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getFrisky! Germany 2008

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MUSIKINDUSTRIE 3.0

Okay, damit nachvollziehbarer ist, wieso ich mich auf ein Neues veranlasst sehe, diesen Beitrag zu veröffentlichen, krame der geneigte Leser einmal in der Geschichte der Dinge, die mit mir (im Speziellen) zu tun haben. Selbiger nehme ein wenig Zeit mit, denn die ist nötig. Wer mich zum Ersten Mal kennenlernt, sollte dies vielleicht noch der Lektüre hinzufügen. Ansonsten ist meine englische Biografie auf diesen Seiten auch nicht ganz unhilfreich (die deutsche ist noch in der Mache).

Ich werde diesen Beitrag nach Themen oder Eckpunkten gliedern, ansonsten wird das alles zu vermischt und unübersichtlich. Die Überschriften der einzelnen Themen halte ich

GROSS, fett und zentriert.

Ich beginne mit dem, was einmal war, aber nur kurz, denn das Meiste davon kennen ja alle schon.

WAS WAR, ODER: MUSIKINDUSTRIE 1.0

Ja, was war denn eigentlich? Wieso ist Musikkultur bzw. -industrie denn so ein Thema? Pretty easy: Weil es uns alle angeht. Ich betone also nochmal (zum was-weiss-ich-wievielten Mal): Kultur ist das höchste Gut der Menschheit. Aus Kultur(schaffung) geht alles andere hervor, was dem Leben auf Erden eine freudige Grundlage liefert. Ohne Kultur keine Freude … den Faden kann man jetzt bis in den Himmel und zurück weiterspinnen.

Es war einmal eine Musikkultur, die ungefähr in der Mitte des 20-sten Jahrhunderts an großer Bedeutung - rein wirtschaftlich - gewann. Dort beginnt meine Betrachtung, und sie endet quasi leicht in der Zukunft. Zu Zeiten, als Rock’n'Roll noch gesetzlich verboten werden sollte, wurde er es dann doch nicht, weil? Na klar, aus dem selbem Grund wie es die CSU auch nicht geschafft hat, Anfang der Neunziger Techno zu verbieten: DAS WIRTSCHAFTLICHE INTERESSE! Damit war Geld zu verdienen, es wurde ein Bestandteil des Bruttosozial- und Inlandsproduktes. “Die nehmen doch alle nur Drogen …” hieß es zuerst. Später wurde dann leise gedacht “Na und? Scheiß drauf, sie machen Umsatz”.

Für diesen Beitrag bezeichne ich das Aufkeimen von Musik als revolutionäres Objekt (Rock’n'Roll) mal als Musikindustrie 1.0. Da fing Kommerzialisierung an. Für mich jetzt. Kommerzialisierung an sich muss nicht - der Zeit angemessen - das Übel schlechthin sein. Nicht gut ist es, wenn Dinge aus einem gesunden Gleichgewicht geraten, man nehme die Natur (auch hier) als Vorbild.

Elvis ist ein gutes Beispiel. Das war zuviel des “Guten”. Und es endete in einem Drama, wie immer, wenn Dinge aus dem Gleichgewicht geraten. Und irgendwelche Deppen wollen den Herrn Presley heute noch zurück haben. Sadisten. Es gibt eben immer Leute, die irgendwo in der Zeit hängen geblieben sind. Es ist 2007, und manche haben selbst den Siegeszug von Audiodateien wie MP3 verpasst. An die CD gewöhnen sie sich gerade, kurz vor derselbigen Tod.

Mit Figuren wie Elvis wird sogar heute noch viel Geld verdient, ganz zu schweigen von damals. Es gäbe noch ein paar andere aufzuzählen, wie z.B. die Beatles, Pink Floyd, Genesis, um nur mal einige der GANZ GROSSEN zu nennen, die Musikindustrie 1.0 geprägt haben, in ihren Anfängen. Nochmal: Ich gehe hier nicht bis Beethoven oder so zurück …

Bereits zu diesen Zeiten hat niemand danach gefragt, wie gesund diese künstliche Blase überhaupt ist, es wurde Geld gescheffelt, so das es kaum in Donald Ducks Geldspeicher gepasst hat. UNMENGEN an Kohle, wirklich GIGANTISCHE SUMMEN. Und zwar vollkommen an Verhältnismässigkeit vorbei. Wo viel Geld zu verdienen ist, sind auch sehr schnell “Manager” am Start, denn Geld muss ja gemanagt werden. Scheiss auf Musik, es geht um Geld. Kultur? Kunst? Nee, Geld. Und genau an dem Punkt setzte das große Debakel ein. Ich nenne es …

