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Und jetzt möchte ich mal (wieder) mit einem delikaten Thema aufräumen.
Einleitend dazu möchte ich feststellen - weil ich es kann - dass ich wohl die besten Fans der Welt habe. Man findet meine Arbeiten durchaus in Filesharing-Netzwerken. Ich selbst benutze ein bekanntes davon für meine kleine, persönliche Marktanalyse. Wenn ich Musik haben möchte, die mir n icht gehört, höre ich sie auch gelegentlich über P2P vor und kaufe sie im Anschluß. Dazu benutze ich meist wechselnde Download Stores oder CD-Händler im Netz. Aber meistens kontaktiere ich das Label und lasse mir Promos schicken, der Ehrlichkeit halber erwähnt. Warum ich das mache? Weil ich es kann. So einfach ist das. Denn im Unterschied zu den meisten Musikkonsumenten habe ich auch eine ganz andere Möglichkeit, die jeweilige Musik dann auch zu promoten, was ich ja regelmässig tue. Das ist ja schließlich auch der Sinn hinter Promos. Also stellen wir fest: Ich erfülle diesen Sinn. Ebenso wie Originalversionen in P2P-Netzwerken werden natürlich auch Promomöglichkeiten missbraucht, aber das ist - schlicht und ergreifend - einzukalkulierendes Label- bzw. Künstlerrisiko. Ich trage das ja schließlich auch.
Natürlich bin ich nicht begeistert, wenn mir jemand - wie z.B. in meinem Gästebuch - mitteilt, wie geil er “GOD” findet, ich aber weiß, dass er das Werk eigentlich nie gekauft hat. Schließlich kann ich das einsehen, ich habe da einen recht lückenlosen Einblick und kenne meine Käufer.
Ich pflege - aus Überzeugung - einen sehr angenehmen, persönlichen und respektvollen Umgang mit meinen “Fans”. Es findet mindestens Mailaustausch und somit Gedanken- und Feedbackaustausch statt. Wer mir schreibt, bekommt eine Antwort, basta. Es kann mal ein paar Tage dauern (manchmal auch Wochen), aber ich antworte. Das sind meine Kunden, wieso sollte ich nicht mit ihnen kommunizieren? Weil ich etwas Besonderes bin? Ja, bin ich, genauso, wie jeder andere Mensch etwas Besonderes ist, auf seine Weise.
Ich weiß also so ziemlich genau, was mit meinen Werken passiert. Es gibt weltweit vielleicht eine Handvoll Leute, die meine Musik kopieren, filesharen und nie kaufen/bezahlen. Der Anteil ist verschwindend gering, gemessen an denen, die sie bezahlen. Und ich münze das mal auf die Haltung, die ich als Künstler meinen Zuhörern gegenüber habe. Ich habe 2004 nicht umsonst voller Überzeugung SAVEMUSIC aus der Taufe gehoben, und wisst ihr was: Nicht das es mich aufgeilen würde, aber ich habe bis heute Recht behalten. Die Erfahrung als Künstler selbst beweist das einfach.
Ich halte meine Preispolitik für sehr angemessen - also gemessen am vorhandenen Markt. Bei jedem bewirkt meine Musik etwas anderes. Der Eine fragt sich, wofür er die Kohle ausgegeben hat, der Andere wiederum möchte am Liebsten freiwillig noch 20 € hinterherschicken, weil er so begeistert ist. Letztes kommt häufiger vor als Erstes, was ich aber nicht zum Anlass nehme, die Preise anzuheben. Alles gut so. Für diesen Moment jedenfalls.
Ich werde, auf diesen Wegen wandelnd, niemals vermögend. Ich muss das aber auch nicht, das ist nicht mein Anspruch. Ich habe den Anspruch, mich, mein Leben und meine Familie “nähren” zu können. Das zum Wirtschaftlichen Teil der Sache.
Ich gehöre - bisher - ganz klar (und soviel Selbstbewusstsein sei erlaubt) zu den “bestgehüteten (ignorierten) Geheimnissen der Musiklandschaft”, und das liegt einzig an meiner persönlichen Politik. Ich kenne ein paar Kollegen, denen es ähnlich geht. Und ich kann euch versprechen: Das ist natürlich nicht fair, aber irgendwie auch doch, denn diese Leute haben den Weg ebenso bewusst gewählt, wie ich. Und natürlich, keine Frage: Wir alle warten “irgendwie” auf den großen Wurf, der uns mal für ein paar Jahre aus der “Feuerzone” holt, denn unter unseren Ärschen brennt immer ein kleines Flämmchen des Risikos. Besagte Kollegen führen alle ein Recht “normales” Leben, mit Familie etc., und sie sind sowas wie “Ernährer”, genauso wie ich. Und wir alle haben Frauen an unserer Seite, die AUCH bewusst diesen Weg gewählt haben, wohl wissend, auf was sie sich da eingelassen haben :o). Ich kann da nur für mich sprechen: ich rechne meiner Frau das alles hoch an und weiß, was sie mitmacht. Und obendrein macht sie’s auch noch gerne. Sollte ich also jemals auf irgendeinem Treppchen stehen, einen Preis oder sowas in Empfang nehmen, dann hätte ich meiner Frau die meisten Dankesworte zu übermitteln.
