Oder: Wie man sich keine Freunde macht
Thema: Remixe. Ich krieg echt Schnappatmung …
Wenn ich remixe, dann baue ich nicht selten 500% an Eigenkomposition auf meist dürftige Vorlagen, sorry. Ich habe manchmal das Gefühl (nicht immer!), irgendwelche dahergelaufenen Schlafzimmerproduzenten, die obendrein überhaupt keinen Schimmer von Harmonielehre oder gar Musikproduktion haben, frickeln da von vorne bis hinten nur fertige Samples zusammen, die sie nichtmal gekauft haben sondern irgendwo “her haben”. WIE WÄRE ES MAL MIT EIN BISSCHEN EIGENKOMPOSITION?
Ich darf - ohne überheblich zu sein - behaupten, daß meine Remixe stets sehr viel MEHR Arbeit bedeuten als die Originalkünstler je hatten. Wenn ich remixe, dann werte ich einen Release deutlich auf. Soviel Realismus muss jetzt mal sein. Ich rege mich nämlich gerade ziemlich ÜBER DIE FAULHEIT und die ABSTAUBERHALTUNG von semiprofessionellen Vollpfosten auf, die gerade versuchen, MEINE MUSIK zu remixen. Bei dem Versuch bleibt es oft.
Ich verbringe mehr Zeit damit, die Remix Parts vorzubereiten, als solche Leute mit dem Remix daran verbringen! Da stimmt doch was nicht, Freunde!
Ich finde, allein der Respekt untereinander gebietet es allein schon, sich für einen Remix wirklich Mühe zu geben. Wenn ich dann von angeblichen Profis einen Remix meiner Nummer höre, der so klingt, als habe man ihn in einer Stunde “mal eben” zusammengehauen, dann könnte ich ins Essen brechen, aber in sämtlichen Regenbogenfarben. Was soll so ein Scheiß?? Ich würde mich in Grund und Boden schämen, so eine AUSGESPROCHENE SCHEISSE abzuliefern. Ich frage mich, womit ich meine Zeit aus dem Fenster werfe. Ich habe langsam keine Lust mehr, immer nur Zugpferd für die anderen zu sein. Das ist Trittbrettfahrerei, ganz klar.
In Zukunft remixe ich NUR NOCH ausgesprochen GUTE Originale, und für meine eigenen Nummern akzeptiere ich nur Remixe, die richtig Arbeit waren und auch danach klingen. Ich kann diese zusammengehauenen Kackdinger nicht mehr hören. Und ausserdem fühle ich mich beleidigt durch so einen respektlosen Dreck. Nicht EINE EINZIGE verkackte Melodie wird da selbst dazugebaut!! Nehmen meine Samples her und fügen sie nur in anderer Anordnung wieder zusammen. DAS KANN JEDER, der einen Computer und zwei Ohren hat!! Da reicht sogar EIN OHR! Oder gar keins, das geht sogar rein visuell …
Nicht zu vergessen: Was das Geschäftliche angeht, bin ich ein äusserst fairer Remixer, der keine überzogenen Honorarvorstellungen oder Ähnliches hat. Wenn ich also dann schon bereit bin, meine Zeit zu investieren, wieso bekomme ich dann Originale vorgesetzt, die meine Oma im Grab besser hinkriegt? Ich gebe mir für jeden Remix immer dieselbe Mühe, egal, wer der Originalkünstler ist. Aber wenn ich dann sehe, das so ein Künstler es nichtmal auf die Reihe bekommt, sich eine ANSEHNLICHE Homepage zu basteln, dann hört’s echt auf. Ich bekomme dann hier Emails, nachdem mein Remix raus ist, á la:
Sag mal Ingo, für wen hast du denn da geremixt?
Wieso muss ich dann immer alles aus dem Feuer reißen und sowas sagen wie “… ja ja, ich weiss, aber die Menschen entwickeln sich halt noch …”?
Jeder beschissene Online-Homepage-Baukasten bekommt da was halbwegs Anständiges hin, Freunde. Die Menschheit mit irgendwelchen beschissenen MySpace-Seiten zu penetrieren, ist eine REINE Zumutung. Jeder kennt in seinem Bekanntenkreis irgendwen, der halbwegs in der Lage ist, eine anständige Homepage zu basteln, da gibt es einfach keine Entschuldigung für. Ich kann doch nicht erwarten, weit zu kommen, wenn mein Onlineauftritt aussieht, wie der eines Taubenzüchtervereins aus Castrop-Rauxel! Damit das mal klar ist: So geht’s nicht weiter. Ihr wollt anerkannt werden und Erfolg haben? Gut, dann verhaltet euch auch so.
Ich sehe keinen Grund, weshalb ich da weiterhin gute Mine machen sollte. Ich haue niemandem ein Messer in den Rücken und grinse ihm ins Gesicht, ich sage nur klar, was mich nervt, in der Hoffnung ein paar Leute merken mal was. Wer jetzt beleidigt ist, der muss damit leben. Vermutlich ist das der richtige Zeitpunkt, mal - meine Fäkalsprache ausgeklammert - über sein Handeln und Schaffen nachzudenken. In Qualitätsfragen bin ich kompromisslos, und ich finde, das sollte jeder Profi sein. Eins kann ich ohne Übertreibung behaupten: Wer mir was in die Hände legt, bekommt Qualität zurück. So ist das, und nicht anders. Also darf ich auch mal die Klappe aufreißen.
Jetzt kommt sicher irgendwie sowas wie: “Wieso nimmst du den Scheiß denn dann erst an?” Kann ich euch sagen, aus zwei Gründen:
- Weil ich manchmal das Original nichtmal mehr höre oder die Künstlerhomepage nicht besuche. Ich hör mir die Remixsamples an und schaue, ob mir dazu was einfällt.
- Weil ich gerne andere unterstütze. Ich frage mich nur, wann mich mal jemand remixt, der meine Nummer aufwertet?!?!?!
Wer selbst nur Hirse abliefert, der darf sich nicht über die Musiklandschaft beschweren. Meine gut- und ernst gemeinte Bitte: Schult euch mal etwas in Sachen Musiktheorie und nehmt euch für einen Track mal 4 Wochen Zeit. Das ist nicht zuviel verlangt. Es gibt Tracks an denen ich 5 Monate gearbeitet habe. Und so klingen die auch: Ausgereift bis ins Detail.
Anmerkung: Am wenigsten verstehe ich Label Honchos, die sowas auch noch signen.
So, Mr. Arrogant himself hat gesprochen. Im Prinzip meine ich das alles gut, liebe Freunde, das sollte man nicht vergessen, wenn man sich jetzt hier angepinkelt fühlt.
Und jetzt könnt ihr euch aufregen. Ich bin gespannt. Ich mach mir jetzt einen Kaffee …







