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Saturday, November 10, 2007 by Ingo

Phantasietod

A little bit of advertising ...

Samstagmorgens beginnt auf nahezu allen TV-Sendern ab 6 Uhr der absolute Wahnsinn: Kinderprogramm! Allen voran natürlich die öffentlich-rechtlichen Sender, die mit dem Bildungsauftrag und den Gebühreneinzugsbeauftragten, ihr wisst schon …

ARD, 6:10: Jim Knopf

ZDF, 6:00: Heidi

RTL, 6:05: Casper

… und so weiter und so fort. Bis auf Casper habe ich das als Kind auch alles gesehen, aber niemals bereits morgens früh, und außerdem auf einem Schwarzweiß-Fernseher mit 3 Programmen.

Mein Kinderprogramm sah ganz anders aus. Am Wochenende wurde ich irgendwann wach, bin in die Hosen gesprungen, raus auf die Straße, in den Wald oder aufs Feld, wo Milliarden von anderen Kindern darauf warteten, geärgert zu werden. Kämpfe austragen, Hütten bauen, Birnen klauen, beim Bauern im Stall herumlungern, Feuerchen machen, Cowboy & Indianer … das ganze Naturprogramm. Hunde liefen in meiner Kindheit noch überall ohne Leinen frei herum. Wenn ich Hunger hatte, bin ich nach Hause gegangen. Wenn es irgendwo was zum Essen gab, bin ich auch schon mal den ganzen Tag weggeblieben und erst Abends (wenn die Laternen angingen) wieder nach Hause gegangen (und hab mir dann einen schönen Anschiß eingefangen). Ein Standardspruch meiner Mutter war:

Deine Klamotten kann man vor Dreck in die Ecke stellen, und dich gleich mit.

Das war aber alles total egal. Vollkommen erledigt von der frischen Luft, den ganzen Aktivitäten, den Kämpfen, dem Herumlungern, Blödsinn machen, rennen, klettern, und entweder dreckig oder nass bis in die letzte Pore. Manchmal auch mit Verletzungen, die meist für Mama schlimmer aussahen, als sie waren. Eine Schürfwunde jagte die nächste, Platzwunden, Beulen und Schnitte gaben sich die Klinke in die Hand. Einige Narben aus der Zeit sieht man heute noch. :)

Wir waren Helden, Abenteurer, verwegene Bürschchen (wer ein Messer hatte, war sowieso der König), die Grössten überhaupt, glücklich, frei und voller eigener Phantasien. Fernsehen gab es nur am Rande, abends, wenn man dann sowieso bei Mama auf der Couch vollkommen fertig eingeschlafen ist. Dann hat man in Träumen nochmal alle Situationen durchgespielt, die man real erlebt hatte, diesmal konnte man aber fliegen, hatte Superkräfte oder war unverletzbar.

Ich hatte, was diese Dinge angeht, eine wunderbare Kindheit. Unbeschwert, frei von vielen schlechten Dingen, ständig den nächsten Blödsinn im Kopf, bei dem man sich nichts Böses gedacht hat. Alles, was offiziell verboten war, bot den grössten Reiz, es zu tun. Die Welt war einfach in Ordnung, ein einziger riesengrosser Spielplatz, der nur dazu da war, entdeckt zu werden.

Zurück zu heute: Sicher, Eltern wollen etwas länger schlafen, besonders am Wochenende. Jetzt gibt es 3 (oder 4) Möglichkeiten:

  1. Kinder zum Länger schlafen erziehen. Nicht gut für Kindergarten und Schule.
  2. Kinder morgens stundelang vor die Verblödungsmaschine setzen. Garantiert Ruhe, dafür verblödete Kinder.
  3. Früh aufstehen und sich mit den Kindern beschäftigen, spielen und so weiter. Eine gute Wahl.
  4. So lange prügeln, bis sie morgens nicht mehr rumnerven.
  • Möglichkeit 1 finde ich am besten, mit Repressionsorganen (wie Schule & Co.) war ich noch nie befreundet. Ich selbst bin jeden ekelhaften Morgen zu spät zur Schule erschienen, wie könnte ich da anderes von meinen Kindern verlangen?
  • Möglichkeit 2 geht gar nicht, darüber braucht man mit mir nicht diskutieren.
  • Möglichkeit 3 ist sehr gut, bis auf den Nachteil: Gut für die Kinder, aber sehr unbequem für die Eltern. Sollen ja alle was von haben.
  • Möglichkeit 4 brauchen wir nicht weiter zu besprechen.

Fazit: Für wen Möglichkeit 1 nicht in Frage kommt, sollte auf jeden Fall Nr. 3 in Betracht ziehen. Ich lege Nr. 1 trotzdem nahe. :) Ich finde, Kinder sollten bis auf wenige Ausnahmen ausschließlich mit Erwachsenen/Eltern zusammen fern sehen bzw. das Programmgeschenen muss ständig in beobachtbarer Nähe sein. Kommt da irgendein Müll, sofort aus-/umschalten. Kinder glauben jede Scheiße, die im Fernsehen läuft.

Zum Glück ist meine Tochter bereits jetzt ganz der Papa, zumindest in einem wichtigen Punkt: Sie schläft morgens gern länger und dreht auch nicht sofort auf. Ausserdem mag sie sehr gerne Musik. Sobald Beats ertönen, geht’s ab: Mitsingen, tanzen, Headbanging, Arme rudern, Beine wackeln usw. …

Ich habe noch nie davon gehört, daß Musik irgendeinem Menschen, egal welchen Alters, nicht gut tut. Na ja … wenn ich meine Bambusflöte in der Hand habe, fängt sie an zu heulen. Keine Ahnung warum. :| Aber sie hämmert leidenschaftlich gern auf der Keyboardtastatur rum (also mit Sound dahinter). :D

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