NRW hat Hartz IV zu einem Flächenbrand geführt. Mit ca. 1.050.000 Mio. ALG II -Beziehern ist die Langzeitarbeitslosigkeit auch 2008 nahezu genauso hoch wie 2005 zu Beginn von Hartz IV. Insbesondere die Kinderarmut ist durch Hartz IV erheblich gestiegen. Bundesweit werden über 2 Mio. Kinder und Jugendliche in Hartz IV-Verhältnissen tagtäglich von adäquater Schulbildung und gesunder Ernährung ausgegrenzt. Das System des „Fordern und Fördern“ hat zwar mehr Repression, aber nicht mehr Beschäftigung gebracht. Nach einer aktuellen Studie haben lediglich 3,4% sämtlicher 1€-Jobs zu einem Arbeitsverhältnis geführt, was sogar NRW-Sozialminister Laumann (CDU) zu der Erklärung veranlaßte, daß das System der 1-Euro-Jobs gescheitert sei. Doch statt daraus die Konsequenz zu ziehen, z. B. durch ein öffentliches Beschäftigungsprogramm die Arbeitslosigkeit in NRW spürbar abzubauen, will die herrschende Politik nicht nur an Hartz IV festhalten, sondern setzt bei vielen sozialen Projekten getreu dem neoliberalen Motto „Privat geht vor Staat“ unvermindert den Rotstift an. Ein aktuelles Beispiel ist in NRW die von der Landesregierung geplante Einstellung der Fördermittel für die zahlreichen Arbeitslosenzentren und Beratungsstellen, die für viele Hartz IV-Betroffene eine wichtige Anlaufstelle darstellen. Ebenso werden in vielen NRW-Kommunen die Unterkunftskosten nach wie vor radikal gekürzt und dadurch Tausende gezwungen, ihre Wohnung aufzugeben oder von erheblich gekürzten Einnahmen zu leben. Inzwischen errichtet sogar die Bundeswehr Büros in den ARGEN NRW’s, um arbeitslose Jugendliche verstärkt für den Kriegsdienst zu gewinnen.
Zu diesem Ergebnis kam eine Fachanhörung zur verfassungsrechtlichen Bewertung von Hartz IV am 13.06.2008, organisiert durch die Fraktion DIE LINKE im Deutschen Bundestag. Dies ist nachzulesen in der Presseerklärung von Katja Kipping. Im Einzelnen wurde auf der Fachanhörung festgestellt:
1. Leistungshöhe und Leistungsrecht Anders als breite Teile der Öffentlichkeit sieht die herrschende Rechtsauffassung die Höhe der Regelleistung für Erwachsene als verfassungsgemäß an.
Allerdings erscheint erstens die unzureichende Gewährung von Sonderbedarfen als verfassungsrechtlich bedenklich, weil dadurch eine mangelnde Bedarfsdeckung zu konstatieren ist. Zweitens sind Kürzungen von Leistungen infolge von Sanktionen verfassungsrechtlich bedenklich, weil daraus eine Unterdeckung des Existenzminimums folgt.
Die derzeitige Höhe der Leistungen für Kinder und Jugendliche ist verfassungsrechtlich ebenfalls sehr bedenklich. Die normative Ableitung dieser Regelleistung von den Erwachsenenbedarfen (80 bzw. 60 Prozent vom Erwachsenenbedarf) ist weder inhaltlich aussagekräftig begründet noch rational nachvollziehbar.
2. “Fordern” und Sanktionieren Prinzipiell gehört das gesamte Sanktionsregime von Hartz IV auf den verfassungsrechtlichen und politischen Prüfstand. Die Absenkung der Leistungen bei geringstem “Fehlverhalten” bis hin zur völkerrechtswidrigen Arbeitserzwingung und die totale Absenkung der Leistung auf Null widersprechen dem Menschenwürdegrundsatz, dem Sozialstaatsgebot und dem rechtsstaatlichen Prinzip der Verhältnismäßigkeit.
Vor dem Hintergrund der politisch vorgegebenen Sparzwänge und der von der herrschenden Politik inszenierten Missbrauchsdebatten öffnet das verfassungsrechtlich bedenkliche Sanktionsregime Missbrauch und Willkür durch die Ämter Tür und Tor. Das zeigt auch die hohe Zahl der erfolgreich angefochtenen Sanktionen (bis zu 40 Prozent). Zudem unterwandern die faktisch fehlenden Zumutbarkeitskriterien in Kombination mit dem Sanktionsregime arbeitsmarktpolitische und arbeitsrechtliche Regulierungen (z.B. Erosion des Lohngefüges).
