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Saturday, July 5, 2008 by Ingo

FrauLehmann hat mich interviewed

FrauLehmann (Gitte Lehmann) hat mich interviewed. Ich finde das Interview sehr gut.

Gitte Lehmann: Hallo Ingo. Ich freue mich über die Gelegenheit, ein Interview mit dir zu führen. Du bist Produzent, Komponist, DJ, Designer, Tontechniker, Labelinhaber und und und. Die Liste ist unendlich und nur du kannst sie vervollständigen. :) Doch angefangen Musik zu machen hast du in Bands als Schlagzeuger. Oder wie isset? :)

Ingo Vogelmann: Nicht ganz, aber man könnte das von außen so betrachten. Wahr ist, das ich mit 6 Jahren angefangen habe, Musik zu machen. Mein 10 Jahre älterer Bruder hat mich damals vom Schlagzeug begeistert, und von da an war es um mich geschehen. Ich bin meiner Mutter so lange auf den Sack gegangen, bis ich Unterricht nehmen durfte.

Gitte Lehmann: Und darauf hin hast du auch in Bands deine Künste zum Besten gegeben? Ich will mehr wissen…

Ingo Vogelmann: Das war erst viel später. Meine Skills habe ich bis zu meinem 16-ten Lebensjahr geschärft, bevor mich mein Musiklehrer in der Schule dazu aufforderte, die Schulband zu organisieren, sprich den Schlagzeuger zu mimen. Er wusste natürlich, das ich das konnte. Aus der Schulband ergab sich dann, das mein Sportlehrer, der Bassist war, mich fragte, ob ich nicht in seiner privaten Band spielen wolle, da der Schlagzeuger ausgefallen sei. Und so nahmen die Dinge ihren Lauf, ich wurde Schlagzeuger in einer Coverband, die bekannte Rock- und Metalsongs spielte. Hat Spaß gemacht.

Gitte Lehmann: Jetzt muss ich aber den Namen der Band wissen. ‘The Fantastic Fucker’ oder ‘Grandmas Rocker’ ward ihr bestimmt nicht. ;)

Ingo Vogelmann: Boah, ich weiss das nicht mehr, ehrlich.

Gitte Lehmann: Ja gut. Du bist ja auch schon etwas älter. Aber wie kam dann das Interesse, sich mit professionellen, elektronischen Studioproduktionen zu beschäftigen?

Ingo Vogelmann: Das Interesse erwuchs aus einer völlig unverhofften Begegnung mit einem Boss Drumcomputer, einem Dr. Rhythm, so hieß das Teil. In meinem Blog kann man diese erste Begegnung nachlesen, übrigens. Ich war völlig geflasht von den Möglichkeiten, in einem Sequenzer Drumnoten einzugeben, die der dann auch genau so abgespielt hat. Perfekt halt, wie ein Drummer mit 4 Armen und Beinen und perfektem Timing.

Gitte Lehmann: Hattest du zu dieser Zeit schon musikalische Vorbilder? Also jemanden, der in der Realität so spielt, als hätte er 4 Arme und Beine?

Ingo Vogelmann: Oh ja! Zu der Zeit fand ich Mark Brzcicki von Big Country supergeil, deren Sänger und Songwriter sich ja leider auf Hawaii selbst getötet hat. Da war ich sehr traurig, nur mal nebenbei. Aber der Größte von allen war bereits damals wie heute für mich Simon Phillips, den ich auch persönlich kennenlernen durfte, und zwar bei einem Drum Workshop in Bochum. Der spielt auch heute noch so, als hätte er 4 Arme und - übrigens - 8 Beine.

Gitte Lehmann:
Seit 1993 hast du dann angefangen in Clubs aufzulegen und so selbst Arme und Beine in die Hand genommen und es krachen lassen. Wie hast du diese Zeit erlebt? Besser: wie intensiv hast du alles wahrgenommen? Oder ist man als ‘Newcomer’ zu sehr mit dem Job beschäftigt, als dass man den Auftritt und das Drumherum genießen kann?

