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Vor einigen Wochen gab es eine Interviewanfrage von einem amerikanischen Online-Magazin. Wir haben das Interview (via Skype) geführt, aber gestern Abend erreichte mich die Nachricht, daß es unklar sei, ob das Interview veröffentlicht wird. Die Gründe hierfür erschließen sich mir nicht wirklich … wie dem auch sei, ich habe dann gefragt, ob ich das geführte Interview (ohne Namensnennung) wenigstens schon mal auf meiner Homepage veröffentlichen dürfe; dem wurde zugestimmt. Ob es nun veröffentlicht wird oder nicht weiß ich nicht. Das Folgende habe ich mal übersetzt:
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Ingo, danke, das du die Zeit für dieses Gespräch erübrigst. Wie lange bist du nun schon dabei?
Sehr gerne. Wobei?
Im Dance Music Business.
Puh, das ist schwer festzulegen. Wenn wir es daran festmachen, wie lange ich bereits Dance Music produziere, dann reden wir über ungefähr 16 Jahre. Ungefähr zum Selben Zeitpunkt, etwas danach, habe ich mit dem DJing angefangen. Das Eine ging irgendwie mit dem Anderen einher, ist ja - glaube ich - oft so.
Wie war das damals für dich? Soviel mir bekannt ist, hatte damals viel davon in Deutschland seine Wurzeln. Was hast du davon mitbekommen?
Ich war nie ein Hardcore-Clubber, wenn man das mal so sagen kann. Ich habe viel mitbekommen, aber lange nicht alles. Es gab in meinem Bekanntenkreis so einige, die nach Berlin und Frankfurt gefahren sind, um die Topläden zu besuchen, natürlich immer ne Menge Drogen im Gepäck, aber irgendwie ging mir das damals zu weit. Ich habe die lokalen Gegebenheiten genossen, und das war auch genug, jedenfalls für mich. Techno war damals eine gigantische Maschinerie, die auch gewaltige Marketingaspekte hatte. Jeder ist auf den Zug aufgesprungen, selbst wenn er überhaupt keine Ahnung von Musikproduktion hatte. Das hat sich bis heute nicht geändert, und ich glaube auch, das war immer so und wird immer so sein.
Ich habe mal gelesen, Techno käme der deutschen Marschmusik gleich. Was denkst du darüber?
Ich denke, das ist klischeehafter Blödsinn. Und selbst, wenn es so wäre, ich fände daran nichts, was ich irgendwie bewerten müsste. Ich muss jetzt aber dazu sagen, daß ich heute nicht der grösste Technofan bin. Ich mag es mehr progressiv und gefühlvoll. Techno erzeugt mir zu wenig harmonische Elemente, aber auch das ist im Prinzip wieder zu pauschal. Es gibt tolle Techno-Tracks, die ich übrigens auch spiele.
Wo siehst du Techno und Progressive House in der Zukunft?
Es ist ja kein Geheimnis, daß ich Techno immer für eine temporäre Erscheinung halte. Vor 2 Jahren fing der große Minimal-Hype an, und jetzt ist er wieder weg. Ähnlich sehe ich das mit Techno. Progressive bleibt dauerhaft. Das fing in den 70-ern mit Progressive Rock an und wird auch nicht mit Progressive House enden. Als Progressive House in Deutschland abebbte, erwachte er woanders zum Leben, in deinem Land zum Beispiel. Jetzt springen alle auf den Technozug auf, aber auch das wird sich bald wieder erledigt haben. Zum Glück. Mich nervt das.
Wieso?
Weil mir Hypes auf die Nerven gehen. Das hat meist wenig bis keine Substanz.
Wieso springt dann jeder auf den Zug, deiner Ansicht nach?
Weil man damit momentan einfacher Geld verdient als mit allem anderen. So einfach geht das.
Und dir ist das mit dem Geldverdienen egal?