Die grundgesetzlich geschützte Vertragsautonomie wird durch die sanktionsbewehrte Erzwingung von Eingliederungsvereinbarungen ausgehebelt. Auch wenn diese Erzwingung nach einem aktuellen. Referentenentwurf zur Änderung des SGB II aufgehoben werden soll, verbleibt das Problem: Die Eingliederung wird dann bei einer abgelehnten Eingliederungsvereinbarung per Verwaltungsakt erzwungen. Die verfassungsrechtlichen Folgen dieser möglichen Praxis müssen noch bestimmt werden.
3. Bedarfsgemeinschaften Die Anrechnung von Einkommen und Vermögen und die Gewährung von Leistungen im Rahmen der Bedarfsgemeinschaft sind in vielen Einzelkonstellationen verfassungsrechtlich höchst bedenklich bis verfassungswidrig. Dazu gehören z. B. die Konstruktion eines „fiktiven Hilfebeziehers“, d. h. der Eingriff in das Persönlichkeitsrecht (Art 2 GG) einer genügend verdienenden Person, die durch die derzeitige Konstruktion der Bedarfsgemeinschaft faktisch zum Bedürftigen gemacht wird. Ebenso gehören dazu die Statuierungen von Unterhaltsverpflichtungen, die das Bürgerliche Gesetzbuch und das Familienrecht nicht kennen (z. B. bei eheähnlichen Lebensgemeinschaften inkl. Beweislastumkehr und Stiefkindern). Auch die Einbeziehung bedürftiger, unverheirateter junger Menschen unter 25 Jahre in die Bedarfsgemeinschaft der Eltern inkl. der “Stallpflicht” ist aus verfassungsrechtlicher Sicht höchst bedenklich.
Als erste Konsequenz der Anhörung wurde durch die Fraktion der Antrag auf Aufhebung der Stiefkinderregelung eingereicht. In weiteren Anträgen werden die Ergebnisse der Expertise und der Anhörung aufgenommen.
Fazit Die Fraktion DIE LINKE. hat bereits in mehreren Gesetzentwürfen, Anträgen und anderen parlamentarischen Initiativen sowohl das Hartz IV-Armuts- und Ausgrenzungs-Gesetz als auch die konkrete Praxis bei den Trägern der Grundsicherung für Arbeitsuchende kritisiert. Unsere Kritik an Hartz IV lässt sich verfassungsrechtlich untersetzen. Auch daher gilt also: Hartz IV muss weg. Eine repressionsfreie soziale Grundsicherung muss her. Im Grundgesetz muss darüber hinaus die soziale Absicherung der Menschen als soziales Grundrecht normativ verankert und geschützt werden. Das ist die Voraussetzung einer funktionierenden sozialen Demokratie.
In Berichten über DIE LINKE wird immer wieder behauptet, DIE LINKE habe kein Programm. Nachfolgend werden 100 wichtige Initiativen der Bundestagsfraktion DIE LINKE aufgelistet. Die zugrundeliegenden Programmpunkte sind mittlerweile so beliebt, dass sie auch den konkurrierenden Parteien als Fundgrube dienen.
Das Völkerrecht ist Grundlage der deutschen Außenpolitik.
Die Bundeswehr bleibt Parlamentsarmee.
Die Bundeswehr wird aus Afghanistan abgezogen.
Die indirekte Beteiligung Deutschlands am IrakKrieg wird beendet.
Der internationale Kapitalverkehr wird reguliert.
Die Wechselkurse werden stabilisiert.
Die Tobin-Steuer wird erhoben.
Steueroasen werden ausgetrocknet.
Eine global wirkende Kartellbehörde setzt den multinationalen Konzernen Schranken.
Entwicklungsländer können Schutzzölle erheben.
Europa
Das Ratifizierungsverfahren zum Vertrag von Lissabon wird ausgesetzt.
Die Bürgerinnen und Bürger entscheiden in einem europaweiten Referendum über den EU-Vertrag.
Volksentscheide über die vertraglichen Grundlagen der EU werden grundgesetzlich verankert.
In Europa werden soziale Mindeststandards eingeführt.
Steuer- und Lohndumping werden durch eine produktivitätsgerechte und inflationsausgleichende Lohnentwicklung, Mindestlöhne und steuerliche Mindestsätze unterbunden.