Ingo Vogelmann:
Schwere Frage. Das war sowas wie ein fließender Übergang vom Clubber zum DJ. Ich war begeistert von der Musik, und irgendwann ergab sich die Gelegenheit, selbst mal an Plattentellern zu stehen. Das Ineinandermixen von 2 Platten funktionierte ganz schnell, und ich fand meinen Spaß daran. Das Technische fiel mir schon immer leicht, weshalb ich schon immer - wie auch heute - viel Zeit mit der Trackauswahl und dem analysieren des Publikums verbracht habe. Ich mag es sehr, selbst ganz in die Stimmung einzutauchen.

Gitte Lehmann: Dir liegt also nichts am kommerziellen Auflegen? Sprich: spielen, Geld nehmen, abhauen? Du stellst dich also auf dein Publikum mit deinen Tracks ein?

Ingo Vogelmann: Ein Auftritt von mir ist insofern immer kommerziell, als daß ich Geld dafür verlange. Musikalisch betrachtet spiele ich nichts, was ich nicht geil finde, das geht gar nicht. Geld nehmen und abhauen ist sicher auch mal vorgekommen, aber nur, wenn der Veranstalter ein Arsch war und versucht hat, den DJ - also mich - zu verarschen. Das kommt leider oft vor, und DJ-Kollegen werden das bestätigen können. Natürlich stelle ich mich auf mein Publikum ein, dafür bezahlen die Leute, und sie können verlangen, das ich mein Bestes gebe.

Gitte Lehmann: Du arbeitest in der Künstlerbranche. Und die ist schnelllebig. Da sichert man sich doch durch Verträge ab (wie z.B. bei einem Auftritt) oder wie geht das bei musikalischen Auftritten von Statten?

Ingo Vogelmann: Ich habe sehr gut ausgearbeitete Verträge, aber letztlich ist das alles nur Papier, wenn du verstehst, was ich meine. Sicherheit gibt es nicht dadurch. Das ist eine Sache des Feelings. Wenn ich jemanden nicht mag oder ein schlechtes Gefühl bei einer Anfrage habe, dann mache ich das nicht, auch wenn der bereit wäre, meinen Vertrag zu unterzeichnen. Außerdem gibt es die Hälfte der Gage immer im Voraus, es sei denn, ich kenne jemanden persönlich gut und mag ihn.

Gitte Lehmann: Du kehrst also Leuten konsequent den Rücken, bei denen du dich nicht respektvoll, bezogen auf deine Musik und dein Können, behandelt fühlst?! War das auch der Grund, warum du Deutschland den Rücken gekehrt hast und nach Mallorca gezogen bist? Du hast dort eine ganze Zeit gelebt…

Ingo Vogelmann: Ja, denen kehre ich konsequent den Rücken, aber auch höflich. Das war aber nicht der Grund für mein Leben auf Mallorca. Auf Mallorca hatte ich ein verlockendes Jobangebot, was sich letztlich weniger erfüllend herausgestellt hat, als gedacht. Ich habe dann aber noch eine Weile dort verbracht und irgendwann die Nase voll gehabt. Mallorca ist nicht der Ort, an dem ich lange leben kann und möchte.

Gitte Lehmann: Aber es war der Ort, an dem du dein aller erstes Album produziert hast - ‘Deep Understanding’. Achtung, jetzt kommen gleich mehrere Fragen: wie kam der Übergang vom DJ zum Produzenten und wie war dieser? Und wie kam es zu dem Namen des Albums?

Ingo Vogelmann: Ja, ‘Deep Understanding’ ist dort in relativer Einsamkeit und einem empfundenen, tiefen Verstehen meines Selbst entstanden, eben durch die Einsamkeit. Ich war sehr intensiv mit mir selbst beschäftigt. Das war eine harte aber sehr gute Zeit. Klingt komisch, war aber so. Produziert habe ich schon 1994 professionell, wenn du so willst. Der Übergang war schlicht und einfach die immer intensivere Berührung mit Computern, die es auf einmal möglich machten, recht komfortabel zu sequenzen. Schlicht und einfach.
Zum Namen des Albums: anfangs hieß das Album nicht so sondern ‘Eight Open Letters To The World’ und bestand, logischerweise, aus 8 Tracks. Wegen einer Unstimmigkeit mit der EMI Music Publishing habe ich das Album umbenannt. Ich hatte einen sehr unglücklichen Verlagsdeal mit der EMI in Hamburg unterzeichnet.


