Meine Familie und meine Freunde wissen es. Ich selbst halte solche Dinge normalerweise aus der Öffentlichkeit heraus. Der Grund, warum ich selbiger Öffentlichkeit heute einen kleinen, sehr vorsichtigen Einblick in etwas gebe, was da eigentlich nicht hingehört, ist die öffentliche Steinigung von Alec Baldwin, und zwar ohne Rücksicht auf seine Tochter, aber auch ihn selbst. Ich finde das skrupellos, selbst wenn DAS Amerika ist und man nichts besseres gewohnt sein sollte.
Zum Verständnis: Alec Baldwin und Kim Basinger haben sich scheiden lassen und streiten seitdem ums Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Ireland. Es gab ein Telefonat bzw. eine Nachricht auf Irelands Mailbox von Alec, in der er sehr ärgerlich ist und seine Tochter beschimpft. Diese Message ist (komischerweise!) irgendwie an die Öffentlichkeit gelangt. Man kann sie überall im Netz anhören. Ich poste KEINE Links, an so einer Sauerei will ich keinen Anteil haben, und damit meine ich nicht die Message sondern die Verbreitung von Links dahin. Das geht nämlich eigentlich niemanden etwas an, außer Alec Baldwin und seine Tochter.
Baldwin hat eine Website ( www.alecbaldwin.com ), auf der er nun etwas zu diesem ganzen Terror gesagt hat. Ich versuche nun, dieses Statement zu übersetzen:
Ich danke jedem, der mir Nachrichten der Unterstützung und des Verständnisses gesandt hat. Natürlich ist das für ein Elternteil nicht gut, die Geduld mit seinem Kind zu verlieren. Jeder, der mich privat kennt, weiß, dass ich viel im Laufe der vielen letzten Jahre mit dem Sorgerechtsprozeß durchgemacht habe. Jeder, der mich privat kennt, weiß, dass bestimmte Leute stets alle Register ziehen werden, um meine Beziehung zu meiner Tochter zu stören.
In solch öffentlichen Fällen versuchen diese Leute, ein Bild von mir an meinem schlechtesten Tag herzunehmen und darauf zu bestehen, dass das die Person ist, die ich immer bin. Außerhalb der Türen des Scheidungsgerichts habe ich Freunde, ich habe Rücksicht von Leuten, mit denen ich arbeite, und ich habe eine normale Beziehung mit meiner Tochter. Alles davon wird bedroht, wann auch immer man in einen Gerichtssaal geht.
Obwohl mir von zahlreichen Leuten gesagt worden ist, mich nicht zu viel zu sorgen, weil alle Eltern mal ihre Geduld mit ihren Kindern verlieren, bin ich am meisten betrübt, dass das in den Medien veröffentlicht wurde, und vor Allem, was es einem Kind antut. Es tut mir leid - dass weiß jeder, der mich kennt - das ich meine Geduld mit meinem Kind zu verloren habe. Ich bin durch die elterliche Entfremdung viele Jahre lang bis zum Rand getrieben worden. Sie müssen das durchleben, um zu verstehen. (Obwohl ich hoffe, dass Sie das nie tun.) Es tut mir leid was geschah. Aber ich bedauere ebenso, dass ein Gerichtsbeschluss verletzt wurde; ein Thema, das eigentlich keines mehr war.
Sobald mein Buch veröffentlicht wird, bin ich sicher, dass mehr Menschen die unglaublichen, durch die elterliche Entfremdung geschaffenen Beanspruchungen verstehen werden. Es tut mir auch leid, wenn ich mit dieser Episode irgendjemanden verletzt habe.
Ich möchte weder den Inhalt der Kommunikation zwischen Alec und seiner Tochter noch die Familienverhältnisse der Baldwins beurteilen. Denn das steht mir schlicht nicht zu. Ich kann aber von mir sprechen, denn da bin ich ausnahmsweise (nahezu) der Einzige, der ein Recht dazu hat, ganz sicher der Einzige, wenn es um mein eigenes Inneres geht.
