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Monday, January 29, 2007 by Ingo

Neue Besen kehren … der Situation gerecht werdend

Das Folgende ist (zumindest gefühlt für mich) ein wesentlich wichtigeres Thema, als es zunächst für den Leser den Anschein haben mag. Ich möchte das erklären:

L2 Music und mir selbst ist es nicht möglich, weiterzumachen, wenn nicht neue Wege beschritten werden. Das sind mitunter Wege, die ich eigentlich bisher abgelehnt habe. Man könnte jetzt sagen “Okay, aus der Not heraus”, aber es ist mehr als das. Denn einerseits lehne ich Dinge ab, andererseits sterbe ich wohl an dem Tag (mental), an dem ich nicht mehr flexibel bin und mich nicht mehr den Dingen ZUWENDE. Fakt ist: Ich pfeife aus den letzten mir möglichen Löchern, und wenn ich als Musiker aus Leib und Seele überleben will, der sich nicht verbiegen lässt, brauche ich …

  • Meine eigene Flexibilität
  • Die Unterstützung meiner “Fans” (am allermeisten!)
  • Loyalität von allen Beteiligten

In dem Zusammenhang erwähnen möchte ich abermals, auf welch verlorenem Posten ich bereits stünde, wenn ich nicht die Liebe, das Verständnis und die Geduld meines engsten Kreises von Menschen um mich wüsste. Das ist der Nabel der Welt, Freunde, und auch ihr solltet immer mehr als einen Gedanken daran “verschwenden”. Die Liste derer, die gern verwerflich über einen wie mich werten, wird nicht geringer. Als Künstler ist man - gesellschaftssoziologisch gesehen - immer noch eine Wurst, um es mal in aller Schlichtheit zu formulieren. Ich werde tagein, tagaus damit konfrontiert, und es ist manchmal - je nach eigener, mentaler Verfassung - nicht immer ein Geschenk, damit souverän umzugehen. Nur eine Rechnung auf Papier hat noch weniger Herz als die Urteile von hirn- und herzlosen, gesellschaftkonformen “Mitschwimmern”, die in der Vogelmannsprache auch gemeinhin als “Schafe” bekannt geworden sind.

Ich habe es oft an den verschiedensten Stellen gesagt, und ich wiederhole mich gern: Kunst und Kultur ist das höchste weltliche Gut der Menschheit. Und nichts wird mehr mit Füßen getreten und zerhäkselt als das. Konsumiert wird es sehr gern.

Bricht ein Glied aus der gegenteiligen Liste (also der weiter oben aufgeführten) heraus, gehe ich unter, und damit auch die Musik, die nicht nur mir sondern auch euch so wichtig ist. “Fans” zu haben ist wunderbar. Das macht aber (leider) ökonomisch nur dann Sinn, wenn es auch eine gewisse Masse davon gibt. Deshalb benötigt jemand wie ich viel mehr Exhibition. Man kann Menschen nicht zu Konsum zwingen (obwohl das einige erfolgreich machen), aber man kann mehr auf sich aufmerksam machen, und genau das ist das Gebot der Stunde. Ich muss das tun, wenn ich weitermachen will.

Damit wir uns richtig verstehen bzw. ich richtig verstanden werde: Ich führe ein sehr bescheidenes Leben, fernab jeder Extravaganzen, Luxus und Ähnlichem. Mir liegt überhaupt nichts daran, im Überfluß zu leben. Das war nie so und wird vermutlich auch nie so sein. Aber ich brauche eine gewisse “Basis”, um mein Schaffen und Wirken Möglich zu machen. Und das geht nicht, wenn der Kaufmannsanteil größer als der Künstleranteil ist, sprich: Wenn ich mir nur darüber Gedanken machen muss, wie ich das Schiff im Fahrwasser behalte, ohne das es sinkt. Dabei möchte ich so wenig wie möglich die Dinge tun, die ich eigentlich nicht tun möchte.