Gitte Lehmann: Ich habe darüber in deiner Bio auf deiner Seite gelesen. Und du schriebst auch zuvor, dass du nach Malle gingst, weil du ein Jobangebot hattest, ‘was sich letztlich weniger erfüllend herausgestellt hat, als gedacht’. War das auch auf EMI Music bezogen?

Ingo Vogelmann: Nein, das der Vertrag mit der EMI Scheiße war, stellte sich für mich erst viel später heraus. Ich war damals ein Newbie. Mir musste das erst mein Anwalt, Chan-Jo Jun, sagen, dem ich bis heute für seine Arbeit sehr dankbar bin.

Gitte Lehmann: Bezogen auf deine Einsamkeit und deinem empfundenen, tiefen Verstehen deines Selbst und dein sehr intensives Beschäftigen mit dir selbst, finde ich den Titel des Albums sehr passend. :) Hat diese Zeit auch etwas damit zu tun, dass du dich aktiv für die Menschenrechte einsetzt, wie z.B. durch deine Mitgliedschaft bei Amnesty International? Überhaupt deine Aktivität FÜR Menschen finde ich stark.

Ingo Vogelmann: Das hat sicher etwas damit zu tun, ja. Aber nicht ausschließlich. Ich befand mich innerhalb der letzten - sagen wir - 5 Jahre insgesamt in einem Prozeß meiner Persönlichkeitsentwicklung, der mich immer mehr verstehen ließ, was in unserer Welt vor sich geht. Zumindest bilde ich mir das bis heute ein. Es ist mir heute sehr wichtig, für andere da zu sein. Mir geht es nämlich sehr gut, und ich verspüre den tiefen, inneren Wunsch, anderen zu helfen, denen es nicht so gut geht wie mir. Vielleicht auch, weil ich nicht immer der Netteste war.

Gitte Lehmann: So, wie warst du denn? Welcher Wandel liegt hier vor?

Ingo Vogelmann: Na, eben nicht immer der Netteste, wie gesagt. Ich glaube schon, daß ich mal ein großer Egoist war. Aus heutiger Sicht betrachtet fällt es mir aber schwer, das genau zu sagen. Ich habe da nicht mehr so die Erinnerung. Aber das ist auch heute völlig irrelevant, zumindest für mich. Leben ist ständiger Wandel, und den gestatte ich mir auch.

Gitte Lehmann: Da hast du vollkommen Recht. Du lebst hier und jetzt. Deinen, ich nenn es mal positiven Wandel, können wir alle miterleben. Zum Beispiel hast du 2007 offiziell eine Peacebiker Tour gestartet. In wie weit hat das mit deinem Bewusstsein zu tun und deinem inneren Wunsch für andere etwas zu tun?

Ingo Vogelmann: So schlecht war ich nun auch wieder nicht. Die Peacebiker Tour entsprang aus meiner Liebe zum Biken und der Liebe zu den Menschen, denen es beschissener geht als mir. Ich wollte das miteinander verbinden, was ja auch gelungen ist. Ich hätte mir mehr Erfolg gewünscht, aber das Ganze war recht kurzfristig geplant und ausserdem musste ich die Tour ja auch unterbrechen.

Gitte Lehmann: Das habe ich auf Amnesty in Bewegung und deinem Peacebiker Blog lesen können. Kannst du kurz den Grund resümieren, warum du einen Stop einlegen musstest und was die Tour letztendlich gebracht hat - sowohl für dich als auch für Mitmenschen?