Abgesehen davon, das ich selbst mit Eltern aufgewachsen bin, die die meiste Zeit meines Lebens NICHT zusammen waren (sich aber nicht um mich gestritten haben), habe ich einen 10-jährigen Sohn, mit dem sich eine (vielleicht) ähnliche Situation abzeichnet, wie bei den Baldwins. Ich habe Verständnis für Alec Baldwins Ausführungen. Sorgerechtsstreitigkeiten sind der pure Terror. Mein Sohn lebt bei mir, es besteht aber gemeinsames Sorgerecht. Es wurde auch versucht, mir meinen Teil des Sorgerechts streitig zu machen, was nicht funktioniert hat. Manchmal, wenn auch zu selten, hat die Wahrheit doch mehr Gewicht. Erschreckend ist für mich die Aussage Baldwins “Jeder, der mich privat kennt, weiß, dass bestimmte Leute stets alle Register ziehen werden, um meine Beziehung zu meiner Tochter zu stören.” So traurig das ist: Ich kann das nur bestätigen, aus meiner eigenen Erfahrung. Da, wo Erwachsene ihre eigenen Interessen haben, vergessen sie diejenigen eines Kindes. Es geht nur darum: Wie stehe ich da?
Ganz haarig wird das besonders, wenn der eine Elternteil das Kind vor den “Verfehlungen” (um es mal ganz vorsichtig auszudrücken) schützen möchte. Da bewegt man sich (als der schützende Part) AUF GANZ DÜNNEM EIS, wenn man diese Verfehlungen nicht ganz stichhaltig nachweisen kann. Und das ist oft gar nicht so einfach, besonders dann nicht, wenn der Part mit den Verfehlungen sich chamäleonartig durchs Leben bewegt und die Art und Weise, Dinge in ein entsprechendes Licht zu rücken, nahezu (krankhaft) perfektioniert hat. Das bezieht sich natürlich nicht nur auf die Kindessituation. Ich merke hierzu an, das dieser Absatz NICHT auf das bezogen sein MUSS, was bei mir passiert … na ja, die Gedanken sind frei …
Sofern ich das richtig verstanden habe, ist Baldwin seiner Tochter (12) gegenüber ausgeflippt, weil er sich von ihr verraten gefühlt hat. Der Mutter gegenüber. Das sind haargenau die Dinge, die in solchen Geschichten vorkommen! Ich würde einerseits so weit gehen, zu sagen, das ich dieses Gefühl kenne, aber auch, das man schnell paranoid werden kann. Hinter allem und jedem vermutet man schnell die Verschwörung gegen einen selbst. Aber wenn sich eine gewisse “Zerstörungswut” an Beteiligten erkennen lässt, die über viele Jahre hinweg eine Systematik erkennen lassen, dann möchte ich Paranoia mal ausschließen. Dieses Thema gehört hier jetzt aber nicht hin. Ich überlasse auch hier jedem selbst seine Gedanken.
Mein Sohn lebt nunmehr seit 2 Jahren bei mir. In der Zeit wurde einmal (erfolglos) versucht, mir das Sorgerecht wieder abzunehmen. Ich will auf die Details hier nicht eingehen, aber deutlich sagen, was für eine ekelhafte Scheiße das ist, für solche Dinge einen Jungen vor Gericht erscheinen zu lassen. Davon hat niemand eine Vorstellung, der es nicht erlebt hat, in dem Punkt muss ich Alec Baldwin einfach zustimmen. Ein Gericht ist kein Ort des Vergnügens, und solche Anlässe tragen schon gar nicht zu Vergnügen bei.
Ich danke Gott für jede Sekunde, die mein Sohn mit mir verbringen kann, selbst wenn Vieles ganz schwer, kompliziert, oft ausweglos, zermürbend und schlicht hässlich erscheint. Ich versuche, meinem Sohn zu zeigen, das ich ein Mensch mit Fehlern bin. Er selbst möchte mich oft viel lieber als Helden sehen, ich verstehe das. Ich hatte auch immer meinen Helden als Kind, jemanden, an dem ich mich orientieren konnte, jemand der so stark war, wie ich es gerne werden wollte.