Und damit möchte ich auch gleich mit einem anderen Mythos aufräumen. Nein, sorry, es sind NICHT ausschließlich die “Fans”, die einen zu so etwas katapultieren. Es ist die Kraft der Medien. Man muss bei “Fans” auch unterscheiden! Es gibt die, die ich habe, mit denen z.B. ein persönlicher Draht möglich ist, und es gibt die, die nur ein “Opfer” gesucht haben, die “Trendfans”. Und die erwachsen erst aus Medienpräsenz. Erste schätzen meine Musik und oft auch mich als Typ, Zweite schätzen es, Angesagtes zu konsumieren. Da ich nicht der Angesagteste Hypekünstler bin, verfüge ich über die zweite Version so gut wie gar nicht. Ich bin Underground, ganz klar. Ich hätte nichts dagegen, wenn sich das quantitativ verändern würde, aus besagten Gründen, aber ich würde dann auch sehr vorsichtig damit umgehen.
Aber kommen wir zu meinem eigentlichen Statement.
Das Verbreiten von Musikdateien - auf welchem Wege auch immer - killt keinen Künstler oder Label. Das ist schlicht FAKT. Im Gegenteil, es promotet ihn. Es ist deshalb Fakt, weil ich den Beweis aus eigener Erfahrung antreten kann. Und ich habe es im Übrigen immer so behauptet.
Vorsichtig geschätzt (weil ich das rein zahlenmäßig nicht genau festlegen kann) kaufen 90% aller Filesharer meine Musik auch nach dem Hören. Warum? Zum Einen wissen die meisten davon um meine persönliche Haltung zu dem Thema und respektieren das. Zum Anderen haben sie ein Interesse daran, mich als “Lieferant von Seelennahrung” am Leben zu erhalten. Sie wissen, das Verkäufe dies erst möglich machen.
Ein Raucher gibt am Tag geschätzte 5 bis 10 € für seine Sucht aus. Würde jeder “Fan” meiner Musik das täglich für meine Musik ausgeben, wäre ich reich. Zumal das Eine fortwährend - nach einmaligem Kauf - konsumiert werden kann und das Andere total vergänglich ist. Was hat also den Markt so kaputt gemacht? Wieso kann ich nicht 200 € für ein Album verlangen, was der Käufer theoretisch die nächsten 50 Jahre fortwährend konsumieren kann? Ganz einfach: Weil es ein paar Arschlöcher gibt, die diese Möglichkeit über die Masse ihrer Produkte, den Hype darum und ihre Geldgeilheit ausgelutscht haben.
Ich halte es im Prinzip für durchaus Möglich - und mal abgesehen davon sogar für berechtigt - für ein Album 200 € zu nehmen. Und jetzt bitte ich den Leser mal darum, sämtliche Dogmen für eine kurze Zeit von sich abfallen zu lassen. Wenn ein Kunstmaler ein Bild verkauft, ist das ein Unikat, weil er es nur ein Mal gemalt hat und an einen Kunstliebhaber verkauft. Dafür werden Preise zwischen 100 € und ein paar Millionen bezahlt. Wenn ich ein Stück komponiere und produziere, ist das an sich auch ein Unikat, aber es besteht die Möglichkeit der verlustfreien Kopie (in der Malerei wäre das eine Lithografie, die allerdings NICHT das Original ist, also verlustbehaftet) Kopie. Also stelle ich mal ganz frei die Frage in den Raum: Wieso kann ich nicht 200 (oder mehr) Euro für ein Album von mir verlangen?
Ein Stück von mir, je nach Shopphilosophie, kostet auf dem Markt zwischen 50 ct. und 3 €, mal so grob gesagt. Darin stecken nicht selten WOCHEN an Arbeit, Kreativität und - nicht zu vergessen - Herzblut. Lassen wir die Qualität mal außen vor, das ist ja auch Ansichtssache. Meiner Ansicht nach besteht in diesem Umstand eine EXTREME Störung in der Gesundheitssituation desselben Umstandes, oder - um es vereinfacht auszudrücken: Die preisliche Situation eines Musikstückes ist total bescheuert!
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Kommen wir zu Auftritten. Ich koste - im Optimalfall - 1.000 € pro Auftritt (in der Regel 2 bis 4 Stunden). Mal abgesehen davon, das ich diesen Preis so gut wie nie bekomme, können wir hier sehen, das dies ebenso unverhältnismäßig ist! Es ist nämlich viel zu viel. Wie kommt dieser Preis dann zustande? Eben DURCH oben Genanntes! Würde ich mehr an Verkäufen verdienen, also wäre das Verhältnis an dieser Stelle gesünder, könnte ich auch gesündere/verhältnismäßigere Gagen verlangen. So wären vermutlich alle glücklich.
Es bleibt also, zu hoffen, dass ich auch mit diesem Beitrag für die Zukunft Recht behalte und sich etwas ändert, auf lange Sicht natürlich. Und ich erwähne es nochmal, wie an vielen anderen Stellen auch:
Kunst und Kultur ist das höchste (weltliche) Gut der Menschheit. Und es wird ausgelutscht, bis kein Tropfen mehr fließt.