Ingo Vogelmann: Die Tour musste ich abbrechen, weil ich ganz nahe an einer lebensgefährlichen Unterkühlung war. Ich hatte das in meiner Bundeswehrzeit einmal erlebt und eine Woche auf der Intensivstation verbracht. Da hatte ich ein zweites Mal keine Lust drauf. Das Wetter hatte mir einen gründlichen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Tour hat mir persönlich sehr viel gebracht, nämlich Klarheit über viele Dinge, die mein Privatleben betrafen und natürlich ein paar Hundert Euro für Menschen, die unwürdig behandelt oder gar gefoltert werden.

Gitte Lehmann: Da bin ich froh, dass du die Entscheidung getroffen hast und an dein Leben gedacht hast. Nun hat der immernoch lebendige Ingo Vogelmann ein Album namens ‘GOD‘ herausgebracht. War das vor der Tour oder danach?

Ingo Vogelmann: Neun Monate davor.

Gitte Lehmann: Zitat: ‘Das Konzept-Album „GOD“ ist Ingo Vogelmanns bisher komplexeste Veröffentlichung. „GOD“ ist die Verdichtung und die Essenz von Vogelmanns gesamten bisherigen Schaffens. 4 Stunden Musik geben ein monumentales Statement zu den Begriffen „Religion“ und „Glaube“ ab.’ Du hast dich also auch vor deiner Peacebiker Tour intensiv mit dir und den Dingen beschäftigt, denn dein Album spiegelt das ja ganz klar wider.

Ingo Vogelmann: Viele Menschen sehen das gar nicht so klar wie du.

Gitte Lehmann: Ich habe dein Album mehrfach gehört und höre es immer wieder gern. Die Vielfalt ist unglaublich, dennoch ist eine klare Linie an Klängen heraus zu kristallisieren, die deinen unverwechselbaren Stil ausmacht. Es ist teilweise anstrengend, denn es erzeugt in einem Stimmungen, die nicht immer positiv sind (so ist mein persönliches Empfinden). Du erzeugst beim Hörer mit deiner Musik etwas. War das die Absicht von ‘GOD‘?

Ingo Vogelmann: Erstmal Dank für die Anerkennung, jedenfalls deute ich das so. GOD hat, wenn überhaupt, die Absicht, Menschen wach und bewusst sehen zu lassen. Dazu gehört natürlich auch vermeintlich Negatives. Also habe ich zumindest bei dir mein Ziel wohl erreicht. Oder irre ich?

Gitte Lehmann: Ziel erreicht. Man kann, wenn man deine Musik versteht und zuhört, sich ein bisschen wie ein Gewinner im Mensch-Ärger-Dich-Nicht Spiel fühlen. Als hätte man etwas dazu gewonnen beim Hören. Meint: diese Friede-Freude-Eierkuchen Stimmung wie bei den Kastelruther Spatzen kommt nicht auf. Im Gegenteil, man beginnt teilweise unbewusst Assoziationen zu schaffen zwischen Musik und Leben. Braucht es als Produzent lange diese Feeling in Klänge umzusetzen?

Ingo Vogelmann: Na ja, der Job eines Produzenten ist ja eher technischer Natur, aber wenn du den Job des Komponisten ansprechen wolltest, dann kann ich nur sagen, das ich dazu nichts Konkretes sagen kann. Ich komponiere aus den Tiefen meines Selbst, oder so, und das fließt immer so, als würdest du bei dir zu Hause den Wasserhahn aufdrehen. Ich glaube, sehr zielgerichtetes Komponieren funktioniert nicht, jedenfalls nicht, wenn es um so etwas wie GOD geht. Die Idee zu GOD hatte ich lange vorher, aber die Musik selbst ist beim Komponieren und Auschecken von Soundcollagen entstanden, nicht eine Sekunde früher.

Gitte Lehmann: Ich meinte auch eher, dass du etwas produzierst, wobei du eigentlich komponierst. :) Gab es hier auch Vorbilder für das Album ‘GOD‘? Zum Beispiel bist du aktiv beim Mike Oldfield Blog dabei und auch sonst hast du es mit vielen Größen zu tun, unter anderem hast du schon einen Plausch mit Peter Gabriel gehalten. WOW!