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Ich bin nicht immer fair meinem Sohn gegenüber, besonders nicht in den Momenten, in denen die Geier über uns kreisen und ich das irgendwie - mal gut, mal schlecht - zu kompensieren versuche. Eigentlich bin ich dann nicht immer fair zu allen, die dann um mich herum sind. Mein Nervenkostüm ist dann - nach den endlos erscheinenden Jahren des Gezerres - einfach im Arsch, um es mal auf den einfachen Punkt zu bringen. Ihr kennt diese Momente vielleicht selbst, in denen euch jeder einfach am Arsch lecken kann. Jeder. Die Welt kann 5 Minuten später anders aussehen, aber in dem Moment halt nicht. Herr Baldwin hatte solche 5 Minuten sicher in dem Moment, als er seine Tochter so angefahren hat. Und das war ganz sicher keine Glanzleistung, ebenso, wie ich nicht glänze, wenn ich einen schlechten Tag habe und alle zusammenscheiße oder sogar gar nicht spreche. Aber bitte, meine lieben Mitmenschen: Was ist das für eine Welt, in der jemand in aller Öffentlichkeit dafür zertreten wird, das er sauer auf seine Tochter war und ihr das unverblümt mitgeteilt hat? Mit welchen Recht geht jemand daher und mischt sich da überhaupt ein? Ich persönlich finde das ungeheuerlich, lieblos und beschämend.
Es gibt viele Verhaltensweisen an meinem Sohn, die ich nicht besonders begrüße (auch milde gesprochen). Es gibt Situationen, wie bei Herrn Baldwin, in denen ich ausflippe. Mein Sohn UND ich haben bisher noch nicht so ganz den Weg gefunden, unsere Kommunikation da zu optimieren. Ich kann es nicht 100%-ig beschwören, aber Vieles von dem, was (aus meiner Sicht) schiefliegt, resultiert aus 8 Jahren, die ich nicht mitbekommen habe. Ich könnte leicht behaupten, dass das nicht so wäre, hätte er in den 8 Jahren auch unter meinem elterlichen Einfluß gestanden, aber ich beschränke mich mal darauf, das ich auf die Möglichkeit hinweise. Ich glaube das jedenfalls so. Beobachter und Kommentatoren im privatem Bereich gibt es immer viele.
Ich möchte noch etwas ganz klar herausstellen, und ich glaube, ich gehe da mit Alec Baldwin konform:
Ich liebe meinen Sohn bedingungslos (da weiß ich über Herr Baldwin allerdings nicht Bescheid). Es spielt keine Rolle, wie er sich mir gegenüber verhält, welche Urteile er über mich glaubt oder wie er sie für sich verwertet. Ich bin stolz auf meinen Sohn, weil ich weiß, das er sich sehr viel Mühe mit sich selbst gibt und weil er sich am Licht orientiert, selbst wenn es ihm manchmal schwerfällt. Er hat sein Herz auf dem richtigen Fleck. Mein Sohn kämpft tagein, tagaus mit sich selbst, der Finsternis, die in ihn gepflanzt wurde, schließt kleine Pakte, verhandelt Dinge in sich mit anderen, und vieles davon zeigt sich nicht an der Oberfläche. Er hat es nicht leicht; die Familiensituation macht ihm zu schaffen.
Ich will an diesem Punkt ein Ende finden, ich könnte noch 400 DIN A4 Seiten mit diesem Thema füllen, besonders, wenn ich aus der Vergangenheit ausholen würde. Aber die ist eben Vergangenheit. Vor mir, vor uns liegt das Morgen, und auf dem Weg zurück zu uns selbst, zu unserem innersten, totalen Friedenspunkt, soll das Jetzt unsere Speise sein.
Ich möchte mit diesem Beitrag meine Gedanken besonders für die Menschen teilen, die sie ebenso brauchen, wie ich manchmal, und wie Herr Baldwin. Das hat auch nichts mit Männersolidarität oder ähnlichen Albernheiten zu tun. Es geht mir darum, das wir alle vielleicht zu oft vergessen, worum es eigentlich wirklich geht. Und ich möchte mich auch selbst immer wieder daran erinnern. Ganz selbstkritisch.
Meine Kinder haben nur einen Vater auf dieser Erde. Und der bin ich.
P.S.: Thanks to Faisal Sultan for the inspiration to write this.