Der Stabilitätspakt wird reformiert.
Die Europäische Zentralbank wird auf Wachstum und Beschäftigung verpflichtet.
Die Stationierung neuer Raketen in Europa wird abgelehnt.
Deutschland
Die Politik wird darauf gerichtet, daß die Bruttolöhne wieder dem Produktivitätszuwachs plus der Preissteigerung folgen.
Ein gesetzlicher Mindestlohn von mindestens 8,44 Euro wie in Frankreich wird durchgesetzt.
Ein-Euro-Jobs werden in öffentlich geförderte, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umgewandelt.
Aktienoptionen zur Managerentlohnung werden verboten.
Eine Managerhaftung wird eingeführt.
Managergehälter werden auf das 20fache des Gehalts eines sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der untersten Lohn- und Gehaltsgruppe begrenzt.
Die gesetzliche Rente wird zu einer Erwerbstätigenrente ausgebaut.
Die Dämpfungsfaktoren in der Rente werden zurückgenommen und die bewährte Rentenformel in Kraft gesetzt.
Der Solidarausgleich in der Rente für Versicherte mit unterbrochenen Erwerbsbiographien und geringen Einkommen wird gestärkt.
Die Lebensstandardsicherung in der gesetzlichen Rente wird wieder eingeführt.
Die Rente mit 67 wird zurückgenommen.
Die Zwangsverrentung von älteren Menschen, die Hartz IV bekommen, wird beendet.
Die Ostrenten werden auf das Niveau der Westrenten angehoben.
Das Versorgungsunrecht bei den Zusatz– und Sonderversorgungen der DDR wird beseitigt.
Der Kündigungsschutz wird ausgebaut.
Die Paritätische Mitbestimmung in Unternehmen, die aufgrund ihrer Umsätze oder Beschäftigtenzahlen erhebliche regionale oder bundespolitische Bedeutung haben, wird durchgesetzt.
Die Belegschaft wird am Zuwachs des Produktivvermögens beteiligt.
Bei Unternehmensentscheidungen von grundsätzlicher Bedeutung werden Belegschaftsabstimmungen durchgeführt.
Massenentlassungen bei gleichzeitig hohen Gewinnen werden genehmigungspflichtig.
Öffentliche Aufträge werden nur noch an Unternehmen vergeben, die Tarifverträge einhalten und Mindestlöhne zahlen.
Öffentliche Fördergelder werden als Unternehmensbeteiligungen vergeben.
Die Leiharbeit wird eingeschränkt und so geregelt, dass gleicher Lohn für gleiche Arbeit bezahlt werden muss.
Das Recht auf den politischen Streik wird eingeführt.
Die bis 1986 geltende Rechtslage wird wiederhergestellt, nach der bei »kalten Aussperrungen« Kurzarbeitergeld gezahlt wird (Streikparagraph).
Zum Ausgleich behinderungsbedingter Nachteile im Beruf werden gesetzliche Regelungen getroffen.
Die Zwei-Klassen-Medizin wird durch die Einführung einer solidarischen Bürgerinnen- und Bürgerversicherung, in die alle Berufsgruppen einzahlen, abgelöst.
Die Praxisgebühr wird zurückgenommen.
Versicherte mit geringem Einkommen werden im Rahmen der Härtefallregelung vollständig von Zuzahlungen befreit.
Eine humane und solidarische Pflegeversicherung wird eingeführt.
Eine bedarfsorientierte, armutsfeste Kindergrundsicherung wird gesetzlich garantiert.
Kinder erhalten mindestens das Existenzminimum von monatlich 420 Euro.
Die Kinderbetreuung wird ausgebaut.
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird verbessert. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erhalten das Recht, nach der Elternzeit auf den gleichen oder einen gleichwertigen Arbeitsplatz zurückzukehren.
Kommerzialisierungstendenzen im Schulwesen werden gestoppt.
Die Chancengleichheit im Bildungswesen wird gestärkt.
Die Studienfinanzierung wird ausgebaut, soziale Hürden werden abgebaut.
Das Studium ist gebührenfrei.
Die Ausgaben für Bildung, Forschung und Entwicklung werden mindestens auf das Niveau des europäischen Durchschnitts angehoben.
Der Mißbrauch von Praktikantenstellen als Mittel zum Lohndumping wird untersagt.
Die Abschreibungsmöglichkeiten für Unternehmen werden durch die Wiedereinführung der degressiven Abschreibung verbessert.