Ingo Vogelmann: Nein, Vorbilder gab es schon allein aus dem Grund keine, weil bisher niemand vorher so etwas gemacht hat. Musikalisch zitiere ich in GOD sicher den einen oder anderen Musiker, was an meiner persönlichen Entwicklung als Musikliebhaber liegt. Zum Glück bin ich nur ein Teammitglied beim Mike Oldfield Blog, Oldfield selbst hat sich mir gegenüber eher enttäuschend verhalten. Dennoch achte und schätze ich ihn als Musiker sehr hoch. Mein Plausch mit Peter Gabriel war sehr geschäftlicher Natur, leider. Etwas mit ihm zusammen zu machen, wäre ein dickes Ding. Er zählt für mich zu den wenigen Leuten, die riesengrosse Leistungen abgeliefert haben. Mir ging auch schön der Stift, als ich ihn auf einmal am Telefon hatte.

Gitte Lehmann: Geht dir sonst nicht so der Stift?

Ingo Vogelmann: Nein, nicht mehr.

Gitte Lehmann: Das ist hoffentlich nicht verdauungstechnischer Natur - das wäre fatal. :) Momentan können wir dich ohne große Reise auf friskyRadio über das Internet hören. Du hast dort zwei Shows am Laufen: LIGHTWORKS und TIMEOUT. Gib mir mal bitte eine kleine Einführungslektion dazu…

Ingo Vogelmann: Sehr einfach. LIGHTWORKS ist eine achtstündige Show, in der ich selbst - nebst diverser Gast-DJs - Progressive House spiele. In TIME OUT spiele ich meistens eine Stunde Ambient und Chillout, die andere Stunde ein Gast. Manchmal spiele ich auch LIGHTWORKS acht oder TIME OUT zwei Stunden alleine. Zum Beispiel, wenn ich zu wenig Zeit hatte, um Gäste zu rekrutieren.

Gitte Lehmann: Du stellst deine Sets nach der Show zum kostenlosen Download auf L2 PODIO bereit. Leider sind auch andere an der ungefragten Veröffentlichung deiner Musik interessiert. Wie stehst du dazu? Und kann man sich davor schützen?

Ingo Vogelmann: Was meinst du genau?

Gitte Lehmann: Ich meine speziell, wenn ungefragt Klingeltöne aus deinen Tracks gebastelt werden oder die Sets einfach auf einer Homepage auftauchen und sich die Veröffentlicher mit Federn von friskyRadio schmücken oder eben auch mit deinen. Wie stehst du dazu?

Ingo Vogelmann: Ich will es mal so sagen: Ich besuche nicht eine Austellung eines Künstlers und nehme seine Bilder ungefragt mit. Für mich ist Kunst und Kultur das höchste Gut auf Erden, und ich finde, es sollte für jeden Menschen frei zugänglich sein. Aber bestehlen lassen möchte ich mich nicht. Ich biete immer die Möglichkeit, mich direkt zu fragen. Wer die nicht nutzt, hat zu wenig Respekt und riskiert Ärger mit mir.

Gitte Lehmann: Das mit dem Respekt hatten wir ja schon Anfangs, wo ich völlig einer Meinung mit dir bin. Kann man denn rechtlich etwas dagegen unternehmen? Ich habe da etwas von SAVEMUSIC gehört. Worum handelt es sich dabei?

Ingo Vogelmann: SAVEMUSIC schützt die Rechte von Musikschaffenden und Musikfans gleichermaßen. Die Kriminalisierung von Musikliebhabern geht nicht in Ordnung, das Bestehlen der Musikschaffenden ebenso wenig. Beide Seiten gehen immer noch zu wenig aufeinander zu. Aber es ist schon besser geworden, was ich auch unserer Arbeit mit SAVEMUSIC zuschreibe.

Gitte Lehmann: Es gibt da auch ein Prinzip, was die Band Marillion versucht hat. Eine neue Form von Kommuikation und gegenseitigem Respekt in Hinblick auf Musik zwischen Musiker und Hörer, wie du es eben angesprochen hast. Was kannst du mir dazu sagen und würde das auch in deinem Fall eine funktionierende Lösung darstellen?