Ich bin 1973 geboren, da war gerade die fette Ölkrise und so … 1973, das bedeutete auch (in Sachen Kultur): Veröffentlichung von “Dark Side Of The Moon” (Pink Floyd), die Gründung von AC/DC, und “einfache Pornographie” wird für Erwachsene freigegeben, “Tubular Bells” von Mike Oldfield, Queen-Debut-Album, “Selling England By The Pound” von Genesis, und so weiter und so fort …

Ich bin mir sicher, das es nichts mit meiner Geburt zu tun hatte. :D

Ich konnte gerade laufen – oder so – da hat mein Bruder mich tagein, tagaus mit Barclay James Harvest, Saga, Nazareth, Janis Joplin, Genesis und diese ganzen 70-er-Vertreter beschallt. So fing ich an, Musik zu hören, zu begreifen und zu fühlen. Und zu lieben. Musik hatte eine unglaubliche Kraft, das merkte ich damals schon. Mein Bruder saß manchmal nachts auf dem Dach (!) unseres Hauses und spielte für sich alleine Gitarre. Das sprach für mich Bände, die man gar nicht zu lesen bekommt.

Stereo war schwer angesagt, Tonbänder out, Schallplatten in, eine Platte kostete zwischen 10 und 20 Mark. Eine gute Stereoanlage mit gutem Plattenspieler musste man schon haben, so als Musikfan.

Zum Vergleich: Einen MP3-Player bekommt man heute für 10 Euro, Musikdateien ab ca. 89 Cents (im L2 Music Store natürlich NOCH günstiger!). Und ab geht’s. Mehr als eine Internetleitung braucht man nicht mehr, und wahlweise nichtmal die Kohle für Musikdateien ausgeben, da tun’s auch Filesharing-Netzwerke.

Whatever, damit der Leser mal begreift, WANN und unter welchen Voraussetzungen der Ungesundprozeß abgelaufen ist, hier die AKTUELLE Liste der reichsten Musiker 2007, sortiert von STINKREICH nach NORMALREICH, von oben nach unten:

  1. Clive Calder
  2. Sir Paul McCartney
  3. Madonna
  4. Sir Elton John
  5. Sir Mick Jagger
  6. Keith Richards
  7. Sir Tom Jones
  8. Sting
  9. Roger Ames
  10. Sir Tim Rice
  11. Eric Clapton
  12. Ringo Starr
  13. Phil Collins
  14. Barry and Robin Gibb
  15. David Bowie
  16. Rod Stewart
  17. Ozzy and Sharon Osbourne
  18. Chris Wright
  19. Robbie Williams
  20. Charlie Watts
  21. David Gilmour
  22. Roger Waters
  23. Judy Craymer
  24. Brian May
  25. George Michael
  26. Ronnie Wood
  27. Jimmy Page
  28. Robert Plant
  29. Roger Taylor

Na? Fällt einem da was auf? Bis auf Robbie Williams ist das alles aus der Zeit von MI1.0 und MI2.0 (mehr dazu weiter unten)! Die oben erwähnten Kollegen – mal abgesehen davon, wie viele da “Sirs” geworden sind – wurden bereits in Zeiten von MI1.0 sowas von zugeschissen mit Kohle, das geht auf keine Kuhhaut. Bei MI2.0 wurde es noch schlimmer …

MUSIKINDUSTRIE 2.0

“Früher war alles besser”? Kaum eine Floskel passt weniger, wenn es um Kulturentwicklung geht. Die Bugs aus Version 1.0 wurden unbemerkt mit in die neue Version übernommen. Da sind wir nun, back in the 80’s and 90’s. Die Reise hat Ausmaße erreicht, die man oben in der Liste der Reichen nachhaltig nachvollziehen kann. UNGLAUBLICHE Unverhältnismässigkeit.

So schwer war es gar nicht, Pop/Rockstar zu werden. Zu Zeiten von MI2.0 brauchte man das gleiche Talent wie heute – in welche Richtung auch immer geartet, meistens reichte schon die Fähigkeit, zu “pleasen” – nur heute klappt das wirtschaftlich nicht mehr, weil die Blase längst geplatzt ist. Aber dazu später mehr, wenn es um MI3.0 geht.

Eine Menge psychisch Gestörte sind aus MI1.0 und MI2.0 hervorgegangen, sowohl auf Künstler- als auch auf Managerseite. Viele versanken im Drogenloch, andere können sie heute noch kaum ohne Paranoia über die Strasse bewegen. Keith Richards hat die Asche seines Vaters angeblich durch die Nase gezogen, die Manager nahmen vermutlich ausschließlich mit der weissen Version vorlieb. Aber auch heute noch. Zumindest daran hat sich rein gar nichts geändert.