Kleinst– und Kleinbetriebe mit bis zu 30000 Euro Gewerbeertrag werden von den IHK-Beiträgen befreit.
Das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen wird verschärft; dem Bundesminister für Wirtschaft und Technologie wird ermöglicht, vom Bundeskartellamt genehmigte Zusammenschlüsse von Unternehmen zu untersagen.
Die Zulassung von Hedgefonds in Deutschland wird aufgehoben.
Zweckgesellschaften werden verboten.
Der »Schrotthandel« mit Forderungen (Verbriefungen) wird untersagt.
Die öffentliche Investitionsquote wird mindestens auf das Niveau des europäischen Durchschnitts angehoben.
Die Strom- und Gasnetze werden in die öffentliche Hand übernommen, Strompreise werden staatlich reguliert.
Die Energieversorgung wird wieder rekommunalisiert.
Heizkosten-Zuschüsse für einkommensschwache Privathaushalte werden ermöglicht.
Der Einkommenssteuertarif wird gerecht gestaltet, Steuerentlastungen für geringe und mittlere Einkommen und kleine und mittlere Betriebe werden durchgesetzt.
Die deutsche Steuer– und Abgabenquote wird auf das Niveau des europäischen Durchschnitts angehoben.
Deutsche Staatsangehörige werden unabhängig von ihrem tatsächlichen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt mit ihrem Einkommen in Deutschland steuerpflichtig.
Vermögens– und Erbschaftssteuer werden wie in den angelsächsischen Ländern erhoben.
Der Spitzensteuersatz steigt wieder auf mindestens 50 Prozent und setzt erst bei höheren Einkommen ein.
Steuerpflichtige mit einem Einkommen von mehr als 500.000 Euro werden regelmäßig geprüft.
Auslandsverluste können in Deutschland nicht steuermindernd geltend gemacht werden.
Die Steuerfreiheit von Veräußerungsgewinnen wird aufgehoben.
Eine Börsenumsatzsteuer von einem Prozent auf alle Börsenumsätze wird erhoben.
Die Pendlerpauschale gilt ab dem ersten Kilometer.
Die Eigenheimzulage wird wieder eingeführt.
Der Regelsatz für Hartz IV wird auf monatlich 435 Euro festgesetzt.
Das Schonvermögen wird deutlich angehoben.
Die Zumutbarkeitskriterien werden abgeschafft.
Die Höhe und Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes wird neu geregelt.
Die kostenpflichtige Service-Telefonnummer der Bundesagentur für Arbeit wird durch eine gebührenfreie Rufnummer ersetzt.
Das Recht auf ein Girokonto für jedermann wird durchgesetzt.
Der Umstieg auf den öffentlichen Verkehr wird gefördert, Sozialtickets werden eingeführt.
Der Benzinpreisanstieg wird sozial abgefedert.
Der Bußgeldkatalog für den Straßenverkehr wird nach Höhe der Einkommen gestaffelt.
Die Bahn bleibt im öffentlichen Eigentum.
Ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf Autobahnen wird eingeführt.
Volksbegehren und Volksentscheide ermöglichen es Bürgerinnen und Bürgern, in Bund, Ländern und Kommunen über politische Richtungsentscheidungen mitzuentscheiden.
Der Rechtsextremismus wird bekämpft, die Beratungsstellen erhalten mehr Geld.
Die Rechte von Migrantinnen und Migranten werden geschützt, sie nehmen gleichberechtigt am gesellschaftlichen und politischen Leben teil.
Staatliche Bürgschaften für Rüstungsexporte werden abgeschafft.
Rüstungsexporte in Spannungsgebiete werden verboten.
Abgeordnetenbestechung wird wie in anderen Ländern bestraft.
Mitglieder des Sachverständigenrates werden dazu verpflichtet, Tätigkeiten und Einkünfte offenzulegen.
Die Gewalt an Frauen wird durch eine strengere Gesetzgebung bekämpft.
Die Gleichstellung von Frau und Mann in allen Bereichen des politischen, sozialen und wirtschaftlichen Lebens wird gefördert.
In der Klima- und Umweltpolitik nimmt Deutschland eine Vorreiterrolle ein; der Treibhausgasausstoß wird bis 2020 um 40 Prozent reduziert.
(Das Originaldatum dieses Beitrages ist älter. Ich habe ihn aber der Wichtigkeit halber nach oben verschoben.)
Mitnichten.