Ingo Vogelmann: Du sprichst das Konzept an, CDs direkt vom Musiker an die Fans zu verkaufen. Marillion hat das super geschafft, in dem sie die Kosten für die Produktion des Albums von den fans haben vorfinanzieren lassen. Das funktioniert gut, wenn man eine derartig grosse Fangemeinde wie Marillion hat. Ich habe das auch probiert, hat nicht geklappt.

Gitte Lehmann: Schade eigentlich. Hier möchte ich an eine Frage ankknüpfen, die bestimmt viele interessiert: kugelt man den Namen Ingo Vogelmann bekommt man 34.700 Ergebnisse angezeigt. Dennoch gibt es Leute, die mit deinem Namen nichts anfangen können. warum sollten sie sich gerade deine Musik mal ohral (kommt von Ohr) einführen?

Ingo Vogelmann: Weil meine Musik ist wie ich bin. Und jeder ist wie ich. An einem gewissen Punkt sind wir alle gleich.

Gitte Lehmann: Am Bauchnabel oder wo?

Ingo Vogelmann: Nicht körperlich. Jeder Mensch ist auf der Suche nach Liebe und Anerkennung. Das ist der Motor für alles Handeln.

Gitte Lehmann: Dann würdest du die Liebe auch als eine der wichtigsten Erfahrungen und Bezüge bezeichnen, die du in deine Musik einbringst?

Ingo Vogelmann: Alles entsteht aus Liebe, also ja. Beziehungsweise aus dem Sehnen nach Liebe.

Gitte Lehmann: Welche Bekanntschaft, ob menschlicher Natur oder nicht, würdest du als eine der wichtigsten für dein Dasein als Musiker bennen?

Ingo Vogelmann: Meine Bekanntschaft mit Gott.

Gitte Lehmann: Wir wollen mal nicht zu viel verraten, was das Rezept deiner Musik betrifft. Schließlich ist das ein bisschen wie mit Coca Cola oder einem Zauberer, die geben auch nicht alles preis. ;) Ich bedanke mich sehr für dieses nette Gespräch und wünsche dir und allen Hörern weiterhin viel Spaß und ganz viel Freude an deiner Musik.

Ingo Vogelmann: Danke. :)

Ich beantworte in den Kommentaren gerne noch Fragen, die sich vielleicht bei dem einen oder anderen von euch aus dem Interview ergeben. Auf Gittes Seite ist das Interview natürlich ebenfalls zu lesen.

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15 comments »

  Thomas wrote on July 5th, 2008 at 19:45



Gute Fragen, interessante Antworten, tolles Interview :-)
Auch wenn ich das alles schon wußte ;-) ist insgesamt aber sehr gut auf den Punkt (Kern) gebracht.

  SuperSiggi wrote on July 6th, 2008 at 11:24



Sehr informatives und unterhaltsames Interview.

Vielen Dank an beide Beteiligten! :wink:

  Ingo wrote on July 6th, 2008 at 15:04



@Thomas: Das du das alles weißt, ist ja klar. ;)
@SuperSiggi: Du hast gestern was verpasst. Was, das kannst du heute Abend im PODIO hören. ;)

  FrauLehmann wrote on July 6th, 2008 at 22:13



Immer wieder gerne. (@alle Beteiligten des Interviws) :mrgreen:

Comment Tags: Ingo Vogelmann, Interview
  zuckerwürfel “Carlo” wrote on July 7th, 2008 at 16:05



Gibt es schon eine neue Idee zu einem Album, wie könnte es dann heißen und wann wird der Wasserhahn aufgedreht?

Dein Leben scheint aus einem permanenten Wandel zu bestehen, wie groß ist die Erfolgsquote deiner angestrebten Ziele? Du scheinst ein „Stehaufmännchen“ zu sein oder gehörst vielleicht zu den Menschen, denen alles zufällt?

