Ich darf ja laut Ingo schreiben was ich möchte. Also tue ich das jetzt auch mal (mache ich ansonsten aber auch…![]()
Das fragwürdige Konzept hinter der Veröffentlichung “God”
Ingo veröffentlicht nun ja tatsächlich ein Mammutwerk unter dem gewagten Titel “God”. Das allein wäre schon mal eine gesonderte Betrachtung wert, aber grundsätzlich fällt sowas meiner Meinung nach durchaus unter die künstlerische Freiheit.
Ich kann nachvollziehen, was hinter dahinter stecken könnte dieser Veröffentlichung einen so hochtrabenden Titel zu geben. Wenn ich mir Ingos Musik anhöre, die ich im Übrigen sehr mag, finde ich, dass sich für den potentiellen Hörer die einmalige Chance ergeben könnte, den Begriff “Gott” durch die Musik zu abstrahieren und dadurch vollkommen neu zu definieren. Das würde dann auch den Titel “God” rechtfertigen (Obwohl man natürlich auch über andere Wege seine persönliche Definition von Glaube und Spiritualität finden könnte).
Diese einmalige Chance verschenkt Ingo aber! Er bildet sich selbst nämlich auf dem Artwork zu “God” in einer eindeutigen Pose nach zeitgenössischen Jesus- Darstellungen ab.
Jesus ist aber nicht Gott! Jesus ist eine rein westlich-christliche Metapher von Gottes Sohn. Dieses Bild ist in der westlichen Kultur fest mit bestimmten Wertesystemen (wie z. B. der Institution Kirche) verbunden.
Das hat für den Hörer und Betrachter des Werkes „God“ folgende Konsequenzen:
- Die erlernten Bedeutungen von Jesus, Kirche und Religion werden sich zu allererst über die (vermutlich) tiefere Bedeutung des Titels „God“ legen. Der vordergründige Hinweis auf Jesus ist einfach viel zu stark und eindeutig.
- Menschen anderer Kulturen wird der Zugang zu „God“ mit diesem Artwork damit fast unmöglich gemacht. Eine Abbildung eines Mannes, der aussieht wie Jesus, gemeinsam mit dem Titel „God“ ist ein eindeutiger visueller und inhaltlicher Code, der christlich geprägte Menschen anspricht und nicht-christlich geprägten Menschen zu verstehen gibt, dass es hier vorwiegend um Christentum geht anstatt um generelle Begriffe des Glaubens.
Letztendlich wird damit sogar eine potentielle Diskussion verhindert!
Man könnte also sagen dass die Verwendung der Jesus-Ikone als Titelbild für eine CD mit dem Namen „God“ einen groben semantischen Fehler enthält, ausgehend davon dass Ingo meines Erachtens sicher ein liberales und umfassendes Verständnis von Glaube und Religion kommunizieren möchte.
Ich habe meine Betrachungen zu diesem Thema natürlich in genau dieser Form betreits mit Ingo besprochen. Wenn ich Ingo richtig verstanden habe erhofft er sich gerade durch die oben aufgeführte Verwirrung der Begriffe einen erhöhten Aufmerksamkeitswert, der dann letztendlich dazu führen soll dass man sich eben gerade von den althergebrachten Bildern der Religion hin zu erneuerten und emanzipierten Haltungen zu dem Thema entwickelt. Ich halte diese Einstellung für ziemlich unbedarft. Ich glaube dass es mehr Irritation und Missverständnisse durch das Artwork von „God“ geben wird, als das es Menschen eine Tür zu einem erweiterten Verständnis der Welt aufschlagen wird.
Mein Vorschlag wäre folgender:
Um die Hörer wirklich dazu zu bringen bei dem Begriff „Gott“ nicht sofort in gängige Klischees zu verfallen hätte man z. B. ein graues Quadrat als Artwork benutzen können. Diese Form ist relativ frei von Assoziationen und könnte daher als globales Zeichen dienen, dass man den eigenen Vorurteilen keinen Glauben schenken darf. „Gott“ ist ein allumfassender Begriff, demnach ist „Gott“ auch in einem grauen Quadrat - und in einer stinkende Müllhalde, einem weinendem Kind, einem sterbenden Soldat, in der Klimaveränderung, in dem anregenden Geschmack einer Zigarette oder einfach einem warmem, weichen Bett… etc. und dass überall auf dieser Welt, unabhängig an was der Mensch glaubt oder ob er an irgendetwas überhaupt glaubt!
Apropos Missverständnisse:
- Ich mag Ingos Musik und ich mag auch sein professionelles Artwork. Ingo ist mit seinen technischen und kreativen Fähigkeiten eine wirklich aussergewöhnliche Person.
- Ich habe NICHT über Glaube, Religion oder Spiritualität an sich geredet, sondern nur über die Form, mit der gewisse Inhalte kommuniziert werden. Ich habe in diesem Zusammenhang auch keine wertenden Aussagen über die Inhalte getroffen, noch habe ich meine persönliche Meinung zu dem Thema kund getan (das ist nämlich an dieser Stelle völlig irrelevant).
Folglich habe ich Ingo in seinen vermuteten inhaltlichen Aussagen über „God“ auch nicht zugestimmt oder mich ablehnend dazu geäussert. Ingo ist für mich als Künstler absolut integer. - Meine wertenden Aussagen betreffen nur die Form und wie man sie effektiver gestalten könnte; und das ausgehend davon dass ich verstanden habe was Ingo will – wenn man Ihm überhaupt unterstellen möchte dass er etwas will…
- Mir ist auch durchaus klar dass Ingo mit der ganzen Sache eine gewisse Selbstironie zeigt.







