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Sunday, November 30, 2008 by Ingo

Ich und ihr

Für alle meine Gedanken und Handlungen gibt es einen Grund, nämlich die Erwartung eines für mich günstigen Ergebnisses. Wenn ich Tagträume, erwarte ich vielleicht, der Langeweile zu entgehen oder zu erleben, dass meine Vorstellung Wirklichkeit wird. Vielleicht erwarte ich tieferes Wissen, Bewusstsein oder gesteigertes Denkvermögen. Oder ich mache mir Sorgen, um mich davon zu überzeugen, dass ich ein verantwortungsbewusster Mensch bin. Es gibt die verschiedensten Wünsche und Erwartungen, sogar solche, die ich nicht gerne eingestehen möchte.

Manchmal bin ich getrieben vom Wunsche nach Geld und Besitz; dann sind meine Gedanken und Handlungen darauf gerichtet.

Ich mag getrieben sein durch ein Bedürfnis nach Applaus und Zustimmung. Ich möchte den anderen gefallen.

Oft bin ich durch den Drang motiviert, recht zu haben. Ich mag es gar nicht, dass meine Ansichten und Handlungen als falsch eingestuft werden.

Manchmal ist der Wunsch nach Vergnügen die Triebfeder; das Leben soll mir etwas bieten und mich befriedigen. Doch der stärkste Antrieb für meine Gedanken und Handlungen ist meine Sehnsucht nach Liebe.

Wenn ich mich geliebt weiß, habe ich wenig Verwendung für Geld. Manchmal gibt es mir zwar ein Gefühl der Sicherheit, aber nicht entfernt so nachhaltig wie es die Liebe vermag.

Wenn ich mich geliebt weiß, brauche ich Applaus und Zustimmung nicht; Liebe ist an sich schon Beifall und Zustimmung.

Wenn ich mich geliebt weiß, brauche ich nicht recht zu haben. In Gegenwart eines Menschen, der mir seine Liebe schenkt, brauche ich mich meiner Fehler nicht zu schämen; ich schätze es sogar, wenn er mich liebevoll auf sie aufmerksam macht.

Wenn ich mich geliebt weiß, gibt es für mich kein größeres Vergnügen; andere Vergnügen sind fade oder lediglich ein Mittel, meiner Liebe Ausdruck zu verleihen und Liebe zu erleben.

Nichts befriedigt tiefer als Liebe. Wenn ich mich geliebt weiß, so bin ich zufrieden, jedoch nicht selbstgefällig. Ich werde weiterhin zu Gedanken und Handlungen angetrieben, habe Ziele, Ideale, sogar Ehrgeiz. Aber meine Ziele und mein Ehrgeiz sind nicht mehr Ausdruck der Unsicherheit; ich brauche niemandem mehr etwas zu beweisen.

Wenn ich mich geliebt weiß, sehe ich mich zu liebevollem Handeln veranlasst. Ziele und Ehrgeiz sind Ausdruck meines Bedürfnisses, Freude zu geben und zu teilen.

Liebe ist eine Überlebensfrage. Ich brauche Liebe oder einen Liebesersatz, buchstäblich um überleben zu können. Viel zu viele Menschen sind aus Mangel an Liebe gestorben. Für Liebe gibt es mannigfaltigen Ersatz: Macht, Geld, materiellen Besitz, Popularität und Ruhm. Sogar Abscheu und Hass sind Liebesersatz. Jede Form markanter Beachtung kann als Liebesersatz dienen.

Liebesersatz befriedigt indessen nicht wirklich. Bestenfalls bietet er nur zeitweilige Betäubung und ruft wie ein Rauschgift nach Steigerung. Ist Macht mein Liebesersatz, so brauche ich heute mehr davon als gestern. Das gleiche gilt für Geld, Hass, Mitleid und alle anderen Formen markanter  Beachtung, mit Ausnahme der Liebe.

Alle Menschen wollen das Gefühl haben “es macht etwas aus, dass ich lebe.” Deshalb halten wir alle Ausschau nach Bestätigungen und Zeichen, aus denen wir schließen können, dass “es etwas ausmacht, dass ich existiere.” Jede zugefügte Unbill, jeder Streit und jeder Krieg ist Ausfluss des Hungers nach Anerkennung der Tatsache, “dass ich etwas ausmache.” Jedes jemals begangene Verbrechen ist die Folge dieser Lebensnotwendigkeit. Der Verbrecher sagt sich im innersten Herzen, “ich mache etwas aus, und wenn mir diese Gewissheit nicht gütlich zuteil wird, so werde ich euch zeigen, dass man mit mir zu rechnen hat.” Selbst Völker hegen diesen gemeinsamen Gedanken: “Mit uns hat man zu rechnen. Und wenn eure Worte und Handlungen dies nicht zum Ausdruck bringen, so töten wir eure jungen Männer, wie wenn es auf sie nicht ankäme, und das wird euch veranlassen zu erkennen, dass man mit uns zu rechnen hat.”(1)

Dieses Bedürfnis nach Anerkennung der Tatsache, dass ich wichtig bin, ist nichts anderes als der Wunsch, geliebt zu werden. Wenn ich geliebt werde, so weiß ich, dass ich von Bedeutung bin, dass meine Existenz für den oder die Menschen, die mich lieben, wichtig ist. Ich brauche keinen anderen Beweis. Ich werde geliebt, das genügt.

Das sind nicht meine Worte, auch wenn sie mir aus der Seele sprechen. Es ist der Inhalt einer Schriftrolle, die von den Essenern in vorchristlicher Zeit aufgezeichnet und in einer Felsspalte am Toten Meer aufgefunden wurde. Ich möchte noch darauf hinweisen, das die Beschreibungen über die Essener bei Wikipedia sehr fehlerhaft und deshalb bestenfalls verwirrend sind. Nur ein Beispiel: Es handelte sich nicht um eine religiöse Sekte, genau genommen waren die Essener nichtmal religiös, und strenge Regeln gab es nicht. Das Wort ‘Glaubensgemeinschaft’ trifft es wohl am ehesten.

Copyright 1984, The Paul Solomon Foundation

  1. Ich möchte diesen Absatz komplett auf die jüngsten Ereignisse in Mumbai münzen. (back)
Thursday, August 21, 2008 by Ingo

(Kirchen-)Gott liebt alle

… nur Schwule natürlich nicht:

Wiesbadener Kurier · Schwulen-Segen kostet Bezirksdekan das Amt - Limburger Bischof greift nach Protesten durch

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat den Bezirksdekan von Wetzlar von seinem Amt abgelöst, weil dieser eine Segnungsfeier für ein homosexuelles Paar mit zelebriert hatte. Nach der Lehre der katholischen Kirche seien alle Gläubigen verpflichtet, gegen die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebenspartnerschaften Einspruch zu erheben, hieß es gestern in einer Mitteilung des Bistums. Eine Segnung solcher Partnerschaften durch katholische Seelsorger oder in katholischen Kirchen sei deshalb unmöglich. Sonst könne der falsche Eindruck entstehen, dass die Kirche homosexuelle Lebensgemeinschaften der Ehe gleichstelle.

Dreqspaque. Kirche sollte verbrannt und eingeäschert werden. Weltweit. Sofort. Nicht heute, gestern.