Ich gehe davon aus, dass sich sehr wohl die meisten von uns ein Leben auf Mallorca vorstellen können, sogar davon träumen. Umso mehr verwundert es, dass DU dieser Insel nichts (mehr) abgewinnen kannst. Wirst du in Deutschland, sozusagen als guter Patriot bleiben oder gibt es ein Land in dem du lieber geboren worden wärst? Wo möchtest du alt (älter) werden?

GOD“ nah!………..beschäftigst du dich schon mal ernsthaft mit dem Tod, oder wie steht ein Ingo Vogelmann dazu, der lange Zeit damit zugebracht hat sich Klarheit über viele Dinge zu verschaffen?

Grüße an Euch
Carlo&*

PS. Ganz spannendes Interview :smile:

  Ingo wrote on July 7th, 2008 at 16:29



Lieber Carlo,

zu Frage 1: http://www.ingovogelmann.com/2008/03/09/new-vogelmann-album-2008-lovelish/

Der Wasserhahn tropft immer ein bißchen, es ist aber auch immer so, daß ich meistens zuviel auf einmal mache. ;-) Es wird, es wird …

Zu Frage 2: Ich habe eine erstaunliche hohe Erfolgsquote, gemessen an den Projekten, die mir so einfallen. Die Meßlatte ist nicht selten utopisch hoch. Ich gehöre überhaupt nicht zu den Leuten, denen was zufällt, bis auf mein Talent, was mir in die Wiege gefallen ist. Der Rest ist 100% harte Arbeit auf steinigen Wegen. Ich kann mich darüber aber nicht beklagen, ich bin eher sehr dankbar.

Mallorca ist eine völlig kaputte Insel. Dort gibt es 4 Sorten von Menschen:

1. Deutsche, die flüchten, sei es vor deutschen Behörden oder anderen unangenehmen Faktoren. Manche nennen sowas “gescheiterte Existenzen”.

2. Reiche Menschen, die auch sonstwo wie Gott in Frankreich leben würden.

3. Touristen, die auch gern im Urlaub Bratwurst essen.

4. Mallorquiner, die alle genannten Personen von 1 bis 3 geschickt ausnehmen, ohne das die das merken.

Darüber hinaus ist mir die Flora und Fauna auf Mallorca zu begrenzt. Im Sommer zu trocken und heiß, im Winter genau so ein graues Mistwetter wie hier. Keine Seen, keine Flüsse, keine Wälder, keine endlosen Felder … kurz: Nur Staub, Sand, Geröll und Meer. Letztes ist das beste an Mallorca. Gewöhnt man sich aber auch sehr schnell dran. Tierfeindlichkeit und wenig soziales Verhalten gegenüber Mensch und Leben im Allgemeinen setzen noch die Kirsche auf die Torte.

Ich werde sicher nicht in Deutschland bleiben. Wo ich geboren bin ist mir wirklich vollkommen wurscht. Alt (älter) werden möchte ich an einem Ort, an dem Menschen vorbehaltlos und sehr weitgehend liebevoll miteinander umgehen. Dann ist mir sogar fast Flora und Fauna nicht mehr so wichtig.

Mit dem Tod beschäftige ich mich nicht besonders. Ich akzeptiere ihn als Bestandteil meines Seins und heiße ihn als solchen - sozusagen - auch willkommen. Ich fürchte ihn nicht und gehe ihm nicht aus dem Weg, betrachte das mir geschenkte Leben aber durchaus als sehr wertvoll, weshalb ich es schütze. Wenn der Tod mich besucht, dann werde ich ihm die Tür öffnen und ihm eine Tasse Tee und was Gebackenes anbieten (ich backe sehr gutes Brot!). Danach kann er mich gerne mitnehmen, ich bin gespannt, was der liebe Gott sich für mich noch so ausgedacht hat. ;)
Ich bin davon überzeugt, daß Menschen nicht viel Wissen und Klarheit benötigen, bis auf eine Sache: Das Wissen über das Prinzip ‘LIEBE’. Wer das verstanden hat, der kann es leben und stark, glücklich und frei sein.