Nein, Geldverdienen ist mir nicht egal, das wäre auch ganz schön bescheuert. Ich versuche immer, seit ich mich dazu entschieden habe, mit nichts anderem, als mit Musik Geld zu verdienen, das für mich richtige Gleichgewicht zwischen meinem Sound und dem Geldverdienen zu finden. Das ist nicht immer leicht, aber ich denke, ich habe einen für mich vertretbaren Weg gefunden. Ich brauche mich hinter keiner meiner Produktionen verstecken.
Was rätst du jungen Produzenten?
Mach einen ordentlichen Job! Nein, das war nur Spaß. Musik zu kreieren ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Ich kann nur wenig raten, außer: Finde deinen Sound und verfolge diesen Weg konsequent. Alles andere wird nicht klappen und macht auch keinen Sinn. Ich hatte das Glück - jedenfalls empfinde ich das heute noch so - Mentoren gehabt zu haben, die mich einerseits inspiriert und andererseits hier und da zurechtgebogen haben, mit aller empfundenen Härte, die mir auch nicht immer gepasst hat. Wenn man Musik macht, läuft man oft Gefahr, sich auf merkwürdige Pfade zu begeben. Wer jemanden findet, der einem als Außenstehender mal was Konstruktives sagt, der hat Glück. Leider gibt es wenige junge Leute, die bereit sind, sich wirklich was sagen zu lassen. Die haben meist die Weisheit mit Löffeln gefressen und leiden an chronischer Genialität.
Wie siehst du die Dance Music Industrie heute?
Ach, im Prinzip hat sich nichts geändert. Sie besteht immer noch zum Grössten Teil aus denjenigen, die im Studio sitzen und wirklich ackern, und denen, die ackern lassen.
Wie meinst du das?
Die Talentlosen kaufen sich die Talentierten, sie geben dafür ein paar Prozentpunkte ab, so geht das.
Du meinst, nicht jeder produziert selbst?
Das ist wohl kein Geheimnis. Ich würde sagen, zu mindestens 80% machen die das alle nicht selbst.
Gehört habe ich davon auch, aber nenne mal ein konkretes Beispiel, bitte.
Das werde ich sicher nicht tun. Wieso sollte ich? Ich mache meine Musik zu 100% selbst, was andere tun, ist mir egal.
Ärgert dich das nicht?
Das hat es mal, ja. Die Zeiten sind vorbei. Ich habe genug mit mir selbst zu tun.
Du hast zwei Radioshows jeden Monat plus Auftritte und Produktionsarbeit. Wie machst du das?
Keine Ahnung. Du hast jetzt aber auch nur die Spitze des Eisbergs genannt. Dazu gehört noch ein bißchen mehr. Die einzige Frage ist doch: Liebst du das, was du tust wirklich? Wenn das der Fall ist, geht alles. Würde ich es lieben, Goldhamster zu züchten, dann würde ich exzellente Ergebnisse erzielen, allein deshalb, weil ich es lieben würde. Das ist der ganze Trick an solchen Sachen.
Wie erklärst du dir den Erfolg deiner Radioshows?
Die Frage ist komisch. Wie bist du an deinen Job gekommen?
Na ja, es gibt Leute, die denken, ich kann was.
Siehst du? Frage beantwortet.
Wieviele Zuhörer hast du pro Show?
Das schwankt momentan zwischen 1.500 und 1.900 gleichzeitig. Ich arbeite an der 2.000.
Andere Radios kommen nicht über die 500 hinaus, wie kommt das?
Ich erwähnte das bereits: Die Liebe zur Sache. Faisal, der Macher von frisky Radio, liebt sein Baby, anders geht das nicht. Er arbeitet sehr viel, wie ein Verrückter. Ich mache dasselbe. So funktioniert das. Es gehört eben auch eine gewisse Konsequenz dazu, eine Standhaftigkeit, einer dahergelaufenen Kritik auch mal ganz cool zu trotzen, ohne sich aus dem Konzept bringen zu lassen. Faisal und ich sind uns da sehr ähnlich, wir beide ziehen Dinge einfach durch, von denen wir überzeugt sind. Hinzu kommt, daß er ein Talent dafür hat, genau solche Leute bei frisky Radio begrüßen zu können, die dort ihre Shows machen. Ich fühle mich da sehr zu Hause.
