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Monday, January 28, 2008 by Ingo

Chronische Ignoranz hilft nicht

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Ein Kommentar zu den Landtagswahlen 2008 in Hessen und Niedersachsen, und ein Ausblick in die Zukunft

Wie die Waschlappen persönlich präsentieren sich CDU-Vertreter nach der Megaschlappe in Hessen. Von “einer Hetzkampagne mit Wirkung gegen Roland Koch” ist die Rede, anstatt der Wirklichkeit gegenüber zu treten: Von mit dreckigem Gedankengut erfüllten Machthabern möchten Menschen weder in Deutschland noch sonstwo auf der Welt regiert werden. Herr Koch, das kommt davon, wenn man geistig und herzlich einfach zu begrenzt ist. Sie können nicht ein ganzes Bundesland für vollkommen blöde halten.

Lustig hingegen auch die Äußerungen der - zugebenerweise - geringfügigen Profiteure der FDP, und der hochgelobten SPD. Beide scheinen auswendig gelernt zu haben:

Mit der LINKEN geht gar nichts.

Das ist korrekt, mit der LINKEN geht tatsächlich gar nichts. Aber nicht, weil andere nichts mit der LINKEN zu tun haben wollen … nein, weil sie müssen. Klartext: Wer glaubt, er bekäme - egal in welchem Bundesland - noch den Hauch einer Mehrheit ohne DIE LINKE hin, der hat sich ganz böse geschnitten. Derzeit ist weder die CDU noch die SPD in Hessen, in welcher gewünschten Buntheit auch immer, mehrheitsfähig, es sei denn, man schluckt die bitter empfundene Pille, DIE LINKE. Okay, nimmt man die FDP tatsächlich beim Wort. Aber selbst der unionstreue FDP-Chef hilft der Union wenig weiter.

Da kann man sich noch so sehr in seiner chronischen Ignoranz ergießen, an der LINKEN kommt man einfach nicht mehr vorbei. Und es ist noch nicht 2009! Nach den Bundestagswahlen bekommt das Wort ‘Koalition’ ganz sicher eine ganz neue Bedeutung.

“Diese Alt-Kommunisten”

DIE LINKE hat soviel mit Alt-Kommunismus zu tun, wie Roland Koch mit Menschenliebe. Ich möchte, als Parteimitglied, der Ehrlichkeit Rechnung tragen, bevor ich weiter Dogmenzerstörung betreibe. Ja, es gibt Zusammenarbeiten zwischen der LINKEN und kommunistisch ausgerichteten Menschen.

Aber bitte: Zusammenarbeit findet hier auf einer entscheidenen Basis statt, nämlich dem berühmten ‘kleinsten gemeinsamem Nenner’! Etwas, was die ‘großen’ Parteien nicht können. In meinem Wahlkreis sagt man klar “sicher würden wir gern auf die eine oder andere Unterstützung verzichten können, aber hier hilft man uns in Punkten, die wir gemeinsam als förderungswürdig ansehen”. Für mich ist das zunächst mal völlig akzeptabel.

Was bei DER LINKEN wirklich passiert

… zumindest aus meiner bisherigen Erfahrung.

Wer einmal, wie ich jeden Mittwoch, im Wahlkreisbüro sitzt und dort seinen Beitrag leistet, der weiß, was Menschenschicksale sind. Vor Allem weiss er, was ARMUT ist, denn davon sieht man dann ganz unverblümt jede Menge. Ganz ehrlich: Bei manchen Menschen, die mir da begegnen, muss ich manchmal mit ganz viel Anlauf den Kloß herunterschlucken, der mir im Hals steckt, und ich musste auch schon einmal ganz unauffällig zur Toilette verschwinden, um mir ein Tränchen rauszudrücken.