Was mich von einem Ort wegtreibt, ist Liebloses um mich herum. Das mag ich nicht lange aushalten. Vielleicht bin ich deshalb so gern im Casa Blanca. ;)

Comment Tags: Liebe
  zuckerwürfel “Carlo” wrote on July 7th, 2008 at 21:16



Danke lieber Ingo, für deine ausführliche Beantwortung.

http://alt.bibelwerk.de/bibel/
Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.
Korinther13,Vers13

Mein Konfirmationsspruch;-)). Auweia, ist das lange her………………

Lass dich nicht irreführen vom Gefühl der liebenden Masse, die Liebe obliegt und verdeckt das schwarze Lamm. Lichtschalter betätigen!!
…………ist von mir!!! :mrgreen: :lol:

Mir tun deine Erfahrungen unsäglich leid! Und schäme mich im Namen der Unwissenden!

  Ingo wrote on July 7th, 2008 at 21:28



“Leid ist zu nichts nutze, es erzeugt nichts als Leid.” (Jesus Christus)

Comment Tags: Leid
  SuperSiggi wrote on July 7th, 2008 at 22:11



@SuperSiggi: Du hast gestern was verpasst. Was, das kannst du heute Abend im PODIO hören. ;)

Wow, ich bin gerade bei Minute 108… Alter…. SEEEHR GEIL.
Musikalisch hast Du wieder mal recht gehabt, beim Rest…. wir zittern noch :oops:

Ich glaub wir brauchen noch was bis wir uns von Dir/euch “einführen” lassen!!! :shock: :lol: :lol:

PS: *sehr* nettes Gespräch, vielen Dank. :wink:

  Ingo wrote on July 7th, 2008 at 22:18



Die Zuckerwürfel können euch da gerne etwas unterstützen, würde ich denken … ;)

  zuckerwürfel “Carlo” wrote on July 7th, 2008 at 23:31



Die Menschen hatten vermutlich zu damaliger Zeit ein anderes Verständnis für “LEID”.
Hunger, Krankheiten uns unbekannte Ängste!
Das LEID in heutiger Zeit verbinde ich mit, DAS GÖNNEN KÖNNEN UND DEM VERWEHRT SEIN!!!

  FrauLehmann wrote on July 7th, 2008 at 23:42



@Zuckerwürfel Das war auch mein Konfirmationsspruch. Und auch mein Taufspruch. :shock:

@SuperSiggi LIVE war es echt der HAMMER! Unbeschreibliches Feeling rings herum. Die Füße mussten Einiges hergeben. ;-) Und sie tanzen innerlich immernoch. :grin:

  Ingo wrote on July 7th, 2008 at 23:47



Live ist immer 500% von ‘durch die Internetleitung hören’. Ich behaupte das mal so. :cool:

Comment Tags: Live
  zuckerwürfel “Carlo” wrote on July 8th, 2008 at 0:02



@SuperSiggi,
klar machen wir, Ehrensache!
Mach dir keinen Kopf über ungelegte Eier!!
Wir hören Ingo zu, wie er höchst professionell und konzentriert (Respekt dazu) sein geniales Ding rausschleudert!
Ich kann dir einen Platz in der ersten Reihe anbieten!! Da fällt mir ein/auf, die Akustik ist im Casa ausgesprochen gut für seine Musik!!!! Bleibt eben nur die Kohle!! Rechnet sich mit INGO!!!!!!!gutem Essen und Getränken bis zum Abwinken!

Noch mal auf die Akustik……ist schon gut Ingo, oder??? Kommt dem Zustand von Schweben nahe……

Wir nehmen dich/euch (muss ja, Pärchen du verstehst??!!) gerne an die Hand und sonst wird dich/euch keiner anfassen, versprochen!!
Ich denke aber nach einer Stunde „Vogelhouse“ bist du von ganz anderen Sinnen! Take care!!;-)).
Neee Quatsch, wir machen das schon! Unsere Referenz: 20x Casa davon 4x Vogelmann!!
Kannst uns auch gerne Details fragen! ca-mo@t-online.de
LG
Carlo

  Ingo wrote on July 8th, 2008 at 0:17



@SuperSiggi: Ein unschlagbares Angebot!

Comment Tags: unschlagbar

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