Meine Nachbarn, ein Paar, direkt neben mir sind liebe Menschen. Einfach, äußerlich von grober Erscheinung, im Innern funkelt bei beiden ein Herz aus Gold. Wer genauer hinsieht, erkennt das schnell. Ihre Blicke sind jedoch von Angst zerfressen.
Sie sind vor 2 Monaten aus Teneriffa zurück nach Deutschland gekommen, wo er ein kleines Baugeschäft betrieb, mit dem er gescheitert ist. Hier in Deutschland war der erste Gang zunächst zum ‘Amt’ … dort, wo man betteln muss, denn sie sind mit nichts zurück nach Deutschland gekommen, außer dem Fummel am Leib und einem kleinen Kater. Der Drang nach mehr Freiheit hat seinen Tribut gezollt.
Die Wohnung hat nackt verputzte Wände, Tapeten sind finanziell undenkbar, der Boden besteht aus den Holzdielen, aus denen der Boden halt ursprünglich auch besteht. Wenige Möbelstücke vom Sperrmüll, hier und da etwas Zusammengeschnorrtes. Einen Monat lang haben sie auf dem Boden geschlafen, bis ihnen jemand ein altes Bett geschenkt hat.
Sie hat zunächst einen 1 Euro 50 Job gemacht, er wartet noch auf Arbeitsgelegenheit. Sie hat Schrauben in Lüsterklemmen gedreht. Als sie sich bei der Arbeit unwürdig behandelt fühlte, ist sie dort nicht mehr hingegangen. Jetzt hat man den beiden größtenteils die Leistungen vom ‘Amt’ gestrichen. Sie hatte 2 Nervenzusammenbrüche deswegen. Beide wissen nicht mehr, was sie essen sollen, wie sie Rechnungen bezahlen sollen und was sie dem kleinen, spanischen Kater ‘Lucky’ als Futter präsentieren können. Er versucht, auch irgendwo im Ausland, einen Job zu bekommen, die Zukunft ist vollkommen ungewiss.
Momentan leben sie in völliger Armut und fühlen sich machtlos und zerschlagen.
Sie macht nun meinen Job, den ich eigentlich alle 2 Wochen habe: Hausflur reinigen. Dann haben sie etwas mehr im Portemonnaie. Heute habe ich doppelt eingekauft. Ich kann nicht hier sitzen, mir den Bauch vollschlagen, wenn ich weiß: Nebenan wird gehungert.
Glückwunsch, liebe Bundesregierung, ihr habt einen sensationellen Job gemacht. Yes We Can. Spätestens 2009 wird abgerechnet.
Update
Es sind mittlerweile Geldbeträge via PayPal als Spenden von euch bei mir eingetroffen, um das an die beiden weiter zu leiten. HERZLICHEN DANK in ihrem Namen! Ich leite das so weiter.
Und weil ich das eine Superidee finde, mache ich jetzt eine Art Spenden-Hinweis-Stöckchen daraus. Das geht so:
Bitte einfach einen Link auf diesen Post setzen und die PayPal-Spenden-Email finance(at)l2music.net angeben. PayPal ist sicher, schnell und man benötigt keine Kreditkarte.
Jeder Euro oder Cent ist wichtig, die Verzweiflung und Angst ist nach wie vor groß. Die beiden sind auch nicht mehr die Jüngsten und somit auch ihre Chancen auf Arbeit nicht die Größten.
Das Spenden-Hinweis-Stöckchen ist KEINE Aufforderung an die, denen ich es zuwerfe, zu spenden (einige davon haben es sowieso schon getan). Es wäre einfach cool, wenn noch ein paar andere Leute Wind von der Nummer kriegen und vielleicht ein paar Euros übrig haben.
Und natürlich auch an alle anderen, die das gerne machen möchten! Ich kann mich nicht genug bedanken.
Update 2
Mit euren bisherigen Spenden habe ich heute für die beiden nochmal für 80 € eingekauft, dabei eine ganze Palette Katzenfutter und jede Menge ‘Basics’ (Milch, Brot, Käse, Eier und so’n Kram). Das wird vermutlich für die nächsten 2 Wochen reichen. Es ist nicht ganz leicht, ihnen die Scham dafür zu nehmen, aber sie nehmen es an, ohne das Haupt dabei senken zu müssen. Das ist mir persönlich wichtig dabei. Ich versuche, die ganze Sache dann durch blöde Vogelmann-Scherze aufzulockern, und dann kehrt tatsächlich ein wenig Heiterkeit ein.