In den 80-ern hat’s mal richtig fett gekracht in Sachen Kohlemacherei. Ressourcen wurden verbraten, als gäbe es kein Morgen mehr, der Geldhahn sprudelte fast wie von alleine. Reiche wurden reicher, und komischerweise: Wer nicht reich war, der wurde es irgendwie. Man brauchte nur für 3 Monate die Charts anführen und hatte für sein Leben ausgesorgt. Das haben aber wenige geschafft, Stichwort “Nase” …

Nase hin, Nase her, alles in Allem hat es doch gereicht, um den Ungesundprozess dennoch fort zu führen. Die 90-er waren nicht viel anders, bis es dann irgendwann – auf dem Zenit des Schwachsinns – NAPSTER gab. Napster allein hat schon in den ersten 2 Jahren ganz ganz vielen Nasen den Garaus gemacht.

Es konnte gar nicht anders gehen. Die Blase ist mit einem gewaltigen Knall geplatzt, nur keiner hat’s gemerkt!

MUSIKINDUSTRIE 3.0 (BETA) AKA. HEUTE

Wisst ihr, von wem ich damals den Tipp mit Napster bekam? Von einem befreundeten Motivationstrainer und Unternehmensberater, der mir lustig erzählte, wo er seine Musik her bekam. Das war 2000, und ich glaube, der kauft seine Musik heute noch nicht. An Geld kann es aber nicht liegen. Wir haben keinen Kontakt mehr.

Talente gab es damals wie heute, das hat sich nicht verändert. Nur jetzt kann wirklich jeder “Hans-Frantz” seine Kreativität am Computer umsetzen, technische Skills vorausgesetzt. Musik muss man nicht unbedingt können, wie ja 80% der erfolgreichen “Musiker” heute beweisen. Wie funktioniert eigentlich heute ein “Musiker”? Gibt es den noch so wie bei MI1.0 und MI2.0?

Nein, den gibt es nicht mehr. Um Erfolg zu haben, braucht man heute noch ganz andere Voraussetzungen, als ein bisschen Musikverständnis zu haben. Einige davon brauchte man auch damals schon, aber heute geht das WEIT über diese Dinge hinaus.

Freiheit in allen Ehren. Es sind viele auf den Revolutionszug aufgesprungen, zu viele. Es bildet sich eine ganz neue Blase. Jeder zweite ist heute Produzent, jeder vierte hat sein eigenes Label, jeder sechste einen eigenen Vertieb, und Musikexperte ist sowieso pauschal jeder.

Es ist oft auf vielen Seiten unerträglich. Als Produzent kennt man andere “Produzenten”, die z.B. ein paar Noten lesen können, tonnenweise Dance Tracks produzieren, damit bei Discogs.com angeben, arrogant sind wie Hulle, alle anderen nur anpinkeln, sich selbst für die Grössten seit Neandertal halten, aber nachts ins Kissen heulen, wenn man sie kritisiert. Und die Sorte kenne ich nicht nur als Produzent sondern vor Allem als Label Owner. Das Geheule aus der Ecke ist kaum zu ertragen. Hinterrücks bekommt man von genau diesen Arschlöchern eins bis zwölf Messer in den Rücken gehauen, direkt nachdem sie ihre Royalties von 70% eingesackt haben. Aber man hat ja nicht genug gute Promo gemacht, und da wäre doch viel mehr drin gewesen, und überhaupt … NUR INS GESICHT SAGEN SIE EINEM DAS NICHT. Sie bevorzugen Deppenforen wie das GU Board, in dem sich täglich die Obertrottel brüsten, und ziehen einen samt Label durch den Kakao. Das Witzige daran: Es hat überhaupt keine öffentliche Wirkung, es schadet einem nichtmal. So unwichtig, so schnelllebig ist 3.0.

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Kommen wir zur CD/DVD. Kann man machen, als Label. Kann man aber – wenn man genügend Weitblick hat – auch lassen. Nostalgische Gefühle verstehe ich zwar, hatte ich auch bisweilen, macht aber ÜBERHAUPT GAR KEINEN SINN MEHR. Eine CD kostet inklusive Artwork rund 1 € in der Herstellung. Das ist noch nicht das Problem. Finde mal einen zuverlässigen Vertrieb, der auch das tut, was er verspricht. Und selbst da habe ich Verständnis. Das ist keine Anklage, mehr ein “mit einem Augenzwinkern versehenen zur Kenntnis nehmen und ad acta legen”.

