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Ein lieber Freund schrieb einmal vor einigen Jahren:
Hör ihr zu, deiner Angst; sie ist du. Rufe sie von dir aus und laß sie Platz nehmen und gib ihr deine Zeit; und selbst, wenn du nie ernstlich versucht hast zu verstehen, was ein anderer Mensch dir sagen möchte: versuch zu erfassen, was deine Angst dir sagen möchte. Laß dir Zeit dabei, und versuche nicht, allzuschnell zu verstehen.
Sie geht durch dich hindurch wie ein heißes, scharfes Messer durch weiche Butter. Durch alle deine Barrieren hindurch, unter Mißachtung aller deiner Abwehrmechanismen fokussiert sie auf genau den einen Punkt, den du nicht bannen konntest. Deine Welterklärung, deine Rechtfertigungen, deine Darstellungen - alles was du heranziehst, um vor dir selbst zu verschleiern und zu verbergen, daß da ein wunder Punkt ist - sind machtlos ihr gegenüber. Die Wunde blutet; und deine Angst sagt dir, daß die Wunde blutet.
photo credit: 96dotsperinch
Warum solltest du klüger sein, als ich es war. Auch meine Mauern standen, nach innen wie nach außen, und, glaub´ mir vielleicht, es waren wohlerprobte Mauern, die manchem Sturm standhielten. Doch gerade mit diesem Punkt - daß die Mauern standhielten - begann die Hölle. Ein sanftes Pochen, weg damit: Ein Anklopfen, weg damit. Ein leiser, noch ferner Trompetenschall, weg damit. Und Schritt und Schritt, immer stärker, und plötzlich ein Heer vor meinen Mauern, so schien es; tatsächlich natürlich ein Heer in meinen Mauern.
Und sie halten; doch das Heer wird stärker. Festkrallen. Schweißausbrüche. Innere und äußere Verkrümmung. Ich will nicht hören. Ich will nicht hören, verschwinde. Und irgendwann, zerberstend, steht die Angst vor mir: »ICH HABE DIR ETWAS ZU SAGEN, WURM.«
Und immer und immer wieder; zuviel für meinen Verstand, irgendwann müssen die Mauern doch stark genug sein.
Daß ich blute, durfte ich mir nie eingestehen.
Viele Jahre, in denen ich kurz und klein geschlagen wurde von dieser Angst; und langsam, ganz langsam brach die Kraft weg, diese Mauern aufrechtzuerhalten. Keine heldenhafte Einsicht, einfach nur Kraftlosigkeit. Und ich sagte zu dem Pochen: »Setz dich, ich höre dir zu. Ich nehme mir Zeit für dich.« Und die Angst sagte mit: »Ich möchte dir etwas sagen, Liebster.« Eine Viertelstunde, eine halbe Stunde, selten länger. Plötzlich: Fluten von Traurigkeit. Keine Angst, nur Traurigkeit. Oft Tränen.
Langsam, ganz langsam: Einverständnis. Und Erlösung. Und eine Bedrohung, die sich als beste - und tatsächlich als wirkliche Freundin und gute Beraterin erweist.
Und das Ende der Hölle.
Ich weiß, er legte keinen Wert darauf, jetzt genannt zu werden. ![]()