“GOD” ist eine 100%-ige Überzeugungstat gewesen. Die monatelange Produktionszeit hat mich viel gekostet. Ich habe viele Dinge nicht getan, die ich sonst getan hätte (um nur das Beispiel Remixarbeit zu erwähnen). Das macht sich auch sehr im Portemonnaie bemerkbar. Wer glaubt, ich stoße mich mit dem hier und da betitelten “Meisterwerk” gesund, der geht fehl. Es wäre in der Tat ganz toll und wunderbar, wenn das so wäre, aber die Realität sieht einfach anders aus. Ihr könnt mir glauben: Es wäre ein absoluter Traum, sich um die Grundsicherung keine Gedanken mehr machen zu müssen und sich nur noch künstlerisch entfalten zu können! Aber - anders als Major Labels z.B. - habe ich nicht die großen Summen zur Verfügung, um großangelegte Promotion für mich zu machen, denn versteht bitte: Davon, und leider nur davon (heutzutage) - hängt der wirtschaftliche Erfolg eines Künstlers ab, wenn wir über eine gewisse Größenordnung reden. Natürlich setzt Qualität sich durch! Aber das hat nicht zwingend etwas mit dem besagten Portemonnaie zu tun.

Es gibt da niemandem wirklich etwas vorzuwerfen und ich möchte diese “Ansage” hier nicht als Jammerei verstanden wissen. Zum Richtigen Zeitpunkt passieren immer die richtigen Dinge. Zunächst ist jetzt die Zeit zu handeln, denn ich möchte mir meine Liebe zu dem, was ich mache bewahren, außerdem möchte ich Sorgen von meiner Familie fernhalten. Es reicht, wenn ich die habe. Und leider habe ich Anlass dazu, wie man vielleicht anhand dieses Beitrages merkt.

Künftige Veröffentlichungen von mir und befreundeten Künstlern sind nach und nach ALLE in den weltweit verfügbaren Downloadstores, Online-CD-Stores und dem Fachhandel (bishin zu MediaMarkt und Saturn) erhältlich. Es wird so gut wie niemand sagen können “ich weiss ja gar nicht, wie und wo ich das kaufen kann”.

Die Gründe sind einfach, wie alles Wahre einfach ist. Es hat sich viel zum Guten hin verändert, die klassische Musikindustrie gibt es SO nicht mehr. Es ist mir egal, ob ich meinen Beitrag dazu geleistet habe oder andere, ich freue mich aber darüber, das es so ist. Aber jede Geburt setzt eine Schwangerschaft voraus, dementsprechend ist noch nicht alles perfekt. Um Überleben zu können, muss man also (noch) “Kompromisse” machen. Ich möchte hierbei das Wort in den Anführungsstrichen betont wissen! Es ist für mich nicht der optimale Weg, aber es ist der Weg - und das ist das massgebende Kriterium - der momentan möglich ist. Also soll er gegangen werden.

Hier zunächst die aktuell verfügbaren Versionen von “GOD” in Downloadstores (Qualitäten, Preise usw. differieren, also checkt das bitte für euch selbst aus; ich habe das keinen Einfluß drauf):

Diese Liste wird stets erweitert, sobald es etwas zu berichten gibt. Rechnet mit HUNDERTEN Angeboten. Viele Dinge befinden sich gerade noch in der “Pipeline”, sind aber gemachte Sache und nur eine Frage von Tagen.

Nochmal zur Verdeutlichung: Ich beiße nicht vor Ärger ins Kissen, wenn man mein künstlerisches Schaffen negativ kritisiert - soviel Profi bin ich - aber ich beiße ins Kissen, wenn mich die Sicherung von Grundbedürfnissen dazu treibt.

Wen meine darüber hinausgehende Meinung interessiert, der nimmt sich ein bißchen Zeit und schaut sich das hier an. Und das hier, was meine Haltung widerspiegelt. Und das.

Ich glaube immer noch an die absolute Künstlerautonomie. “From producer to audience” ist das Stichwort. Keine Vertriebskanäle mehr, außer den eigenen. Die Köpfe sind nur noch nicht soweit, noch ist die Programmierung anders.

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