Ich schmeiße nicht Tausende von Euros in die Welt (die ich nicht übrig habe), um unbedingt meine CD bei Amazon zu sehen, aber 100 Jahre darauf zu warten, bis ein Euro zurückkommt. Dann freue ich mich lieber, wie ab und zu ein paar Euros durch MP3-Verkäufe zustande kommen. Die landen direkt bei mir, und ausserdem habe ich nichts investiert, abgesehen von meiner künstlerischen Tätigkeit und meiner Zeit.

Wie erfolgreich ich im digitalen Markt bin, hängt fast nur von mir ab, jedenfalls massgeblich. Mit ein bisschen Aufwand stelle ich heute die entsprechenden Kontakte her und bin in der Lage meine Musik weltweit zu vermarkten.

Keine Frage, das ganze MI3.0-Spiel kostet viel mehr Zeit, viel mehr Arbeit und wesentlich MEHR FÄHIGKEITEN, als nur Musik abzuliefern. Ich bekleide z.B. in dem Unternehmen “Ingo Vogelmann” sämtliche Positionen, die ein grosses Label zu vergeben hat. Vom Produzenten bis zum Artworker, vom Webdesigner bis zum Produktmanager bin ich alles, was ich benötige, um auch nur die Spur von Erfolg zu haben. Anders ist das nämlich nicht finanzier-/realisierbar.

Ich opfere 14 bis 16 Stunden am Tag dafür, an die Sonne zu kommen bzw. da mindestens zu bleiben. Ein bis zwei Tage die Woche produziere ich, effektiv. Das sagt alles, oder? Ich bin mehr Manager als alles andere. Woran liegt das, und wie ist das in Zukunft zu sehen?

Ich sag’s euch:

Wie alles, funktionieren Dinge nach dem Prinzip “Angebot/Nachfrage”. Konkretisiert bedeutet das in unserem Fall: Annäherung der Interessen. Was heißt das nun wieder?

Beispiel: Ich bin soweit. Ich lebe bereits in der MI3.0, jetzt muss sich der Konsument nur noch näher diesem auf zeitgemässe Art und Weise annähern. Das funktioniert nur durch den faktor Zeit. Die nächste Generation von Kulturkonsumenten wird soweit sein. Und bis dahin bin ich (und IHR!) Experte auf meinem Gebiet, MI3.0. Und dann wird es ZUM ALLERERSTEN MAL in der Kulturgeschichte einen GESUNDEN Ablauf von Kulturkonsum geben.

Alle werden damit glücklich sein und damit und davon leben können.

Soviel zu Happy Ends.

DAS FAZIT, ODER: FREEDOM1.0

Alles ist gut, alles ist richtig. Es gibt nichts zu beklagen, an sich. Das kommt nur auf den Blickwinkel an. Ich – jetzt mal für meinen Teil – bin dankbar dafür, das ich hart habe lernen müssen. Und ich bin noch dabei. Ein bisschen was davon kann ich weitergeben. Gerne.

Mein Rat an alle, die kreativ tätig sind: Seid ALLUMFASSEND kreativ, denkt in die Zukunft, habt Ideen und verfolgt diese mit Herz und vollkommen ohne Verstand. Springt nicht auf Züge auf sondern baut selbst neue und lasst andere mitfahren, ohne das sie hinterher rennen müssen.

Die Diven von gestern wird es nie wieder geben. Nur noch ein Miteinander, jeder ist so wichtig wie der Andere. Alles andere ist Blase, Nase, ungesund und führt zum Kollaps. Superstars sind bald Mythen, Künstler werden wie Bäcker, Schreiner oder Schuster sein, die man rein benötigt, um seinen Bedarf an Brötchen, Möbel, Schuhe bzw. Kultur zu decken.

Und so ist es auch richtig.

Mein Rat an alle, die selbst keine Kultur produzieren, aber davon partizipieren (wollen): Macht das, was ihr am besten könnt und der Gemeinschaft wirklich dienlich ist, aber hört mit dieser Heuchelei auf. Euch erwischt es am härtesten. Zu Recht. Ihr habt immer nur geklaut, gelogen und betrogen, nicht die bösen Konsumenten/Filesharer. Ihr habt alles Kreative aus Menschen gebrannt, was da je vorhanden war.

Jetzt ist MI3.0 angesagt, und es ist angeraten, zu lernen, sich darin zurecht zu finden, aber die Zukunft sieht noch anders aus: Welcome to the world of FREEDOM1.0. Das ist die Zukunft, und nichts Anderes. Und die wird rein gar nichts mehr mit Geld zu tun haben.

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1 comment »

  (Eigen-)Direktvertrieb statt Plattendeal | vogelmann wrote on June 7th, 2008 at 15:38



[...] Hab ich’s gesagt? Ja, hab ich. [...]

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