Ein Wahlkreisbüro ist der absolut direkte Kontakt zu den Menschen. Im Falle meines Wahlkreisbüros reden wir hier von dem Dortmunder Norden, ein sehr ‘brisanter’ Bereich mit viel ‘Migrationshintergrund’, Arbeitslosigkeit, Hoffnungs- und Glücklosigkeit. Hartz IV steht als Thema im Vordergrund. In meinem Büro gibt es regelmässig das ‘Arbeitslosenfrühstück’, damit niemand hungern muss. Jeder wird herzlich, liebevoll und WÜRDIG behandelt. Bedürftige sind aus dem Herzen dankbar und helfen jederzeit sofort mit, wenn es um’s ‘Anpacken’ irgendwelcher Dinge geht. Um genau zu sein: Die Menschen sind froh, wenn sie zu etwas Nutze sind und wenigstens das Gefühl haben, anerkannt und gebraucht zu werden. Ich gebe dieses Gefühl sehr gerne, denn es entspricht meiner tiefsten Überzeugung, daß jeder Mensch gleich liebenswert ist.

Ich genieße die Freundschaften, die ich dort bisher schließen durfte, und ich genieße es auch, nur als ‘der Ingo’ gesehen zu werden, völlig egal, welches Leben ich sonst noch so lebe. Im Übrigen interessiert das da sowieso niemanden, es sei denn, es geht um Veranstaltungen, bei denen man jemanden für die Technik oder das musikalische Programm braucht. Auch meine Designerqualitäten sind für manche Projekte gern gesehen. :) Aber, um den Eindruck abzurunden: Ich bin dort der Ingo, der den Vogelmann wie einen Hut an der Garderobe abgibt. Und gleich eine Sekunde später kommt ein obdachloser Mitmensch auf mich zu, lächelt mich mit großem Funkeln in den Augen an und sagt laut: “INGO! Wie schön, daß du da bist!”

Wer so etwas noch nicht erlebt hat, der möge schlicht den Mund halten. In aller Deutlichkeit. Da kann Herr Koch noch so viele Drucksachen an Türklinken der Bürger hängen: Mit derart bedürftigen Menschen gibt der sich - und viele andere - nicht ab. Und deshalb hat er auch keine Ahnung davon. Und SO verliert man auch in Zukunft mehr und mehr Wahlen.

Hoffnung

Die Ergebnisse von heute sprechen eine deutliche Sprache, die wirklich großen Gewinner dieser Wahlen sind die Menschen, von denen ich gerade oben sprach. Und damit natürlich auch DIE LINKE. Aus dem Stand mal eben in die Parlamente eingezogen, daß darf man mal betonen. Und das können die Medien auch gerne bewusst versuchen zu unterdrücken. An der Wahrheit ändert das rein gar nichts: Wähler sind nicht völlig verblödet und wissen genau, wen sie zu wählen haben.

Ich arbeite weiter dafür, daß die Menschen mehr und mehr Funkeln in den Augen haben, daß es irgendwann ein bedingungsloses Grundeinkommen gibt, daß Menschen in Würde leben können, daß jeder einen freien Zugang zu Bildung hat, daß kriegerische Handlungen der Geschichte angehören und das jeder Mensch das erfährt, was sich jeder Mensch am allermeisten wünscht: Geachtet, anerkannt und geliebt zu werden, für das, was er ist.

Abschließend gratuliere ich den Kollegen in Hessen und Niedersachsen für ein grandioses Ergebnis! Hamburg will follow, wer möchte das noch bezweifeln?

Zum Schluß noch eine exzellente Rede aus dem Bundestag, über die ich - besonders am Anfang der Rede - laut lachen musste:

www.ingovogelmann.co…

Now playing on friskyRadio » Advanced Views - 04 December 2008 - Gandini&Liagre » Tune in!

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1 comment »

  luckyexplorer wrote on January 31st, 2008 at 17:29



Wenn man bedenkt, welch Potential noch in der 35-40 prozentigen Nichtwählerschaft vorhanden ist, wer geht denn nicht wählen, überwiegend alle, die einen Hals auf die verf….. Politiker haben, gebe zu, bei der letzten Landtagswahl auch nicht gewählt zu haben, da gab es noch kein passendes Kreuz für mich, nur das ganz große Kreuz, dieses Mal war und bin ich einer von den 5,1 % Prozent in Hessen, hurra :-)

Oskars Rede spricht mir aus der Seele.

Come on, talk!

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