Wie sehr hilft dir deine Radiotätigkeit bei deiner Vermarktung?
Das muss man von zwei Seiten betrachten. Einerseits bekomme ich dadurch sehr viel Aufmerksamkeit, gar kein Zweifel. Andererseits zahlt sich das sehr selten in Geld aus.
Hast du deswegen bereits Bookings gehabt?
Ja.
Details?
Nein. Aber wenn du mal ein bißchen forschst, wirst du das herausfinden.
Ich frage dich ja jetzt.
Ich habe Gründe, wieso ich das nicht zu breit trete.
Welche sind das?
Ich mag meine Kollegen bei frisky Radio sehr, und ich möchte keine schlechten Gefühle erzeugen. Wir sind eine sehr harmonische Truppe, in der jeder den anderen sehr respektiert. Das ist eine Art von Wir-Gefühl, daß ich selten erlebt habe. Es gab noch nie Probleme. Neid wäre ein scharfes Schwert.
Ich verstehe. Glaubst du, bei anderen Sendern ist das anders?
Das weiß ich nicht. Bei anderen Radios bin ich immer nur Gast-DJ. Ich glaube, die machen alle einen recht vernünftigen Job, soweit ich das beurteilen kann. frisky Radio ist meine Homebase, und die kümmert mich wirklich.
Okay, was wird bei dir in 2008 noch alles so laufen?
Hehe, genau kann ich dir das auch nicht sagen. Ich glaube, ich habe mir das mit den Plänen ein wenig abgewöhnt, weil doch immer alles anders kommt, als ich es geplant habe. Ich sprudele immer nur so vor Ideen, aber oft fehlen mir die Möglichkeiten, alles umzusetzen. Meist liegt das an einem Mangel an Zeit. Ich weiß auch, daß ich da manchmal ein paar Leute enttäusche. Ich habe aber auch ein Privatleben, und manchmal erfordert das unvorhergesehene Aufmerksamkeit. Dann muss die Arbeit halt mal hinten angestellt werden.
Was passiert gerade so in deinem Privatleben?
Oh, mir geht es gut.
Hahaha … kannst du etwas konkreter werden?
Ich könnte, aber ich möchte nicht. Die Information, daß es mir gut geht, muss reichen. Ich würde dir jetzt auch verraten, wenn es mir Scheiße gehen würde. Im Übrigen berichte ich viel aus meinem Leben in meinem Blog, auch wenn es immer nur soviel ist, wie ich wirklich preisgeben möchte. Das läuft sehr bewusst ab. Mein Privatleben ist heilig. Ich kann dir soviel sagen: Ich habe eine wunderbare Familie und wunderbare Freunde. Kennst du Thomas D.?
Nein, wer ist das?
Ein deutscher Rapper. Ein Titel eines Albums heisst “Lektionen in Demut”. Ich erlebe das täglich, das ist sehr passend. Ich kann mich also nur wiederholen: Ich habe ein wunderbares Umfeld.
Gibt es in diesem Jahr ein neues Album von dir?
Natürlich, wie immer. Das geht gar nicht anders.
Wie wird das sein? Ich habe beim Hören deiner Alben festgestellt, daß du noch nie ein reines Dance-Album gemacht hast.
Das wäre mir - zumindest momentan - auch zu langweilig. Ich habe ein Klassikalbum in der Pipeline, etwas, was mich im Moment sehr reizt. Ich würde mal ziemlich sicher davon ausgehen, daß es die Realität treffen wird. Ich höre momentan auch sehr viel Klassik, ich finde das irgendwie geil.
Nenne mal einen Komponisten.
Also, grundsätzlich war Bach ein ganz großer, und Debussy. Momentan rausche ich aber auch durch viele andere.
Ich bin sehr gespannt, was da kommt. Ich danke dir für die Zeit und wünsche dir alles Gute und viel Erfolg für die Zukunft!
Danke. Das wünsche ich dir auch.