Sie sagte gerade zu mir:
Mensch, endlich mal nicht mehr jeden Tag das Gleiche essen … und vor Allem mal jeden Tag was essen. Und jetzt hat Lucky auch mal jeden Tag was.
Ihre Augen haben gestrahlt, ich hab mich toll gefühlt. Es wäre super, wenn wir zusammen den beiden den nächsten Monat halbwegs auf die Reihe kriegen.
Update 3
Er kam gestern nochmal rüber an meine Tür, war sehr gerührt und strahlte ebenfalls über beide Ohren.
Ich möchte mich nochmal bedanken, ich mach das irgendwann wieder gut …
Was denn? Es ist bereits alles gut, vergiß es.
Ich möchte das irgendwann wieder gut machen.
Nochmal: Es ist alles gut, mach dir keine Gedanken, geh jetzt wieder rüber, und dann esst ihr zusammen und macht euch einen coolen Abend.
Nahrungsmittel sind für die nächsten, geschätzten 2 Wochen gesichert. Die beiden brauchen unbedingt Bodenbelag, Tapeten, Lampen und andere Dinge, die eine Wohnung wohnlich machen. Ich selbst habe noch schier unendlich viel Kram im Keller stehen - in Kartons verpackt - den ich nicht mehr brauche. Da wühle ich heute noch ein bißchen zusammen mit ihm drin herum.
Bitte die Spendenbereitschaft noch nicht einschlafen lassen. Momentan sind insgesamt ca. 200 € eingegangen, was ganz akut geholfen hat und noch weiter hilft. Für die Herrichtung der Wohnung brauchen wir leider noch mehr. Auch Kleinbeträge helfen.
Update 4
Ihr habt sicher mitbekommen, daß ich einige Tage im Krankenhaus verbracht habe. Ich selbst habe in diesem Moment nicht die superaktuellsten Informationen von Karl & Bettina (meine Nachbarn), wir haben nur kurz gesprochen, als ich aus dem Krankenhaus zurückkam.
Das ‘Amt’ hat nochmal Kürzungen vorgenommen. Zwei Erwachsene Menschen sollen im nächsten Monat mit 150 € leben. Dank eurer bisherigen Spenden wird das nicht so sein.
Karl arbeitet derzeit - in Form eines 1 € Jobs - bei der Dortmunder Tafel in der ‘Verteilung’ (”Die Würde des Menschen ist unantastbar? Wer weiß, was Armut ist, hat andere Erfahrungen gemacht.” ) , ganz offiziell, wo er auch ein bißchen Nahrungsmittel einheimsen kann. Um Nahrung brauchen wir uns also - nicht zuletzt auch deshalb - momentan weniger Sorgen machen.
Am Mittwoch, als ich gerade zurückkehrte, traf ich Karl im Hausflur, der mir berichtete, das er gerade aus Spanplattenresten einen Kleiderschrank baut. Freunde von mir und Besucher dieser Website kümmern sich derzeit um einen Job für Karl, der übrigens gelernter Maurermeister ist (ja, sogar Meister). Ich rechne damit, daß wir etwas für Karl finden. Er selbst checkt aber auch ständig Gelegenheiten, um an Arbeit zu kommen. Einen Computer haben die beiden leider nicht, obwohl Karl mit sowas umgehen kann. Internet bräuchte er nichtmal, er könnte meine WLAN-Verbindung nutzen.
Momentan gibt es also immer noch keinen Bodenbelag, keine Farbe oder Tapeten an den Wänden und nur sehr dürftig ‘zusammengehauene’ Möbelstücke. Morgen werde ich nochmal mit den Beiden sprechen, wie der Stand der Dinge ist. Ich gehe aber davon aus, daß noch immer Einiges benötigt wird. Den einen oder anderen Farbeimer, teilweise ungeöffnet, habe ich auch noch im Keller stehen.
Meine Hilfe endet erstmal dort, wo ich sehen kann, das K. & B. unter menschenwürdigen Verhältnissen leben, und zwar bezogen auf dieses reiche Land.
Apropos: Am Samstag um ca. 18:30 könnt ihr ein Telefon-Interview auf Radio Fritz / Berlin mit mir hören. Zu diesem Thema. LIVE und ungeschnitten. Auch über das Internet hörbar: fritz.de
Host und Interviewer ist Marcus Richter. Die Sendung heißt ‘Trackback’. Wenn ihr die Sendung verpasst: Nicht schlimm. Wird gepodcastet.